Klassik Musikwelt trauert um Komponist Mauricio Kagel

Mauricio Kagel ist tot. Foto: dpa

Frankfurt/Main/Köln (dpa) - Mauricio Kagel, einer der bedeutendsten Komponisten zeitgenössischer Musik, ist am Donnerstag im Alter von 76 Jahren in Köln gestorben. Das teilte der C.F. Peters Musikverlag in Frankfurt mit.

 

Der deutsch-argentinische Komponist und Dirigent von Weltrang schuf während seines rund 50-jährigen Wirkens in Köln mehr als 200 Werke. Kagel war bereits seit längerem krank. Die Musikwelt reagierte mit Bestürzung. «Er ist ein Magier des szenisch-modernen Theaters gewesen, eine Weltmarke und auch in seinem Alter noch ein Neuerer», sagte der Dresdner Komponist Udo Zimmermann.

Der am 24. Dezember 1931 in Buenos Aires geborene Künstler zählte zu den international renommiertesten und profiliertesten Komponisten der Nachkriegszeit. Sein Name ist vor allem mit dem Musiktheater verbunden, auf das er einen tiefgreifenden Einfluss hatte. Er schuf Bühnen-, Orchester- und Kammermusikwerke, aber auch Filme, Hörspiele und Essays. Kagel ist auch als Regisseur, Autor und Performancekünstler weltweit bekannt.

«Tief bestürzt» zeigte sich die Alte Oper Frankfurt. Dort sollte Kagel in der kommenden Woche am 22. und 24. September zwei Konzerte mit dem Ensemble Modern leiten. Die Alte Oper hatte Kagel in diesem Jahr das Komponistenporträt ihrer Veranstaltungsreihe «Auftakt» gewidmet. An seiner Stelle werde der junge Dirigent Clemens Heil die Dirigate übernehmen, die Konzerte fänden im Gedenken an Kagel statt. Auch das Internationale Musikinstitut Darmstadt (imd) trauerte. «Wir sind hier seit den späten 50er Jahren mit ihm eng verbunden gewesen und haben bis in die 90er Jahre viele Werke von ihm uraufgeführt», sagte Jürgen Krebber für das renommierte Zentrum für zeitgenössische Musik.

Kagel galt als ein großer Künstler der Avantgarde, der auch mit elektro-akustischen und audio-visuellen Medien experimentierte. In seiner Komposition «Fantasie für Orgel und Obligati» hatte er sogar eine WC-Spülung als Instrument eingesetzt. Ungewöhnlich - und von viel öffentlicher Anerkennung begleitet - war auch seine Kinderoper «Zählen und Erzählen - Musiktheater für Unerwachsene», die er 2002 in Berlin in einer Neuinszenierung aufführte. Dafür hatte er Berliner Schüler eine neue Handlung erfinden lassen. 2005 überzeugte Kagel mit der Uraufführung seiner Komposition «Fremde Töne und Widerhall».

Mauricio Kagel war als Komponist Autodidakt. Auch Instrumente wie Cello oder Klavier lernte er im Selbststudium oder in privaten Unterrichtsstunden. In Buenos Aires hatte Kagel Philosophie und Literaturwissenschaften studiert, nachdem er nicht zum Konservatorium zugelassen worden war.

Nach Köln kam der vielseitige Künstler 1957 mit einem Stipendium in der Tasche. Dort war er auch an den Studios für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks tätig. Es folgten zahlreiche Engagements als Gastdozent - etwa in Darmstadt oder Berlin-, die Leitung des Rheinischen Kammerorchesters und des Instituts für Neue Musik an der Rheinischen Musikschule (Köln) sowie eine Professur für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule (1975). Kagel sei durch sein Leben und Wirken Nordrhein-Westfalen bis zuletzt verbunden gewesen, sagte NRW- Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU).

Das Werk des multimedialen Künstlers zeichnete sich nach Angaben des Verlags auch durch Fantasie, Originalität und Humor aus. Mit großer Erfindungsgabe bediente sich Kagel ganz unterschiedlicher Ausdrucksmittel, die oft bissig und provozierend wirkten. Aufsehenerregende Aktionen hatte er auch mit dem Komponisten- «Kollegen» Karlheinz Stockhausen gestartet, der erst Ende 2007 in Kürten bei Köln gestorben war.

Die Arbeit Kagels wurde mit zahlreichen Preisen gewürdigt. Er erhielt unter anderem den Erasmus-Preis (1998), den Ernst von Siemens Musikpreis 2000 oder en Großen Rheinischen Kunstpreis für sein Gesamtwerk (2002). 2007 wurde er von der Universität Siegen zum Ehrendoktor ernannt.

 

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