"Kein Frühlingsbote mehr" Störche kehren schon jetzt nach Bayern zurück

Schon seit Februar kehren die ersten Storchenpaare in ihre bayerischen Domizile zurück. Foto: dpa

Früher kamen sie meist im April, doch inzwischen kehren die ersten Störche schon im Februar nach Bayern zurück. Schuld daran ist aber nicht der Klimawandel.

 

Hilpoltstein - Die ersten Störche sind da: Seit dem Faschingswochenende kehren vermehrt Tiere aus ihren Winterquartieren nach Bayern zurück. "Die Zahl der Vögel, die hier überwintern, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und auch die Zahl der frühen Winterrückkehrer nimmt zu. Das hat sich deutlich nach vorne verlagert", erklärte die Storchen-Expertin des Landesbunds für Vogelschutz in Hilpoltstein (Mittelfranken), Oda Wieding. Sie zieht daher das Fazit: "Der Storch ist kein Frühlingsbote mehr."

Dies hänge allerdings - anders als wahrscheinlich beim Kuckuck - nicht mit dem Klimawandel zusammen. "Es wird immer deutlicher, dass es keinen Zusammenhang mit der Witterung gibt", sagte Wieding. Stattdessen spiele der Mensch eine entscheidende Rolle: In der Vergangenheit wurden Weißstörche vor allem in der Schweiz und im Elsass häufig gezüchtet und durch Einsperren am Zug gehindert. So bekamen sie beigebracht, auch später in der Freiheit im Winter in Europa zu bleiben; andere Tiere übernahmen diese Strategie.

"Das Winterverhalten ist massiv beeinflusst durch menschliche Aktivitäten", betonte Wieding. Inzwischen lebten rund 200 Tiere ganzjährig in Bayern. In diesem Winter wirkte sich zudem das Wetter auf das Zugverhalten derjenigen Störche aus, die in Spanien überwintert hatten: Hochdruckeinfluss ermöglichte es den Vögeln schon früh, dank der Thermik mit wenig Anstrengung nach Bayern zu fliegen und hier als erste die Brutgebiete zu besetzen. Auch aus dem Elsass kamen bereits Tiere zurück.

"Die Afrika-Rückkehrer kommen erst Ende März bis Ende April rein, die fliegen zum Teil ja 10 000 Kilometer", berichtete Wieding mit Blick auf die traditionelle Zugroute der Störche. Diese Tiere finden dann ihr letztjähriges Nest oftmals schon besetzt vor, brutale Kämpfe sind die Folge. "Das kann bis hin zu einem tödlichen Ausgang gehen. Die Schnäbel sind wirklich ernsthafte Waffen, und da prügeln sich auch die Weibchen." Die Expertin rechnet damit, dass sich heuer wie im vergangenen Jahr gut 360 Weißstorchenpaare in Bayern ansiedeln.

 

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