Kardinal Marx „Kirche braucht Erneuerung“

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hat sich zu einer Reform der katholischen Kirche bekannt.

 

München/Passau - „Die Kirche braucht Erneuerung“, sagt er der „Passauer Neuen Presse“ vom Samstag. Sie müsse „die Zeichen der Zeit erkennen“, dürfe aber gleichzeitig „nicht im Zeitgeist aufgehen“. Der Kardinal unterstrich: „Wir werden den Glauben und die Kirche nicht neu erfinden. Wir bleiben katholisch.“

Für den Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. im September zeigte sich der Münchner Oberhirte zuversichtlich. „Natürlich“ löse der Papst-Besuch nicht „alle unsere Probleme“. Doch sei er sich sicher, dass der Papst „bei seinen Predigten in Deutschland und seiner Rede im Bundestag wichtige Akzente setzen wird“.

Benedikt werde „das Unverwechselbare und Großartige der christlichen Botschaft deutlich machen“, sagte der Erzbischof, „und fast die ganze Gesellschaft wird zuhören – auch diejenigen, die suchen und zweifeln.“ Für Deutschland sei dieser Besuch „eine große Chance“.

Kriege lösen keine Probleme

Zur Situation in Libyen sagte Marx, er habe Verständnis dafür, dass die NATO versuche, „einem Diktator entgegenzutreten, der mit Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgeht.“ Kriege lösten aber keine Probleme und auch das Völkerrecht gebe es „nicht her“, einen Krieg zu führen, um einen Diktator zu stürzen.

Zudem betonte Marx, dass auch Deutschland angesichts der Flüchtlingswelle aus Nordafrika in der Verantwortung stehe. „Europa sollte nicht den Eindruck erwecken, dass unsere Antwort auf die doch bewegende Entwicklung in Arabien die Angst vor Flüchtlingen ist. Das ist erbärmlich“, sagte der Kardinal.

„Für die 20.000 oder 30.000 Flüchtlinge, um die es offensichtlich geht, müsste doch in gemeinsamer europäischer Anstrengung eine menschenwürdige Lösung gefunden werden.“ Zur Atomenergie äußerte sich Marx, der Mitglied der Ethikkommission der Bundesregierung zur künftigen Energieversorgung ist, skeptisch.

Die Kernkraft sei „offensichtlich für uns Menschen schwer zu bändigen“. Zum christlichen Glauben gehöre auch, um seine Grenzen zu wissen. Da weder das Restrisiko zu beherrschen, noch die Frage der Endlagerung gelöst sei, sei es „ethisch vorzuziehen, Ausstiegsszenarien jetzt konkret zu beschließen“.

 

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