Kandidaten-Streit Dobrindt hat ein Frauen-Problem

CSU-General trickst Bewerberin aus und bringt Spezl in Stellung  

 

MÜNCHEN/SCHONGAU Er hat in der CSU das „Jahr der Frau“ ausgerufen und Bayern mit „Ladies After Work Partys“ überzogen. Daheim in Weilheim-Schongau ist für CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt Politik aber auch weiterhin Männersache.Mit einem Überraschungscoup bootet er die Schongauer CSU-Chefin Christine Sander als Nachfolgerin von Landtags-Fraktion-Vize Renate Dodell aus und bringt seinen Spezl, den Garmischer Landrat Harald Kühn, in Stellung.

Die Empörung ist groß. „Undemokratisches Verhalten“, muss sich Dobrindt nun aus seiner Partei vorwerfen lassen. „Demokratie stelle ich mir anders vor“, kritisiert die Schongauer CSU-Vize-Chefin Ingrid Steffek den General. Christine Sander schäumt vor Wut: „Ich habe nichts dagegen, fair zu unterliegen.“ Doch so, wie das gelaufen ist, habe das nichts mit Fairness zu tun.

Per Mail hatte die alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen, die als Flugbegleiterin arbeitet, bei Dobrindt ihr Interesse angemeldet. Den interessierte das offensichtlich nicht. Bis heute führte er kein persönliches Gespräch mit ihr über eine Kandidatur.

Dafür schaffte er vollendete Tatsachen. Auf einer Sitzung seines Kreisverbandes ließ er über seinen Spezl abstimmen und verkünden: Alle 17 Anwesenden hätten für ihn als Wunschnachfolger von Dodell gestimmt. Nur: Sander war bei dem Treffen nicht dabei und fühlt sich überrumpelt. Beim Jubiläum der Frauen-Union im Landkreis sei Kühn noch bei ihr gesessen und habe kein Wort von seiner Kandidatur verraten.

Dass nicht alles korrekt zugehen könnte, muss Dodell, die nach 18 Jahren das Parlament verlässt, geahnt haben. „Ich habe niemanden als Nachfolgerin aufgebaut“, sagte sie im Sommer zur AZ, „weil ich bei anderen, die das gemacht haben, gesehen habe, wie es unschöne Szenen gab.“ Sander will kämpfen. Ihren Ortsverband hat sie hinter sich. „Wer für den Landtag kandidiert, wird nicht in Hinterzimmern entschieden“, erklärt Steffek. „Dass entscheiden noch immer die Delegierten.“  CSU-Sprecher Michael Strepp teilte der AZ mit: „Herr Dobrindt möchte dazu nichts sagen."

Die CSU-Oberbayern hat nur acht Frauen im Maximilianeum. Fünf von ihnen treten nicht mehr an. Nachfolgerinnen sind nicht in Sicht. Deshalb holte Parteichef Horst Seehofer schon seine Bundesagrarministerin Ilse Aigner nach Bayern  zurück.

 

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