Kampf gegen Wohnungsmangel Wo München in Zukunft in die Höhe bauen will

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Ökologisch und schick: Aufstockung in Holzbauweise in der Attenkoferstraße. Die Gewofag hat hier 50 extra Wohnungen geschaffen. Foto: Gewofag

Im Kampf gegen den Wohnungsmangel hatte die CSU Aufstockung gefordert. Doch GWG und Gewofag finden das in vielen Wohnanlagen nicht umsetzbar. Jetzt streitet das Rathaus.

 

München - Überall dort, wo eh schon Gebäude stehen, noch ein Stockwerk draufbauen. Und so Wohnraum für bis zu 100.000 Münchner schaffen. So hatte die CSU-Fraktion sich das in ihrem Antrag vom Februar gedacht. Zumindest bei allen städtischen Wohnungsbaugesellschaften solle die Stadt prüfen, wo sich eine Gebäudeaufstockung anbiete, hieß es in dem Antrag. In der Beschlussvorlage, die Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) jetzt dem Stadtrat vorgelegt hat, äußern sich die städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Und klingen deutlich weniger euphorisch.

Das Ergebnis einer ersten Studie sei, dass bei maximal 500 Wohnungen aus dem Bestand noch aufgestockt werden könne, heißt es von der GWG. Die Aufstockung sei von verschiedenen Rahmenbedingungen abhängig, heißt es weiter. Etwa von dem baulichen Zustand und der Statik des Gebäudes, dem bestehenden Baurecht und davon, ob für die neuen Wohnungen Stellplätze geschaffen werden können.

Hier hat es schon mit der Aufstockung geklappt

Gelungen ist der GWG eine Aufstockung bisher zum Beispiel am Mariahilfplatz, am Lilienhof, der Alpspitzstraße, der Badgasteiner Straße, der Ampfingstraße und der Ingolstädter Straße. In Freiham sei zudem generell geplant, dass alle Gebäude wo möglich aufgestockt werden.

In Freiham gilt das auch für die Wohnungen der Gewofag, die hier entstehen sollen. Generell untersuche die Gewofag bereits seit 2015 generell bei Neubauprojekten, wo noch aufgestockt werden kann. Etwa im Prinz-Eugen-Park. Hier baut sie jetzt ein Stockwerk höher als ursprünglich geplant.

Weiter heißt es in der Vorlage an den Stadtrat von der Gewofag lediglich, man untersuche "bei Bestandssanierungen die Option der Aufstockung von Gebäuden immer mit". CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl findet, dass diese Absichtserklärung zwar generell zu begrüßen sei. Er wünsche sich aber von der Gewofag "ein ähnlich ambitioniertes Vorgehen wie bei der GWG", sagt er der AZ.

CSU-Chef Pretzl: "500 Wohnungen sind fast ein kleines Neubaugebiet"

Er ist der Ansicht: "Wenn wir schnell Wohnraum in München schaffen wollen, dann müssen wir forcierter an die Sache herangehen." Die GWG gehe hier mit gutem Beispiel voran. Pretzl: "500 Wohnungen sind immerhin fast ein kleines Neubaugebiet."

Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher begrüße die Aufstockung generell, freilich besonders, wenn sie bei Gebäuden städtischer Wohnungsbaugesellschaften vorgenommen wird. Bickelbacher bezeichnet sie als "gute Möglichkeit, schnell günstigen Wohnraum zu schaffen".

Überall dort, wo es statische Bedenken gibt, schlägt Bickelbacher die Holzbauweise für die Aufstockung vor. Etwa in der Attenkoferstraße hat die Gewofag so 50 Wohnungen geschaffen. Eine vertane Chance in puncto Aufstockung sieht Bickelbacher in der Messestadt Riem. "An vielen Gebäuden hätte hier ein Stockwerk mehr draufgepasst", so der Grünen-Stadrat. "Damals hat man den Platz einfach noch nicht so ausgenutzt, wie man es jetzt tun würde", sagt er.

SPD wirft CSU Versäumnisse vor

SPD-Fraktionschef Christian Müller kritisiert derweil, dass die CSU selbst vor einigen Jahren eine große Chance zur Aufstockung vertan hätte. Und zwar in der Carl-Wery-Straße. Der Fall: Die Gewofag wollte dort durch Gebäudeaufstockung doch 437 statt wie ursprünglich geplant 327 Wohnungen schaffen.

Doch 166 Nachbarn der künftigen Gewofag-Siedlung hatten Ende 2016 Klage gegen das Vorhaben eingereicht und einen Eilrechts-Antrag nachgeschoben, um die Bautätigkeit zu stoppen. Bereits einen Monat zuvor hatte der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume bei der Regierung von Oberbayern nachgefragt, ob der Bau von acht statt sechs Geschossen und die Erhöhung der Wohnungszahl von 327 auf 427 mit einfacher "Befreiung vom Bebauungsplan" rechtens sei. Die Regierung befand, das sei rechtswidrig. Am Ende gab es eine Kompromisslösung: Es wurden 377 Wohnungen gebaut, die Anzahl der Geschosse variierte zwischen zwei und acht. Christian Müller wirft vor: "Die CSU hat hier konkret den Bau von mehr Wohnraum verhindert."

Manuel Pretzl sieht das anders: Der Bau sei, wie er anfangs geplant war, nunmal nicht rechtmäßig gewesen. Über Merks Beschlussvorlage berät — und streitet — am Dienstag der Stadtrat.

Lesen Sie auch: Aufstocken gegen Wohnungsnot - Träge und unmotiviert

18 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading