Kampf gegen Feinstaub Dicke Luft trotz der Plaketten

In Deutschland ist die Belastung durch Feinstaub wieder gestiegen. Warum Umweltzonen nur „ein Teil der Lösung“ sind

Berlin/München - Stinker müssen draußen bleiben, heißt es in bereits mehr als 50 deutschen Umweltzonen. Doch im Kampf gegen den Feinstaub vermeldet das Umweltbundesamt (UBA) jetzt einen Rückschlag: 2011 übertrafen die Feinstaubwerte im Mittel das Niveau der vorangegangenen vier Jahre.

Beim Feinstaub lagen demnach 42 Prozent der verkehrsnahen 400 Messstationen über dem zulässigen Tagesgrenzwert – dieser erlaubt 35 Tage mit über 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Noch deutlicher ist das Ergebnis beim Stickstoffdioxid: 57 Prozent der Stationen in Städten toppten den erlaubten Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm. Sind Umweltzonen, wie es sie in München seit 2010 gibt, nutzlos?

Der ADAC jedenfalls sieht sich in seiner Kritik an Umweltzonen bestätigt: Der Autofahrerclub beharrt darauf, dass nur neun Prozent der in deutschen Städten gemessenen Feinstaubbelastung aus den Auspuffen der Pkw stammen. „Bei einem derart geringen Verursacher-Anteil wie dies bei Pkw und der Feinstaubbelastung der Fall ist, kann eine Umweltzone gar keinen nennenswerten Beitrag zur Luftverbesserung leisten“, so ADAC-Vizepräsident Klaus Becker.

UBA-Präsident Jochen Flasbarth sieht das anders: Er lobte das Konzept Umweltzonen gestern. Diese seien ein geeignetes Mittel – jedoch „nur ein Teil der Lösung“. Denn Feinstaub und Stickstoffdioxid entstehen auch zu großem Teil bei Verbrennungsprozessen in Energie und Haushalten sowie in der Landwirtschaft.

Und wie ist die Münchner Luft? An der Landshuter Allee, über die täglich mehr als 140.000 Autos brettern, zeigten die Messgeräte im vergangenen Jahr an 48 Tagen überhöhte Feinstaubwerte an. 13 mehr als erlaubt. Recht nah an den erlaubten 35 Tagen war der Stachus – mit 36 Tagen, an denen die Grenzwerte überschritten wurde. „Wir sind noch nicht am Ziel“, sagt dazu der Münchner Umweltreferent Joachim Lorenz. Insbesondere bei der zu hohen Stickstoffdioxidbelastung gebe es noch viel zu tun. Doch Lorenz verweist auf den positiven Trend: 2005 wurden die Feinstaubwerte in der Stadt an 107 Tagen überschritten, seitdem habe sich die Zahl mehr als halbiert. Sein Fazit: „Die Umweltzone zeigt Wirkung.“ Deswegen sollen ab 1. Oktober auch die Autos mit gelben Plaketten aus der Umweltzone verbannt werden. Derzeit gilt das bereits für die rot markierten Autos und alle ohne Plakette.
 

 
 

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