Kampf gegen Antisemitismus Nach Rabbiner-Attacke: Ludwig Spaenle fordert mehr Zivilcourage

Der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Ludwig Spaenle (CSU) verurteilt die Untätigkeit der Passanten. Foto: dpa/Sven Hoppe

Ein Münchner Rabbiner wird am Isartor von vier Männern beleidigt. Die Polizei fahndet weiter nach Verdächtigen. Zeugen werden gesucht.

 

München - Nach der Beleidigung des Münchner Oberrabbiners Shmuel Aharon Brodman durch vier junge Männer am Donnerstagabend am Isartor, hat Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) mangelnde Zivilcourage kritisiert. "Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass auch Bürgerinnen und Bürger, die den Vorfall offensichtlich gesehen haben, dem Rabbiner nicht zur Hilfe geeilt sind oder die Polizei verständigt haben", erklärte der CSU-Chef am Sonntag.

Schmährufe gegen Israel

Bayerns Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus verurteilte den Übergriff scharf. Rabbi Brodman war am Isartor aus einer Trambahn gestiegen und in Richtung Tal gegangen. Dabei folgten ihm vier arabisch sprechende Männer zwischen 20 und 30 Jahren. Sie riefen antisemitische Parolen und "Fuck Israel".

"Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen jüdischen Glaubens zu Opfern von Beleidigung und tätlichen Übergriffen werden" sagte Spaenle. "Ein Übergriff auf Jüdinnen und Juden ist immer auch ein Übergriff auf die bundesdeutsche Gesellschaft".

Dialog zwischen Juden und Muslimen soll intensiviert werden

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz (ORD) in Deutschland forderte als Reaktion auf den Vorfall, den Dialog zwischen Juden und Muslimen weiter zu verstärken. "Dass ausgerechnet mutmaßlich muslimische Jugendliche einen Rabbiner beleidigen, ist besonders traurig, denn sie sind genauso Opfer einer wachsenden Islamophobie hierzulande", erklärte Rabbiner Avichai Apel aus Frankfurt für den ORD-Vorstand.

"Hier sehen wir die Imame und ihre Jugendarbeit in der Pflicht, um Vorbehalte und Aggressionen gegen die hier in Deutschland lebende jüdische Gemeinde abzubauen." Für die Sicherheit jüdischer Einrichtungen in Deutschland werde viel getan. Aber, so der ORD, "wir müssen uns nach diesem jüngsten Vorfall auch erneut fragen, wie in Zukunft Rabbiner und insgesamt jüdische Mitbürger hierzulande besser geschützt werden können." Der Staatsschutz ermittelt. Die Polizei sucht Zeugen des Vorfalls am Isartor. In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland immer wieder Angriffe auf Juden. So im Sommer 2019 in Schwabing auf einen Rabbiner und dessen Söhne.

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