Justiz-Irrtum? Profiler rollt den "Badewannen-Mord" von Rottach wieder auf

Kurz nach der Urteilsverkündung: 2012 wird der Hausmeister zum zweiten Mal wegen Mordes verurteilt. Foto: dpa

Seit 2009 sitzt Manfred Genditzki (55) aus Rottach im Gefängnis. Er bekam Lebenslang wegen Mordes an einer Witwe – zu Unrecht, sagen seine Familie und Anwälte. Jetzt setzen sie den Profiler Axel Petermann auf den Fall an.

Rottach-Egern/München
Der ehemalige Hausmeister Manfred Genditzki (55) aus Rottach sitzt seit Februar 2009 im Gefängnis, zuerst in U-Haft, dann bekam er Lebenslang wegen Mordes. Er soll die Witwe Lieselotte K. († 87) getötet haben.

Sie lebte allein in einer Wohnanlage, Manfred Genditzki half ihr beim Einkaufen, Frühstück zubereiten, ging für sie zur Bank. Im Oktober 2008 fand eine Pflegerin Lieselotte G. tot in ihrer Badewanne. Ein Rechtsmediziner stellte fest, dass sie ertrunken war und Einblutungen am Hinterkopf hatte. Das weckte beim Staatsanwalt den Verdacht, die alte Dame sei getötet worden. Manfred Genditzki geriet ins Visier der Ermittler.

Der Hausmeister wurde beschuldigt, Geld unterschlagen zu haben, während Lieselotte G. in einer Klinik war. Als sie zurück kam, habe er sie getötet, um den Diebstahl zu vertuschen. Das Motiv Habgier konnte eindeutig widerlegt werden, trotzdem bekam Manfred Genditzki Lebenslang. Dieses Urteil des Landgerichts München II hob er Bundesgerichtshof (BGH) auf, doch die 2. Kammer des Landgerichts München II verurteilte den Vater zum Entsetzen seiner Familie und Anwälte erneut wegen Mordes – das Urteil ist bis heute umstritten.

Der Verurteilte hat stets seine Unschuld beteuert. Nun hoffen er, seine Tochter und seine Anwälte auf die Hilfe von Axel Petermann. Der Profiler aus Bremen ist einer der bekanntesten Spezialisten für ungeklärte Mordfälle in Deutschland. Seit Herbst 2014 ist er in Pension. Doch ans Aufhören denkt er nicht. Er ermittelt privat weiter – im Auftrag von Angehörigen.

Nun hat die Familie von Manfred Genditzki den Kriminalisten engagiert, damit er den Fall, bei dem es zahlreiche Ermittlungspannen gab, noch einmal gründlich untersucht. Stößt er auf neue Beweismittel, Indizien oder falsche Zeugenaussagen, könnte dies zu einer Wiederaufnahme führen – die große Hoffnung der Angehörigen. "Ich übernehme den Fall pro bono, ein Honorar nehme ich nicht. Ich lasse mir nur die Auslagen erstatten", sagte er zur AZ.

 

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