Juan Carlos dankt ab Europas Adel: Die neue Generation übernimmt

In Schweden bereit: Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel... Foto: dpa

Der Thronverzicht von Juan Carlos zeigt, dass die Zeit der alten Monarchen zu Ende geht. Die Jungen sind bereit für die Macht.

 

Madrid - Selbst bei den Traditionsfanatikern in Großbritannien tut sich was. Ob denn Königin Elizabeth (88) wie Spaniens Juan Carlos (76) abdanken solle, wollte der „Guardian“ auf seiner Webseite wissen. 50 Prozent sind mittlerweile dafür – bemerkenswert für das sonst so königstreue Land. Längst steht in Europa die neue Adelsgeneration bereit zur Machtübernahme – oder sie regiert schon. Und wird dabei zum Hoffnungsträger: Die Jungen sollen den endlich Muff aus den Palästen hinauswehen.

So könnte in Spanien nach der Abdankung von Juan Carlos Kronprinz Felipe bereits in zwei Wochen den Thron besteigen. „Spanien braucht nun einen König, der Reformen anstößt“, schreibt die Zeitung „El Mundo“. Tausende Spanier haben mit der Monarchie schon gar nichts mehr am Hut. Über soziale Netzwerke hatten sich nach der Ankündigung des Thronverzichts von Juan Carlos die Monarchie-Gegner am Montagabend zu Demos in rund 50 Städten verabredet. Allein in Madrid waren es 20000 Demonstranten. Viele wollen zumindest ein Referendum über den Fortbestand der Monarchie erreichen. Andere haben die Nase voll und zeigten Plakate wie „Monarchie, nein Danke“.

Die Blaupause für eine geschmeidige Machtübergabe hatte Königin Beatrix (75) geliefert, als sie im April das Zepter an ihren Sohn Willem-Alexander (47) übergab. Gemeinsam mit seiner Frau Maxima (43) begeistert er bei Terminen im In- und Ausland. Und beweist sich als Manager seines Landes, wenn er wie gestern mit Fürst Albert II von Monaco in Den Haag und Wirtschaftsvertretern zusammentrifft. Nicht dabei war Charlène, die daheim in Monaco ihren Babybauch hütete.

Vielleicht inspirierte ja die gelungene Machtübergabe in den Niederlanden auch den Nachbarn Albert von Belgien (79). Der lebensnahe Monarch will am 21. Juli, dem Nationalfeiertag, abdanken. Dass Regenten abdanken sei eine Sache, die innerhalb Europas normalerweise auf die Beneluxländer sei, meint Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert. Dass in Spanien Juan Carlos nun seinen Thron räumen will, habe ihn deshalb überrascht. „Vielleicht gehört zur Modernisierung der Monarchie in den nächsten Jahrzehnten eben auch, dass ein König nicht mehr in den Sielen sterben muss“, so Seelmann-Eggebert.

Wenn das stimmt, wer tritt als nächstes ab? In Großbritannien klebt die Queen noch an der Krone. Prinz Charles (65) hat als Thronfolger das gesetzliche Rentenalter erreicht. Selbst wenn die Queen hinfällig werden würde, müsste sie nicht zurücktreten. Das Gesetz erlaubt, dass sie weiter auf dem Thron bleiben könnte, selbst wenn ihr die Amtführung wegen Krankheit unmöglich wäre. Charles würde dann zum „Prince Regent“ ernannt werden. Für viele Briten wäre das kein besonders rühmlicher Abgang für ihre Queen.

Viele setzen ohnehin auf Prinz William (31) und seine Kate (32). Er drängt sich als idealer Thronfolger förmlich auf. Dafür müsste aber Vater Charles verzichten und sich mit seiner Camilla aufs Altenteil begeben und seinem Hobby frönen: Blumen züchten.

Auch in Schweden hat sich ein junges Paar längst warm gelaufen: Kronprinzessin Viktoria (36) erlaubte im schwedischen TV schon private Einblicke in ihr Leben mit Ehemann Daniel (40) und Tochter Estelle (2). Und markiert damit einen Gegenpol zu ihrem Vater König Carl XVI. Gustav, dessen Image durch angebliche Rotlicht-Eskapaden genauso im Keller ist, wie das von Juan Carlos. Dabei zeigt Viktoria, dass Kronprinzessinnen nicht makellos ein müssen. Ihre Magersucht hat sie überwunden. Als Kind hatte sie eine starke Rechtschreibschwäche und Schulprobleme. Trotzdem studierte sie im US-Elitecollege Yale Politik und Geschichte. Das bringt ihr in Schweden Respekt und Anerkennung.

Auch in Norwegen steht die neue Generation mit Kronprinz Haakon (40) und Mette-Marit (40) bereit. Doch noch weigert sich König Harald V., nach überstandener Krebserkrankung abzudanken. Ebenso wie Margrethe II. von Dänemark (73). Trotzdem schleicht der Generationswechsel in Europas Königshäusern voran. Wie Spanien zeigt, unaufhaltsam.

 

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