Isarvorstadt Entdeckt! Die ersten Zugvögel sind da!

Eine Rauchschwalbe - die ersten wurden am Mittwoch an der Reichenbachbrücke gesichtet. Foto: Z. Tunka

Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling - und doch treffen jetzt die ersten Zugvögel in München ein. Ein Experte hat einige am Deutschen Museum entdeckt.

Isarvorstadt - 3. April, Reichenbachbrücke. Es ist 9.58 Uhr, die Lufttemperatur beträgt zwei Grad. Das Wetter passt eher in den Februar als in den April. Trotzdem – drei Rauschwalben fliegen eilig die Isar entlang nach Norden. Nach kurzer Zeit geraten sie bereits hinter dem Deutschen Museum außer Sicht.

Heinz Sedlmeier hat sie gesehen - und er kennt sich aus. Sedlmeier ist Geschäftsführer beim Landesbundf für Vogelschutz in München (LBV).

Der extrem lange Winter hat allerdings dafür gesorgt, dass sich alle Zugvögel deutlich verspäten, zum Teil um mehr als zwei Wochen. Auch die ersten Schwalben sind spät dran. Rauchschwalben brüten in München hauptsächlich in den wenigen Kuhställen der verbliebenen Münchner Bauern. An ihren wabenförmigen Nestern in den Ställen sind die Rauchschwalben aber noch nicht eingetroffen. Bei schlechtem Wetter halten sich die Schwalben lieber entlang der Isar auf, wo immer Insektennahrung zu finden ist.

Trotz der Kälte hat eine ganze Reihe Vogelarten bereits mit der ersten Brut begonnen, vor allem Amseln und Kohlmeisen, aber auch Stockenten und Graugänse. Auch eine ganze Reihe Zugvögel ist schon da – die Feldlerchen seit mehreren Wochen, Hausrotschwanz, Zilpzalp und Singdrossel seit kurzem.

Der lange Winter stellt viele Vögel trotzdem vor ernste Probleme, sagt Sedlmeier. Wenn sich im April und Mai aufgrund des langen Winters nur wenige Insekten entwickeln, beeinträchtige das den Bruterfolg oft erheblich, außerdem überlebten viele durch den Winter geschwächte Vögel ein kaltes Frühjahr nicht. Kleinvögel wie das Rotkehlchen brauchten oft Jahre, um die Verluste eines langen Winters wieder auszugleichen.

Eine besondere Kapriole hat dieser Spätwinter auch verursacht. Dieses Jahr treffen sich in München überwinternde Seidenschwänze, die noch bis nach Sibirien in ihre Brutgebiete fliegen müssen und ankommende Schwalben, die sich bereits vor Wochen aus dem südlichen Afrika auf den Weg gemacht haben. Ein Phänomen, das auch altgediente Vogelkundler bisher kaum erlebt haben dürften. „Auch schlechtes Wetter hält den Frühling nicht auf“, sagt Sedlmeier. Entscheidend ist auch die Tageslänge und die innere Uhr der Vögel. Wetterbedingte Verzögerungen der Zugvogelankunft um zwei bis drei Wochen können aber immer mal wieder vorkommen. Sehr viele Zugvögel warten zurzeit im Mittelmeerraum und in Frankreich auf besseres Wetter bis sie nach Mitteleuropa einfliegen.

 

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