Interview-Verbot nach Tor TSV 1860: Youngster Noel Niemann genießt bei den Löwen Welpenschutz

Der Löwen-Retter: Gegen Meppen beschert Noel Niemann (r.) Sechzig das Remis, Trainer Michael Köllner ist dennoch nicht zufrieden. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Youngster Noel Niemann rettet die Löwen in Meppen, darf aber nichts dazu sagen. Das dritte Remis in Folge und besonders die schwache erste Hälfte stoßen Coach Michael Köllner sauer auf.

 

Meppen/München - Es lief die 50. Minute, als Noel Niemann einen langen Ball von Kollege Denis Erdmann vier, fünf Mal am Boden auftitschen ließ. An der Strafraumgrenze fasste sich der 20-jährige Youngster ein Löwenherz, legte wohl jedes einzelne Gramm seiner 60 Kilo in den Schuss – und jagte die Kugel in den Knick.

"Das Tor ist sicherlich Extraklasse", lobte Trainer Michael Köllner den Sonntagsschuss seines Schützlings im Auswärtsspiel des TSV 1860 am Samstag beim SV Meppen zum 1:1 (0:1) – das war's dann aber auch schon mit der Herrlichkeit.

Interview-Verbot für Niemann

Niemann, der nach seinem traumhaften Treffer kaum jubelte in der Hänsch-Arena, blieb auch hinterher still. Interview-Verbot. Der Jung-Löwe steht bei Coach Köllner aktuell unter Welpenschutz: "Der hat jetzt schon genügend Interviews geführt, das reicht jetzt erst einmal. Er soll lieber Pause machen, damit sein Kopf die nächsten Wochen intakt ist", erklärte der Oberpfälzer nach dem neuerlichen Volltreffer Niemanns, wie schon gegen den SV Waldhof Mannheim (1:1) – und der neuerlichen Punkteteilung der Sechzger. Das Dilemma der Löwen: Die Fahrt nach Meppen brachte für Protagonist Niemann und 1860 mal wieder Fluch und Segen zugleich.

Die guten Gefühle zuerst: Da war die Freude über Niemanns Geniestreich, die Erleichterung darüber, die drohende Niederlage abgewendet zu haben. "Wir haben uns reingebissen", sagte Köllner und lobte seinen Comebacker, den er nach 63-tägiger Verletzungsdauer zur Pause gebracht hatte: "Mit der Einwechslung von Tim Rieder haben wir das Spiel dann auf unsere Seite gezogen."

Meppen war bereits in der vierten Minute durch den 14. Saisontreffer von Torjäger Deniz Undav in Führung gegangen. Doch auch die Emsländer schafften es nicht, Sechzig zu knacken: Unter Köllner sind die Giesinger nicht zu schlagen. Neun Spiele unter dem 50-Jährigen, dazu die beiden vorherigen Siege unter Daniel Bierofka und Oliver Beer gegen Viktoria Köln (4:2) und beim Halleschen FC (1:0) – in Meppen folgte insgesamt nun schon der elfte Streich. Eine Serie, die Sechzig Selbstvertrauen verleiht und dank der Patzer der Konkurrenz als Tabellen-Achten (34 Punkte) weiter in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen hält.

Köllner nach Remis unzufrieden

Fakt ist aber auch: Das dritte Remis in Serie, die schwache erst Hälfte und auch die Gedanken an den ausgebliebenen Ertrag nagen an Coach Köllner. Für die "schläfrige" Anfangsphase hatte Köllner nur ein Wort parat: "Katastrophe!" So schön der Nimbus der Unbesiegbarkeit auch ist: Mit drei Siegen und nun schon sechs Remis bleibt der (verdiente) Lohn auf der Strecke. Köllners Mahnung, auch als Hinweis an alle Aufstiegsträumer: "Wir sind qualitativ noch nicht auf einem Topniveau." Ergo: auch keine Top-Platzierung. Klingt logisch.

Selbst mit Niemann hatte Köllner ein Hühnchen zu rupfen. Er sei "nur bedingt" zufrieden, denn: "Den einen Ball, den er zu Stefan Lex spielt, den darf er nicht mehr spielen. Da muss er innen weitergehen", beschrieb der Oberpfälzer einen schlecht ausgespielten Konter (61.). Kurios: Zuletzt gegen Mannheim hatte Köllner seinen pfeilschnellen Dribbler dafür gerügt, Lex eben nicht bedient zu haben – in beiden Fällen die falsche Entscheidung. Sein Trainer dazu: "Das muss noch besser werden in den kommenden Wochen. Der junge Bursche wird daraus lernen."

Drei Kollegen des Junglöwen bewerben sich ebenfalls um einen Platz in der Startelf: 1860 siegte im Test gegen Bayernligist TSV Dachau durch die Tore von Markus Ziereis (12., 20.), Timo Gebhart (13.) und Nico Karger (41., 47.) mit 5:0.

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