Interview mit Peter Neururer "Nix machen ist Stress"

Daumen hoch! Peter Neururer nach seinem Herzinfarkt in der Klinik. Foto: firo

Peter Neururer hat ein Buch geschrieben. Mit der AZ spricht er über sein Leben nach dem Herzinfarkt – und seine Zukunft im Fußball

 

AZ: Herr Neururer, erstmal die wichtigen Sachen: Wie geht’s Ihnen?

PETER NEURURER: Wunderbar. Die Werte sind überragend, besser als vorher. Das am 9. Juni war ein Zusammenbruch, wie er jedem passieren kann. Nach Intensivstation und Kur führe ich wieder ein normales Leben, mit dem Unterschied, dass ich zwei Mal pro Woche was für Herz und Kreislauf tue. Nur mein Werbevertrag mit Marlboro liegt auf Eis. Das war der Hauptindikator: Rauchen habe ich komplett aufgegeben.

Wie schwer ist das?

Es geht. Es gibt bei den Smartphones tolle Apps, die einem anzeigen, dass man schon neun Millionen Sekunden ohne Zigarette geschafft hat. Das motiviert mich.

Golfen geht auch wieder?

Ging schon ein Monat nach dem Infarkt. Beim Tennis langt’s für eine Trainerstunde auch noch. Ich wäre morgen bereit, einzusteigen. Aber dazu müsste erst ein Kollege in Schwierigkeiten kommen.

Sie meinen eine Rückkehr als Trainer. Derzeit sind Sie Sport1-Experte.

Seit zwei Jahren. Im Buch steht klar: Wenn innerhalb dieser Saison kein adäquates Angebot kommt, würde ich hundert Prozent Fernsehen machen. Im Moment ist es eine Zwitter-Situation: Freizeitplanung und Sport1 – das ist mir zu wenig. Im Unterschied zu vielen Kollegen, denen Abstiegskampf zu stressig ist, kenne ich diesen Stress gar nicht. 90 Minuten keinen oder nur geringen Einfluss zu haben, das kann Stress sein als Trainer. Den hab’ ich aber zehn Minuten nach dem Spiel abgebaut. Das, was ich jetzt mache, ist Stress pur. Morgens aufwachen und schauen: Wie ist das Wetter? Setz’ ich mich auf die Harley und fahr’ mit den Jungs ’ne schöne Ruhrgebiets-Tour? Geh’ ich Golfspielen? Oder flieg’ ich nach Mallorca zum Golfen?

Klingt wie ein Traum.

Ist es auch – für zwei, drei Wochen. Dann ist es ein Alptraum. Einige Ärzte haben aufgrund meiner Parameter gemeint, dass das, neben dem Rauchen, ein Auslöser des Infarkts gewesen sein könnte. Ein Stressfaktor, den ich nicht kompensiert habe. Wenn ich im Amt bin, wache ich morgens auf und freue mich aufs Training. Das macht nur Spaß! An diesem Spaß nicht teilhaben zu dürfen, nix zu machen, das ist Stress.

Den haben Sie schon lange: Der letzte Job in Duisburg lief vor drei Jahren aus.

Danach kamen nur noch Angebote aus dem Ausland. Hier aus der ersten und zweiten Liga nichts entsprechendes.

Dritte Liga kommt nicht infrage?

Man hat ja Ansprüche. Ich habe 560 Spiele als Cheftrainer in der ersten und zweiten Liga gemacht – da will ich keine Schritte zurück machen. Es sei denn, es wäre ein Traditionsverein wie Offenbach, der mir ein Gesamtpaket gint: Sportdirektor, Trainerstab. Aber da muss alles passen. Meine Frau hat zum Glück auf die Pfennige aufgepasst, und mehr als ein Steak am Tag kann ich auch nicht essen. Wegen meiner Familie mache ich nicht all das, was mir der Fußball geben könnte. Ansonsten ist Fußball für mich alles. Ich habe noch nicht damit abgeschlossen. Für drei Vereine würde ich jederzeit antreten: Bochum, Schalke und der 1.FC Köln. Da braucht nicht mal Uli Hoeneß anrufen und sagen, er braucht ’nen Retter. Bayern ist zwar in Europa der am besten geführte Verein, aber selbst da würde ich nein sagen.

Was macht einen guten Trainer aus?

Für die Öffentlichkeit und manchen Funktionär: nur Punkte und die Erfüllung von irgendwelchen Zielen. Wenn aber Petrik Sander Cottbus unter katastrophalen Bedingungen Jahr für Jahr die erste Liga gehalten hat, ist das eine herausragende Leistung. Wenn Bayern zehnmal deutscher Meister wird, ist das eine tolle Leistung, aber nicht vergleichbar mit der von Sander.

Wie befriedigend ist ein Trainer-Job, wenn es gegen den Abstieg geht?

Ich hatte Spieler, die mit mir nicht gut klar kamen, die sauer auf der Bank saßen, deren Vertrag ich nicht verlängert habe – und die mich 20 Jahre später als Trainer anrufen und um Rat fragen. Da kann meine Arbeit nicht so schlecht gewesen sein.

Wer wird der nächste Bayern-Trainer?

Ich glaube, dass Jupp Heynckes weitermacht. Der passt zu Bayern, zu Hoeneß.

Jürgen Klopp?

Der würde alles machen, aber nicht vor 2016, wenn sein Vertrag in Dortmund ausläuft. Sonst würde er seine Glaubwürdigkeit verlieren. Für jeden deutschen Trainer ist Bayern das Nonplusultra. Aber ich sehe keinen. Lothar Matthäus kann man sich nicht vorstellen. Traurig eigentlich, weil er einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer ist, noch mehr als Beckenbauer. Aber er kommt nicht in Betracht, weil er so ein unruhiges Sexualleben hat und öffentlich drüber redet. Ein netter, anständiger Kerl – das wäre noch einer für Bayern. Oder Klaus Augenthaler: der ideale Mann. Oder sie klonen einen: eine Mischung aus Matthäus ohne Privatleben, Beckenbauer und Augenthaler. 

 

0 Kommentare