Innerhalb des Mittleren Rings München: Bund Naturschutz fordert Straßensperrungen für Fußgänger

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Eine autoleere Schwanthalerstraße. Der Bund Naturschutz wünscht sich, dass die Straßen innerhalb des Mittleren Rings für den Autoverkehr gesperrt werden. Foto: dpa

Innerhalb des Mittleren Rings sollen Straßen nur noch den Fußgängern zur Verfügung stehen, forderte der Bund Naturschutz. Die Idee findet jedoch kaum Zustimmung. 

 

München - Nur noch Einsatzkräfte, Müllabfuhr, Taxis, Bus und Tram sollen während der Corona-Krise innerhalb des Mittleren Rings fahren dürfen, fordert der Bund Naturschutz. Ausnahmen soll es auch für Privatfahrten von Anwohnern und zur Arbeit geben.

Der Grund für diese Forderung: Durch die Ausgangsbeschränkungen gehen mehr Menschen spazieren. "In München fehlt den Menschen aber der Platz dazu", beklagt Thorsten Kellermann, stellvertretender Vorsitzender des Bund Naturschutz in München.

Weil auf den Straßen kein Platz sei, würden die Isar, der Englische Garten und Parks von zahlreichen Menschen aufgesucht, beobachtet Kellermann. Er fordert deshalb: "Eine Sperrung der Straßen innerhalb des Mittleren Rings wäre ein wichtiger Schritt, um den Menschen mehr Möglichkeiten zum Spazierengehen zu bieten."

Denn gerade dazu, sich weiterhin an der frischen Luft zu bewegen, fordert der Umweltaktivist die Münchner auf. Er sagt: "Wir wollen, dass die Menschen gesund bleiben. Dazu gehört neben allen bisherigen Sicherheitsmaßnahmen die körperliche Fitness."

New York hat bereits Straßen für den Autoverkehr gesperrt

Neu wäre die Idee nicht. In New York, wo der Höhepunkt der Pandemie in den nächsten Woche erwartet wird, gibt es diese Sperrungen für den Autoverkehr bereits. Die Park Avenue in Manhatten ist aktuell für den Autoverkehr komplett gesperrt. Stattdessen laufen jetzt Menschen auf der Straße. Durch die Sperrung gelingt es ihnen leichter, den nötigen Mindestabstand einzuhalten. Auch in den New Yorker Stadtteilen Brooklyn, Queens und The Bronx wurden Straßen zwischen 10 und 19 Uhr für Autos gesperrt, um sie Menschen zur Verfügung zu stellen, schreibt die "New York Post".

Kellermann sieht neben dem Platzgewinn noch einen weiteren Vorteil: Auch die Luft zum Atmen in der Stadt würde sich dabei verbessern, so der Naturschützer. "Messstationen des Landesamtes für Umwelt zeigen immer noch erhöhte Feinstaubwerte in München", sagt Kellermann. Feinstaub belaste die Atemwege zusätzlich – und sei auch besonders schädlich für bereits an Corona erkrankte Personen. Kellermann: "Eine Reduktion des Auto-Verkehrs würde dazu beitragen, diese Feinstaubbelastung weiter zu senken."

Grünen-Fraktionschef Roth für Sperrungen von Fahrspuren

Die Grünen-Fraktion begrüßt den Vorschlag generell. Auch Fraktionschef Florian Roth hat nämlich beobachtet: "Vor allem für Familien, die spazieren gehen, ist es schwierig, den Abstand zu einer anderen Familie einzuhalten."

Sollte man den Vorschlag vom Bund Naturschutz umsetzen, müsse man schauen, wo das praktikabel wäre. "Eignen würden sich zum Beispiel Straßen, auf denen aktuell eh nur wenig Autoverkehr gibt", sagt Roth. Ebenfalls denkbar wären Sperrungen von Fahrspuren. Pauschal verstehe er aber aktuell, dass Menschen aufs Auto umsteigen – und ÖPNV meiden.

Relevanz des Autos wird in Zeiten von Corona deutlicher

An diesen Gedanken knüpft FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann an. Gerade in Zeiten dieser Pandemie merke man, welch wichtige Bedeutung das Auto für die Münchner hätte. "Wir wollen doch gerade, dass möglichst viele Menschen den ÖPNV meiden – und dann lieber mal im Auto zur Arbeit fahren", so Hoffmann. Denn eng an eng in U-Bahn, Bus und Tram zu sitzen, sei deutlich riskanter, als beim Spaziergang kurz an Mitmenschen vorbeigehen zu müssen.

Für ihn sei die Tatsache, dass Menschen in Krisenzeiten gerne auf ihr Auto ausweichen – ein "Zeichen für die Zukunft". Man müsse sich noch einmal genau überlegen, wie man Straßen umbauen möchte.

Handwerkskammer schießt scharf gegen Bund Naturschutz

"Gar nichts" hält CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl von der Idee. "Sie ist rein populistisch und hat mit der Verkehrswende nichts zu tun", sagt Pretzl der AZ. Gerade in Zeiten, in denen Risikopatienten dazu aufgefordert würden, den ÖPNV zu meiden, sei die Forderung gar fahrlässig, so Pretzl. Eine Mehrheit im Rathaus für die Forderung zu finden, dürfte also schwierig werden. Vor allem, weil die Idee auch bei der SPD keine Zustimmung findet.

"Nachdem der Autoverkehr durch die derzeitige Situation stark reduziert ist, sehen wir keinen Anlass für weitere Einschränkungen", so Fraktionschefin Verena Dietl. Es sei auch jetzt möglich, bei einem Spaziergang Abstand zu halten. Gleichzeitig gebe es Beschäftigte in systemrelevanten Berufen, die darauf angewiesen seien, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, sagt sie.

Auch die Handwerkskammer reagiert mit Unverständnis. "Bei diesem Vorschlag handelt es sich wohl um einen besonders schlechten Aprilscherz", kritisiert Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl. "Soll nun auch noch der letzte funktionierende Bereich ökonomischer Tätigkeit ausgebremst werden?", fragt der Kammerpräsident. Peteranderl erklärt: "Unsere Handwerksbetriebe, von der Corona-Krise ohnehin schon hart getroffen, müssen mit ihren Fahrzeugen in der Stadt unterwegs sein, um liefern und leisten zu können."

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