In der Stadt Münchens Jogger leben gefährlich

Joggen mit Gasmaske? Wäre eine Idee, schaut aber blöd aus, ist unbequem – und zumindest am Olympiaberg sicher nicht nötig. Foto: dpa/imago (Fotomontage)

Die Techniker Krankenkasse warnt: Wer in der Innenstadt läuft, erhöht sein Risiko, an Lungen- und Herz-Kreislaufbeschwerden zu erkranken. Schuld sei der Feinstaub.

 

Jetzt, wo es draußen wieder milder ist, rücken viele ihrem Winterspeck zu Leibe und gehen joggen. Das weiß auch die Techniker Krankenkasse (TK) und schlägt zum Saison-Start für die Läufer Alarm: „Wer in der Münchner Innenstadt joggt, erhöht sein Risiko, an Lungen- und Herz-Kreislauf-Beschwerden zu erkranken“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Der Grund: Feinstaub. Der festgelegte Grenzwert von 50 Mikrogramm ist heuer in der Stadt schon wieder vielfach überschritten worden – 30 Mal allein in der Landshuter Allee. Aber auch die anderen Messstellen registrierten Überschreitungen. Autoabgase und Heizungs-Emissionen erhöhen den Schadstoff-Gehalt in der Luft.

Deshalb lautet die Empfehlung der TK, einige Kilometer außerhalb des Stadtgebiets zu joggen – wenn möglich in Waldnähe.

Wie gefährlich sind die Partikel wirklich? Die AZ hat bei Professor Erich Wichmann angefragt, dem Leiter des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. „Es ist klar nachgewiesen, dass Feinstaub das Risiko für Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen erhöht“, sagt er. Eine Studie in Augsburg habe so zum Beispiel ergeben: „Herzinfarkte traten vermehrt auf, wenn die Betroffenen sich zuvor im Straßenverkehr aufgehalten hatten.“

Auch das Lungenkrebsrisiko steige. Wichmann nennt eine alarmierende Zahl: Die Europäische Gemeinschaft habe vor ein paar Jahren abgeschätzt, dass in Deutschland jedes Jahr 65 000 Menschen vorzeitig durch die Feinstaubbelastung versterben würden. So viel zum grundsätzlichen Risiko. Sind Stadt-Jogger aus Sicht des Experten besonders gefährdet? „Natürlich inhaliert ein Jogger stärker als ein Fußgänger und nimmt dadurch vermehrt Schadstoffe auf“, sagt Wichmann.

Aber das hält er nicht für den zentralen Punkt. „Das Zusatzrisiko für Jogger ist nicht so viel größer als das allgemeine Risiko durch Schadstoffe, dem auch alle anderen auf der Straße ausgesetzt sind.“ Münchens Gesundheitsreferent Joachim Lorenz reagiert fast überrascht auf die Mitteilung der Techniker Krankenkasse. Aus seiner Sicht ist es nichts Neues, „dass eine körperliche Anstrengung an verkehrsreichen Straßen nicht förderlich ist“.
 

Und was ist mit den klassischen Jogger-Revieren? „Im Englischen Garten, an der Isar oder im Westpark ist das überhaupt kein Problem“, versichert Lorenz. „Natürlich ist die Luft im Perlacher Forst noch besser. Aber das sind keine Gebiete, die gesundheitsgefährdend sind.“

Stichproben hätten sogar gezeigt, dass schon in der Fußgängerzone, also nicht weit vom auto-umtosten Stachus, die Feinstaubbelastung bereits drastisch reduziert sei. Das Problem, so heißt es auch bei der Techniker Krankenkasse selbst, sei nicht das Sporteln in Münchens grünen Oasen. „Aber bis sie zu ihren Jogging-Strecken kommen, laufen die meisten entlang der Straßen“, sagt Pressesprecherin Kathrin Heydebreck. Und davon rät sie ab. Eines ist ihr aber wichtig: „Gar kein Sport ist sicher auch keine Lösung.“

 

9 Kommentare