Immer mehr Fahrradfahrer Neue Route und Parkplätze: Münchens Radl-Offensive

81 Prozent der Münchner Haushalte besitzen mindestens ein fahrtüchtiges Rad. (Symbolbild) Foto: Tobias Hase/dpa

Die Münchner radeln immer mehr, wie auch neue Zahlen zeigen. Die AZ erklärt, wo die Stadt mit neuen Radlwegen und anderen Maßnahmen reagiert.

 

München - Im Oberbürgermeister-Wahlkampf ist das Thema schon angekommen, bevor er überhaupt so richtig begonnen hat. OB-Kandidatin Kristina Frank (CSU) lässt keinen Anlass aus, sich auf oder mit dem Radl fotografieren zu lassen, OB-Kandidatin Katrin Habenschaden (Grüne) betont sowieso die ganze Zeit, was das Verkehrsmittel der Zukunft ist. Und der OB? Dieter Reiter will sich auf keinen Fall vorwerfen lassen, dass in seiner Amtszeit zu wenig für Radler getan wurde.

"Radfahren wird nicht nur immer beliebter, sondern ist auch ein wichtiger Beitrag für eine umweltbewusste, nachhaltige und platzsparende Mobilität", sagte er gestern. "Deshalb liegt mein Fokus auf einem möglichst schnellen Ausbau des Radwegnetzes, das nicht nur attraktiv ist, sondern auch eine sichere Alternative zum motorisierten Individualverkehr bieten soll", sagte Reiter.

Bedarf der Radl-Offensive: Zahl der Münchner Radler steigt

Er kann sich mit seiner Radl-Offensive auf neue Zahlen der Stadt stützen, die zeigen: Der Bedarf steigt nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich. So stieg der Anteil des Radverkehrs von 2002 bis 2017 von zehn auf 18 Prozent. Mehr als 300.000 Menschen waren im Schnitt pro Tag mit dem Radl in der Stadt unterwegs. 81 Prozent der Münchner Haushalte besitzen demnach mindestens ein fahrtüchtiges Rad.

Die Stadt geht davon aus, dass auch im Jahr 2018 der Radverkehr in München weiter zugenommen hat. So passierten im Juli 2018 durchschnittlich 7.772 Radler täglich die Zählstelle an der Isar nahe des Deutschen Museums. Ein Jahr zuvor waren es "nur" 5.886 Menschen gewesen, die hier auf dem Radl vorbeigesaust sind.

Alles neu an Mars-, Schwanthaler- und Brienner Straße

An der Marsstraße gibt es zwischen Pappenheim- und Seidlstraße oft Ärger zwischen Radlern und Fußgängern, die sich hier den Gehweg teilen. Jetzt wechseln die Radler auf die Autofahrbahn, die die Stadt für "überdimensioniert" hält – und die jetzt auf beiden Seiten rot markierte Radstreifen einführt. Die Fußgänger kriegen so mehr Platz. Ärger mit Auto- und Lkw-Fahrern erwartet man trotzdem nicht, da insgesamt 28 Parkplätze wegfallen und mehr Platz entsteht.

Auf der Schwanthalerstraße gibt es bisher überhaupt kein explizites Angebot für Radler. Jetzt soll auf 150 Metern zwischen Theresienhöhe und Paul-Heyse-Straße auf beiden Seiten der Straße ein Radstreifen markiert werden. Schrägparkplätze werden dafür in Längsparkplätze umgewandelt, unterm Strich gibt es hinterher 30 Parkplätze weniger. Wenn sich die Radstreifen etablieren, will die Stadt entscheiden, ob sie bis zur Sonnenstraße verlängert werden.

Auf der Brienner Straße sollen zwischen Odeonsplatz und Amiraplatz in beiden Richtungen Fahrradstreifen eingerichtet werden. Dafür fallen Kurzzeitparkplätze weg – und Autos dürfen die Straße in Richtung Odeonsplatz nicht mehr benutzen. Für sie gilt dann eine Einbahnregelung. Busse fahren weiter in beide Richtungen.

Radl-Pilotstrecke durch den Olympiapark

Ein Ziel der Stadt ist es, Radler für Nebenrouten zu begeistern. So sollen etwa möglichst viele Münchner die Blutenburgstraße nutzen – und die überfüllte Nymphenburger Straße meiden. Jetzt investiert die Stadt auch in die Verbindung Menzinger Straße – Petuelpark als stadtteilübergreifende Ost-West-Verbindung. Von Nymphenburg aus soll Radlern entlang des Biedersteiner Kanals, über die Hohenlohestraße und den Olympiapark bis zum U-Bahnhof Petuelring eine attraktive Route geboten werden. Zunächst handelt es sich um ein Pilotprojekt, das bis Ende 2019 umgesetzt werden soll.

So werden Radstreifen an der Kreuzung Canalettostraße/Nederlingerstraße rot markiert, um die Vorfahrt deutlicher zu machen, ähnliches ist für die Waisenhausstraße geplant. Laut Radlbeauftragtem gibt es schon heute auf der Route mehr Rad- als Autoverkehr. Deshalb soll an kleinen Kreuzungen etwa am Olympiapark möglichst auch der Radverkehr Vorfahrt haben.

Radfahrerparken an der TU

In der Maxvorstadt stehen tags Parkplätze leer. Glaubt man spontan nicht, die Stadt hat das aber tatsächlich festgestellt. Die Bewohner sind dann mit den Autos bei der Arbeit – und dafür viele Studenten und Uni-Mitarbeiter mit dem Radl da. Konsequenz: Die Stadt will – erstmals in München – mit ein paar Stellplätzen experimentieren, die tags (9 bis 23 Uhr) für Radl genutzt werden dürfen. Und nachts den Autos der Anwohner vorenthalten sind.

In Kopenhagen hat man mit diesem Prinzip schon gute Erfahrungen gesammelt. In München will man nun mal schauen, ob das angenommen wird. Gut möglich, dass man irgendwann noch an den Zeiten schraubt. Schließlich kommt mancher Student vor 9 – und viele Anwohner dürften schon vor 23 Uhr nach Hause zurückkehren.

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