Immer mehr Angriffe Wölfe reißen Tiere in Bayern - AfD und CSU fordern Lösung

Im Visier von Jägern und Viehhaltern: der Wolf. Foto: dpa

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf? Lämmer werden getötet, Zäune halten ihn nicht auf - Im Agrarausschuss des Landtags machen Almbauern, Schaf- und Rinderhalter ihrem Ärger über den aktuellen "Aktionsplan" des Freistaats Luft.

 

München - Angst vor dem bösen Wolf hatten die Vertreter der bayerischen Weidewirtschaft nicht, die gestern zu einer Anhörung im Agrarausschuss des Bayerischen Landtags geladen waren, – wohl aber Groll auf die mit seinem Schutz beauftragten Behörden. Insbesondere beim Landesamt für Umwelt (LfU) sei man stets bestrebt, die Wolfsproblematik "klein zu reden", sagte die Vorsitzende des Fleischrinderverbands Bayern, Erika Sauer.

Bevor es zu einem behördlich genehmigten Wolfsabschuss komme, sei das Tier "an Altersschwäche gestorben", spottete der Vorsitzende des Verbandes bayerischer Schafhalter, Joseph Grasegger.

AfD fordert: Jagd oder Gehege 

Man sei wohl an einem "Scheideweg" angelangt, so CSU-Agrarexperte Eric Beißwenger. Die Forderung, im Sinne des Tierwohls mehr Tiere ins Freie zu lassen, stehe "in einem gewissen Widerspruch" zu den "Willkommen Wolf"-Parolen der Naturschützer.

Der Position des AfD-Abgeordneten, "der Wolf gehört bejagt" und ansonsten "ins Gehege", mochte sich dennoch keiner der Landwirtschaftsvertreter vorbehaltlos anschließen. Dass auch aus der Landwirtschaft niemand die Ausrottung des Wolfs fordere, sei "ein erfreuliches Zeichen", so die Grüne Gisela Sengl.

CSU-Politiker: Der Wolf hat in Deutschland keinen Platz

Allerdings forderte der CSU-Politiker Klaus Steiner den "Abschied von der Lebenslüge", dass der Wolf in Deutschland noch einen Platz habe: "Einen Lebensraum für die großen Beutegreifer gibt es bei uns nicht mehr".

Auch Schafhalter-Chef Grasegger glaubt nicht, "dass es auf lange Sicht ein Nebeneinander von Wolf und Weidewirtschaft" geben könne: "Irgendwann muss man sich entscheiden, was man will".

Wolfsrisse werden bestritten

Ausführlich hatten die Weidewirtschaftler ihre Probleme mit Wolf, Zäunen, Hütehunden und Behörden geschildert. Es dauere viel zu lange, bis die Agrarbürokratie feststelle, dass der Verlust eines Schafes oder Rindes auf das Konto des Wolfes gehe und der Staat ausgleichspflichtig sei, kritisierte unter anderem der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins Franz Hage.

Grundsätzlich werde zunächst bestritten, dass es sich um einen Wolfsriss gehandelt habe. "Die Bauern haben kein Vertrauen mehr zum Wolfsmanagement", so Hage. Bei der Abarbeitung der Schadenersatzanträge müsse "mehr Tempo" vorgelegt werden, verlangte der Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins Michael Honisch.

Problem Geld

Es wurde klar, dass die Weidewirtschaft weder in Schutzzäune noch Hütehunde große Hoffnungen setzt. Die "unsägliche Diskussion" komme keinen Schritt weiter, weil man glaube, jedes Problem wäre mit Geld lösbar, klagte Erika Sauer.

Vor allem kleinen Betriebe mache man es immer schwerer: "Die Sachen, die hier laufen, sind ein Schlag ins Gesicht derjenigen Betriebe, die man gerne will", so die Vorsitzende des Fleischrinderverbands.

Zäune wirken nicht gegen Wolf

"Wir brauchen so schnell wie möglich eine Lösung", sagte Alpwirtschaftler Hage. Man könne nicht das ganze Berggebiet einzäunen. Nirgends auf der Welt wirkten Zäune gegen den Wolf. Es laufe ein "trauriges Spiel": Die Bauern glaubten "bald gar nix mehr".

Bei so viel Kritik hatten die Beamten keinen leichten Stand. Der Vertreter des Umweltministeriums Erik Settles räumte ein, dass die Bearbeitung von Wolfsschäden "teilweise zu lange" dauere. Bayern setze sich für die Absenkung des Schutzstatus’ in Deutschland ein, was durch den EU-Rechtsrahmen durchaus ermöglicht werde.

"Dummerweise", so Settles, lasse die EU nicht zu, dass der Mehraufwand durch Sicherungsmaßnahmen vor dem Wolf vom Freistaat gefördert werden.

Zu naiv und romantisch

Friedrich Mayer vom Landwirtschaftsministerium versuchte, die Wogen etwas zu glätten, indem er feststellte, dass die anfängliche "Naivität und Romantik" gegenüber dem Wolf einer realistischen Betrachtung gewichen sei. Was ein "gesunder Erhaltungszustand" für das Tier in Deutschland sei, müsse auf Bundesebene geklärt werden. Da machten schon andere Bundesländer, die weit mehr als Bayern betroffen seien, Druck.

Mayer kündigte einen "mutigen bayerischen Aktionsplan" an. Man müsse in die Wolfspopulation "eingreifen", da sie sich in drei Jahren verdoppele. Verbandsvorsitzende Sauer sah das anders. Immer wenn das "böse Wort Abschuss" falle, gingen aufseiten der Natur- und Umweltschützer die Jalousien herunter. Wenn sich das nicht ändere, werde das Thema nicht zur Ruhe kommen.

Tote Schafe, Kälber und Lämmer

Der bisherige bayerische Wolf-Aktionsplan sieht vor, dass verhaltensauffällige Wölfe auch abgeschossen werden dürfen – als letztes Mittel. Zunächst muss aber geprüft werden, ob Zäune oder Schutzhunde Wirkung zeigen.

Seit 2006 werden in Bayern immer wieder einzelne Wölfe nachgewiesen – in der Regel sind es durchziehende Jungtiere. Standorttreue Wolfspaare gibt es im oberfränkischen Landkreis Bayreuth, auf dem oberpfälzischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr im Landkreis Neustadt an der Waldnaab sowie im Nationalpark Bayerischer Wald. Im vergangenen Jahr haben Wölfe im Freistaat fünf Schafe und drei Kälber gerissen.

2017 wurden vier Lämmer von einem Wolf getötet, 2016 gab es ein totes und ein verletztes Schaf.

Lesen Sie hier: Zahl der Zwischenfälle mit Wölfen dramatisch gestiegen

 

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