Imkern in der Stadt Wo der Honig fließt: München ist eine Bienenstadt

"Urban Beekeeping": Imkern in der Stadt ist ein Trend. Foto: Daniel von Loeper

Imkern in der Stadt ist ein Trend. Die AZ hat drei Münchner Imker besucht. Warum das Honig-Geschäft aber überhaupt so gut funktioniert, hat einen ernsten Hintergrund.

 

München - "Ich sage nicht, die Stadt ist besser, sondern das Land ist schlechter geworden", fasst Imker Andreas Bock zusammen, was längst bekannt ist. In der Stadt haben es Bienen und Insekten oft viel leichter als in der freien Fläche. Gewerbegebiete und Maisfelder, da ist für Insekten nicht viel zu holen. In der Stadt hingegen gibt es Gärten, Balkone, Friedhöfe und Parks.

Weil das Bewusstsein dafür in den letzten Jahren immer weiter gewachsen ist, boomt nach wie vor das städtische (Hobby-)Imkern. Nicht nur, aber auch in München. "Urban Beekeeping", nennen es auch manche.

Lokale Imkervereine in München

Dabei muss niemand alleine vor sich hin experimentieren. Die Bienenbegeisterten tauschen sich in Netzwerken wie etwa "Stadtimker" aus, in vielen Stadtvierteln gibt es außerdem lokale Imkervereine.

Wer sich ein bisserl mit dem Thema beschäftigt, erfährt schnell viel Interessantes. Dass man Bienen sogar auf dem Balkon halten kann zum Beispiel. Oder, dass Honigbienen einen Radius von bis zu drei Kilometern haben, viele Wildbienen aber nur wenige hundert Meter weit kommen.

Dass es Sommer- und Winterbienen gibt, die unterschiedlich lange leben. Oder dass auch die Frage nach den Stadtbäumen der Zukunft eine entscheidende für die Bienen ist. Ebenso, dass längst nicht alles, was schön blüht, auch ein Insekten-schmaus ist.

Imker Andreas Bock: "Das gibt es auf dem Land so nicht"

Und auch, dass jeder etwas tun kann, auch ohne selbst zu imkern. Indem man regionalen Honig kauft etwa. Indem man Garten und Balkon bienenfreundlich bepflanzt. Oder indem man einen Standplatz für einen Imker anbietet – und indem man das alles weitersagt. Die AZ hat drei Stadtimker besucht.


Jeden Samstag verkauft Imker Andreas Bock seinen Honig auf dem Bauernmarkt bei der Pinakothek der Moderne. Foto: Daniel von Loeper

Der Honig aus der Stadt hat ein ganz eigenes Aroma", sagt Andreas Bock (60). Der Frühjahrshonig sei mild und samtig, weil sehr viel Obstblüte aus den Kleingärten und Robinie darin ist. "Den gibt es auf dem Land so nicht", meint Bock. Der Sommerhonig hingegen sei sehr intensiv, "fast minzig", meint Bock, denn er sei vor allem ein Lindenhonig.

Das sei zugleich ein Problem, weil diese Bäume heute kaum noch gepflanzt werden, so Bock. Wegen der Klimaerwärmung würden oft Neophyten ausgewählt, also nicht-heimische Arten, "da können die Insekten nix damit anfangen", sagt der Imker. "Dabei gäbe es schon einheimische Sorten, die sich eignen, etwa die Silberlinde." Auch sonst könnte in der Stadt bienenfreundlicher gepflanzt werden.

Honig ist sein Hauptberuf

Bock ist Erwerbsimker, Bienen und Honig sind also sein Hauptberuf. Erst 2011 fing er an, als Hobbyimker mit drei Völkern. Zuvor arbeitete er in der Druckerei und Bildredaktion einer Zeitung. 70 Bienenvölker hat er heute alleine in München. Zur Zeit stehen die Bienenstände in Untergiesing, Sendling und Ramersdorf.

Die Standorte bekommt er von der Stadt, früher sei das manchmal schwierig gewesen, mittlerweile sei die Verwaltung sehr entgegenkommend. Muss er einen Platz verlassen, wie zuletzt in Schwabing, bekommt er Ersatz.

Bock ist Demeter-Imker, daher muss er sich an besonders strenge Vorgaben halten. Dazu gehört, die Bienen nicht zu züchten, sondern die natürliche Vermehrung über den Schwarm. Auch darf der Honig nicht erhitzt werden. "Meine Honige sind deshalb sehr cremig", erklärt er.

Bienen unter Polizeischutz

Wie findet der Profi den Trend zum Stadtimkern? "Bienen gibt es genug in München, aber für die Menschen ist es etwas tolles." Hobbyimkern gehe es weniger um die Honigernte als um die Ökologie, auf die man einen ganz anderen Blick bekomme, meint er. "Immerhin ist die Biene das einzige Nutztier, das man als Landloser haben kann."

Blick über die Isarvorstadt: Bärbel Girardin und ihre Bienen. Foto: my

Der Platz, den die Bienen hier haben, könnte wahrlich schlechter sein. Mit besten Blick über Dächer und Türme der Altstadt summt es hier auf der Dachterrasse der Altstadtwache der Polizei in der Hochbrückenstraße. Jürgen Brandl, der eigentlich beim LKA arbeitet, ist der Leiter des Projekts "Polizeibienenhonig", das erst vor vier Jahren mit nur zwei Völkern in der Ettstraße begann.

Mittlerweile gibt es sieben Standorte mit imkernden Beamten – neben den Polizeiinspektionen in Sendling, Neuhausen und Perlach, auch beim Einbruchsdezernat im Schwabing oder der Bereitschaftspolizei in Ramersdorf. Und weitere werden bald folgen.

Die Polizisten betreuen die Völker in ihrer Freizeit, die Polizei vermietet lediglich die Plätze für die Bienenkästen. Brandl rührt fleißig die Werbetrommel für das Thema: Schulklassen dürfen vorbeikommen und sich anschauen, wo der Honig herkommt. Es gibt Infoabende und Imkerkurse. Dabei geht es durchaus um ökologisches Bewusstsein: "Wenn es den Bienen gut geht, geht es der Natur gut und dann geht es den Menschen gut, meint Brandl. Seine Altstadtbienen jedenfalls sind fit – und fliegen schon mal los.

Bienensuite mit Kultur-Anschluss


Blick über die Isarvorstadt: Bärbel Girardin und ihre Bienen. Foto: my

Wenn die Sonne an diesem März-Vormittag wärmer auf das Dach des Gärtnerplatztheaters scheint, dann regt sich vor den Bienenkästen mehr. Obwohl es rundherum noch gar nicht üppig blüht, kommen die ersten schon mit dicken gelben Pollenhöschen an den Beinen zurück zum Stock geflogen. "Die Pollen brauchen die Bienen dringend für ihre Brut", erklärt Bärbel Girardin (49).

Die Königin hat im Februar begonnen, Eier zu legen. Bis zu 2.000 können es pro Tag sein. Deshalb muss fortlaufend Nahrung her. Die Hobbyimkerin hat hier auf dem Theaterdach zwei ihrer Völker stehen. Vier weitere stehen auf dem Ostfriedhof. Eigentlich ist sie Patentanwältin, erst seit 2015 hat sie Bienen.

30 Kilo Honig pro Saison

Vorsichtig schaut sie, wie die Bienen den Winter überstanden haben, den haben sie als wärmende Kugel rund um ihre Königin im Stock verbracht. Die Imkerin hat sie gefüttert. Auch die Theatermitarbeiter schauen vorbei, wie es "ihren" Bienen geht.

Jetzt im Frühjahr finden sie wieder selbst etwas, Hasel, Weide oder Kornelkirsche blühen. Forsythien dagegen sind nutzlos. Auch auf den Friedhöfen sind es vor allem die Bäume, die Nahrung bieten, etwa der Ahorn. Im Sommer die Linden. Dann kann das Volk auf bis zu 50.000 Bienen anwachsen, meint sie.

30 Kilo Honig kommen pro Saison zusammen. "Man braucht Muckis", sagt sie lachend, "wenn ein Honigkasten voll ist, wiegt der 20 Kilo." Jetzt geht es allen gut, keine Verluste. Der Sommer kann kommen.

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