Idee Parallelnutzung Knolle und Kohl: Der Traum von den geteilten Läden

Daniela (links) und Nasti teilen sich ihre Läden lieber mit anderen, statt sich jahrelang zu binden. Foto: arteplikesphotography

Knolle und Kohl nutzt am Abend ein Café, das sonst geschlossen hätte. Die Macherinnen wollen die Parallelnutzung jetzt weiter verbreiten.

München - Daniela Weinhold (26) ist eine Visionärin. Wenn sie in München durch die Straßen geht, dann sieht sie Läden mit dunklen Fenstern, die erleuchtet und voller Leben sein könnten.

"Der Kindergarten kann abends ein Yogastudio sein und das kleine Café nachts eine Bar", sagt Daniela. "Der Raum ist da, wieso nutzen wir ihn nicht parallel? Das führt zu viel mehr Lebensqualität im Viertel, aber auch bei den Machern, weil wir uns trauen können, Ideen und Konzepte umzusetzen."

Daniela und ihre Geschäftspartnerin Nasti Broda (33) sind auch Parallelnutzer. Zuerst haben sie die Nudo Pastabar in der Amalienstraße, die erst am Abend öffnet als Frühstückslokal genutzt. Bananaleaf heißt das erfolgreiche vegane Frühstückskonzept, das immer mal wieder in der Stadt aufpoppt, ab Januar jeden Samstag im Restless in der Luisenstraße mit einem Yoga-Workshop.


Knolle und Kohl servieren Tapas in Wohnzimmeratmosphäre im Josefa. Foto: arteplikesphotography


Daniela Weinhold: "Pachtverträge sind unfassbar lang"

Daniela liebt Konzepte, aber sie möchte sich nicht binden. "Pachtverträge sind unfassbar lang, drei bis zehn Jahre und um einen eigenen Laden zu eröffnen, würde ich jahrelang einen Kredit abbezahlen." Deshalb wechselt sie ihre Konzepte und wandert damit durch die Stadt.

Derzeit sind Daniela und Nasti mit "Knolle und Kohl" im Café Josefa im Westend. "Das ist das Pendant zum Bananaleaf mit seinem Superfood, denn es ist eine Abendgastro mit regionalen Tapas." Daniela ist bei den Zutaten konsequent regional und saisonal. "Wenn ich Säure brauche, dann nehme ich Quitten." Sie fermentiert Kürbis, stampft Wurzelgemüse, macht aus Karottengrün Pesto und backt Brot.

Von Donnerstag bis Samstag stehen die veganen Tapas wie in einer baskischen Pintxosbar in einer Vitrine und kosten 2,50 bis 4,50 Euro. Doch Daniela und Nasti wollen auch anderen helfen, ihre Ideen umzusetzen. Deshalb gehen sie mit einem Freund im April mit ihrer Plattform für "Shared Square", also geteilter Quadratmeter, online. Hier wollen sie jene Menschen zusammenbringen, die einen Laden haben, aber ihn zu bestimmten Zeiten nicht nutzen und jene, die eine Idee haben.
 


Knolle und Kohl servieren Tapas in Wohnzimmeratmosphäre im Josefa. Foto: arteplikesphotography

 

Daniela Weinhold: "Lernen bei jedem neuen Lokal dazu"  

Zuerst konzentrieren sie sich auf Gastronomie, denn da haben sie Erfahrung und wollen den Nutzern ein Handbuch an die Hand geben, wie die gemeinsame Nutzung möglichst reibungslos verläuft. "Wir lernen bei jedem neuen Lokal dazu. Ich würde zum Beispiel davon abraten, einen Laden in der Vorweihnachtszeit zu eröffnen", sagt Daniela mit Blick auf Knolle und Kohl.

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Daniela hat Designmanagement studiert, aber irgendwann wollte sie all die Ideen in ihrem Kopf auch umsetzen, statt darauf zu warten, dass die Kunden ihre Ideen umsetzen. Am 15. und 16. Dezember gastiert das Bananaleaf mit seinem Frühstück im Josefa, das am Wochenende geschlossen hat. Am Abend gibt’s Tapas mit Knolle und Kohl, Kraut und Rüben.

Und nächstes Jahr? Daniela hat schon einige Ideen.

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Knolle und Kohl bis Februar 2019: Westendstraße 29, Montag bis Samstag ab 18.30 Uhr. www.urbanpopupfood.com

 

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