Ich bin ein Star - holt mich hier raus Trash oder Kult? Warum das Dschungelcamp brillant ist

Dschungelcamp auf RTL: Kein anderes Format geht so kritisch mit den Protagonisten um Foto: (c) RTL

Phänomen Dschungelcamp: Es polarisiert und triumphiert. Am Samstag endet die bisher erfolgreichste Staffel. Dabei ist das Konzept so einfach wie brillant – und das Publikum grausamer denn je

Für viele ist es unfassbarer Trash mit abgehalfterten Pseudo-Promis, die sich im Dschungel zum Affen machen. Die Maden-Muffel können jetzt mit den Kakerlaken aufatmen, wenn das Dschungelcamp am Samstag endet.

Für die anderen, und das sind durchschnittlich acht Millionen Zuschauer, ist „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ längst Kult und die beste Unterhaltungsshow im deutschen Fernsehen.

Ever, ever, ever!

Kein anderes Format geht so kritisch mit den Protagonisten um

Phänomen Dschungelcamp. Kaum eine Show ist so bissig, frech und auf den Bunkt, pardon: Punkt. Das liegt zum einen an den Moderatoren, Grimassen-Queen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, der die schrille Lücke von Dirk Bach bemerkenswert unterhaltsam füllt. Dank der Top-Autoren im Hintergrund – Micky Beisenherz und Zietlow-Ehemann Jens-Oliver Haas – prägt das Duo Running Gags und zieht die Kandidaten gnadenlos durch den Kakao. Kein anderes TV-Format geht so kritisch mit seinen Protagonisten und dem aktuellen Zeitgeist um.

Zwischen einer Dschungelprüfung, bei der natürlich ein Buschhirsch-Penis gefuttert werden muss, und einem Psycho-Auftritt am Lagerfeuer („Ich glaub, ich muss sterben“ – „Ach, du bist einfach nur dämlich!“) watschen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich Oliver Pocher als „Spielerfrau“ ab und bezeichnen sich als „wahre Lanz-Challenge“. Dass sie die „Wetten, dass..?“-Quote am vergangenen Samstag getoppt haben, müssen sie nicht weiter thematisieren, weil es sowieso klar war.

Während beim ZDF ratlos nach Erklärungen für den Quoten-Einbruch geforscht wird, ist sich das Dschungelcamp immer treu geblieben. So verhält es sich auch mit der Fangemeinde, die gerne in größeren Scharen vorm Fernseher sitzt, schaut, lästert und lacht. Die aktuelle Staffel ist die erfolgreichste. Dabei unkten vorm Start einige, dass man diesmal ja wirklich überhaupt niemanden kennt.

Kein Helmut Berger, keine Brigitte Nielsen, kein Rainer Langhans, dafür Michael Wendler. Aha. Menschen, die zugeben, seine Platten zu kaufen, gibt es keine. Aber so verhielt es sich am Anfang auch mit dem Dschungelcamp, das als Unterschichten-Urwald abgetan wurde. Zum Start wollte niemand in den Werbeblöcken für irgendwelche Produkte trommeln, weil das Umfeld so schrecklich eklig ist.

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Die beste Werbung läuft nun im Camp selbst. So kennt jetzt die TV-Nation Michael Wendlers Parfum, das seinen einzigen Hit („Sie liebt den DJ“) dudelt. Larissa Marolt, ein österreichisches Model mit hysterischer Persönlichkeit, besprühte mit dem Duft ihre gehassten Spinnen.

Wendler flüchtete, die Tiere blieben – genauso wie das Publikum. Auch ohne den angeblichen Star hält die Sendung ihre Rekord-Quote, weil die Sendung selbst der Star ist.

Dabei ist das Konzept so einfach wie brillant: Man nehme einen munteren Mix an Menschen, die alle berühmt werden oder zumindest ihre Schulden tilgen wollen, gebe ihnen sehr, sehr wenig zu essen (eine Tasse Reis und eine Tasse Bohnen pro Tag) und schaue, was passiert.

Blöd ist weder die Show noch das Publikum

Und das wäre, um Larissa, die sich von der Vorzeige-Zicke zur unterhaltsamsten Kandidatin – ever, ever, ever! – hochkämpfte, zu zitieren: „Das ist ein Horrorfilm hier, echt jetzt, ich schwör. Bunkt!“

Passend zum Horror hat das Camp heuer „das grausamste, aber lustigste Publikum“, so Zietlow. Denn: Tanja Schumann, die sich seit „RTL Samstag Nacht“ intellektuell und finanziell nicht weiterentwickelt hat, flehte stets das Publikum an, sie rauszuwählen – damit sie mit ihrem Mann, der sie „bucklige Brotspinne“ nennt, im Luxushotel Urlaub machen kann. Es dürfte überflüssig sein, zu erwähnen, dass die Zuschauer ihre ungewohnte Macht nutzten. Tanja zählt zu den vier Finalisten.

Denn blöd ist weder die Show noch das Publikum.

 

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