Homosexuelle Polizisten "Bei der Polizei eckt das typische Schwulenklischee an"

Schwule und Lesben haben es vor allem bei der bayerischen Polizei immer noch schwer. Foto: privat

Auch bei der Polizei gibt's Queere, doch in Bayern haben die mit Problemen zu kämpfen. Ein Verband hilft und klärt auf.

München - Männlichkeit, Stärke, Aggressivität und Dominanz – das sind laut einer Studie von Antonio Vera, Professor an der Deutschen Hochschule der Polizei, die vorherrschenden Werte der Polizei. "Da eckt das typische Schwulenklischee mit weich, affektiert und feminin an", sagt Wolfgang Appenzeller von der Bundespolizei (Bupo).

Appenzeller ist kein affektierter, femininer Typ, aber er ist der Vorzeigeschwule der bayerischen Polizei, ist im Velspol – dem Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter – und Ansprechperson für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Bupo Bayern. Er hält auch Vorträge für Polizisten in der Ausbildung. Bei der bayerischen Polizei gibt es keine vergleichbare Stelle. Überhaupt ist die bayerische Polizei altbacken, wenn es um queere Polizisten geht.

Polizisten outen sich selten: Tabuthema Homosexualität

Natürlich darf jeder bei der Polizei schwul oder lesbisch sein. Doch kaum ein Polizist ist in seiner Dienststelle geoutet, im höheren Polizeidienst scheint es gar keine Lesben und Schwule zu geben. Lieber lügen Polizisten und Polizistinnen, warum der Ehepartner wieder bei der Feier nicht dabei ist und wie’s mit der Familienplanung ausschaut.

Offene Diskriminierung ist kein Problem bei der Polizei. Sie kommt durch die Hintertür: Wenn aus der Einsatzplanung ein Problem wird, weil man keinem heterosexuellen Kollegen zumuten will, mit einem Schwulen im Zimmer zu sein. Einige Kollegen fragen eben auch den Zimmergenossen: "Hat er dich schon angepackt?" Wenn zwei Schwule in einem Zimmer sind, sind Sprüche sicher: "Was die wohl treiben?!" Oder bei einer körperlichen Untersuchung die Frage: "Hat der dir gefallen oder warum hast so gründlich gschaut?"

Die Bundespolizei ist liberaler als die bayerische Landespolizei

Seit zehn Jahren klärt Velspol innerhalb der Behörde auf und macht Schwule und Lesben bei der Polizei sichtbar. Die Bupo-Polizisten dürfen auf dem Christopher Street Day (CSD) in Uniform beim Wagen der Velspol mitlaufen. Den bayerischen Polizisten ist es verboten.

Die Bupos haben in Appenzeller seit vier Jahren einen Ansprechpartner, der sich ausschließlich mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans und Inter (LGBTI*) beschäftigt. Die bayerische Polizei will eine solche Stelle nicht schaffen. Und das obwohl andere Länder damit gute Erfahrungen gemacht haben: In Berlin gibt es gleich drei Polizisten, die nur für LGBTI* zuständig sind. Innerhalb der Behörde, aber auch für Menschen, die Opfer eines Verbrechens werden. (Hier geht's zum Programm der Pride Week)

Bayerische Polizei sammelte Daten über Schwule und Lesben

Bis 2005 sammelte die Polizei in Bayern Daten über Schwule und Lesben in der „Rosa Liste“. So konnte die Polizei gezielt nach Schwulen und Lesben suchen. Der Bundesverband der Velspol deckte den Skandal auf. Dass nicht Gewalt von Schwulen und Lesben, sondern gegen Schwule und Lesben das Problem ist, wurde in Bayern noch nicht erkannt. Im Einsatzbericht gibt es keine Möglichkeit für Beamte anzukreuzen, dass es sich bei einer Straftat um Hasskriminalität wegen der sexuellen Orientierung handeln könnte. Homophobie taucht deshalb in der bayerischen Kriminalstatistik nicht auf. "Die Problematik liegt aber auch darin, dass Kollegen eine homophobe Straftat nicht erkennen", sagt Appenzeller. Dann würde der Staatsschutz ermitteln.

Mitte Juli findet das Bundesseminar der Velspol in Räumlichkeiten der Münchner Aidshilfe statt. In Hamburg waren die Polizisten zuletzt vom Senat ins Rathaus in einen opulenten Saal zum Bundesseminar eingeladen worden. In München gibt’s keine Räume für Velspol.

Das Ziel von Velspol: Dass der Polizeipräsident in Uniform beim CSD mitläuft – als klares Zeichen an alle lesbischen, schwulen, trans- und heterosexuellen Polizisten.

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