Höhere Brandlast als vor 20 Jahren Mehr Fahrzeugbrände in München: Wenn Autos in Flammen aufgehen

Wenn Autos brennen, dann brennen sie deutlich heftiger als noch vor 20 oder 30 Jahren. Foto: Berufsfeuerwehr

Mehr als 15 Fahrzeuge brannten im letzten Jahr in München aus. Die AZ hat sich auf die Suche begeben, warum Autos inzwischen so oft Feuer fangen und gefragt, wie gefährlich ein Fahrzeugbrand bei einem E-Auto ist.

 

München - Handy-Akkus, die innerhalb von Sekunden in Flammen aufgehen. E-Roller, die Feuer fangen. Alles schon geschehen in München. Auch ein Elektroauto ging bereits in Flammen auf, doch das war alles andere als ein technischer Defekt oder ein Unfall. Mehr als 15 Fahrzeugbrände musste die Münchner Berufsfeuerwehr 2019 löschen, auch dieses Jahr gab es bereits einige. Nur ein einziges Mal handelte es sich dabei um ein Elektroauto, einen rund 150.000 Euro teuren BMW i8, der in Thalkirchen am Straßenrand parkte.

Der BMW i8 ging am 8. Oktober letzten Jahres gegen 3.30 Uhr in Flammen auf. Das automatische Notfallsystem "ConnectedDrive" des Nobelflitzers schlug Alarm. Als die Feuerwehr eintraf, brannte der Wagen lichterloh. Vom rechten Heck aus fraßen sich die Flammen durch den Sportwagen. Der i8 verfügt über einen Dreizylinder-Mittelmotor und zusätzlich einen Elektromotor. Die Feuerwehr löschte die Flammen mit Wasser.

Autos brennen heftiger als vor 20 oder 30 Jahren

Es war der erste derartige Einsatz, den die Münchner Berufsfeuerwehr zu bewältigen hatte und entsprechend vorsichtig gingen die Feuerwehrler damals vor. "Fahrzeugbrände sind sonst Routine für uns", sagt Christian Emrich, Experte für vorbeugenden Brandschutz bei der Berufsfeuerwehr. "Bei einem Elektroauto können noch Stunden nach einem Brand die Akkus reagieren und erneut in Flammen aufgehen", sagt Feuerwehrsprecher Maximilian Huber. Deshalb wurde vorsorglich ein Spezialcontainer bei BMW angefordert. Die Werksfeuerwehr kam mit dem Container, der im Notfall komplett mit Wasser geflutet werden kann und so die Reaktion im Akku stoppt. Der BMW wurde in den Container verladen und aufs Werksgelände von BMW gebracht.

Die Ermittlungen ergaben, dass das Fahrzeug vorsätzlich in Brand gesteckt worden war. "Der Täter ist bis heute nicht identifiziert", sagt ein Polizeisprecher. Für die Feuerwehr war der Einsatz komplett Neuland. "Rückblickend war der Einsatz des Spezialcontainers überflüssig", sagt Christian Emrich.

Die Zahl der Elektroautos nimmt zu. "In München waren es nach jüngsten Zahlen der Zulassungsstelle 3.947 reine Elektro- oder Hybridautos", sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Und es werden mehr, weil der Staat inzwischen großzügige Zuschüsse bewilligt. Bei der Feuerwehr sieht man diese Entwicklung gelassen. "Elektroautos brennen nicht heftiger oder öfter als Autos mit Verbrennungsmotor", betont Christian Emrich. Wenn Autos brennen, dann tun sie das aber deutlich heftiger als noch vor 20 oder 30 Jahren. "Das liegt an der höheren Brandlast", sagt Christian Emrich. In modernen Autos wird deutlich mehr Kunststoff und mehr Dämmmaterial verbaut, zudem haben viele breitere Reifen. Man muss nur daran denken, wie spartanisch ausgestattet ein VW Käfer 1302 aus den 70er Jahren war.

"Die Kunststoffe in der Automobilindustrie sind meist schwer entflammbar", erklärt Christian Emrich, "das heißt aber nicht, dass sie nicht brennen. Sie brennen nur später." Mehr Kunststoff, mehr Gummi, mehr Dämmmaterial – das ist der Grund, weshalb Tiefgaragenbrände meist so heftig verlaufen und für die Feuerwehr immer Großeinsätze sind. In der Milbertshofener Straße brannte es am 16. März in einer Tiefgarage. 150 Autos standen dort.

ADAC: Kein erhöhtes Risiko eines Fahrzeugbrands bei E-Autos

Alles war voller Rauch und Qualm. Die Feuerwehrleute begannen mit zwei C-Rohren und unter schwerem Atemschutz mit der Brandbekämpfung. Gegen den Qualm liefen sechs Hochdrucklüfter und ein Großlüfter. Zweieinhalb Stunden dauerte der Einsatz. "Fahrzeugbrände zählen zu den seltensten Unfall- oder Pannenarten. Das Risiko für einen Fahrzeugbrand liegt, bezogen auf die Gesamtzahl aller Unfälle, bei unter einem Prozent", sagt Katja Legner, Sprecherin des ADAC. Das Risiko eines Fahrzeugbrandes bei E-Autos ist nicht höher als bei herkömmlichen Fahrzeugen. Das haben ADAC Crashtests erwiesen.

Wenn Elektroautos brennen, dann brennt normalerweise nicht zuerst der Akku. "Die sind so konstruiert, dass sie 30 Minuten der Hitze standhalten", sagt Christian Emrich. In der Zeit sind brennende Personenwagen üblicherweise längst gelöscht. Die Feuerwehr braucht meist nur wenige Minuten. Wie bei einem normalen Fahrzeug genügt Wasser zum Löschen.

Bei einem Feuer wird die Energie vor allem im Inneren des Akkus freigesetzt, wo der Brand wie beim Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle überspringt, erklären Konstrukteure. Um Akkus zu löschen, helfe nur kühlen. Damit das gelinge, benötige man in der Regel mehr Wasser als gewöhnlich.

Wracks von E-Autos müssen unter freiem Himmel stehen

Der Gefahr, dass beim Einsatz von Wasser in elektrischen Anlagen Spannung auf die Einsatzkräfte überspringt, begegnet die Feuerwehr mit einem speziellen Wasserstrahl. Der besteht aus einzelnen Tröpfchen, so dass der Strom bei einem entsprechenden Sicherheitsabstand nicht zurückfließen und auf die Einsatzkräfte überspringen kann. Insgesamt gilt: "Das Risiko eines Brandes ist vergleichsweise gering, da aktuelle Elektroautos bei einem Unfall genauso sicher sind wie herkömmliche Autos und das Hochvoltsystem in der Regel nach einem Unfall mit Auslösung des Airbags abgeschaltet wird", erklärt Katja Legner.

"Wenn ein E-Auto-Akku brennt, dann ist durchaus mit enormer Brandleistung zu rechnen – die ist bei einem Akku nicht geringer als bei einem aufgerissenen Tank", sagt Karl-Heinz-Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. Die Energie, die freigesetzt werde, sei unabhängig von der Technologie darauf ausgelegt, das Auto über eine längere Strecke in Bewegung zu setzen.

Die Wracks von E-Autos werden auch wie normale Wracks abgeschleppt. Sie werden aber nicht in einer Halle abgestellt, sondern unter freiem Himmel und etwas abseits, sagt ein Autoverwerter. Aus Sicherheitsgründen, falls der Akku doch noch reagieren und dann in Brand geraten sollte.

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