Hochseilakt ohne Pausenclown Wie der Circus Krone mit der Corona-Krise umgeht

Ein Dompteur trainiert vor abgedeckten Rängen mit Pferden im Circus Krone. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Was macht ein Zirkus, der die hungrigen Mäuler von Elefanten, Löwen und Pferden stopfen muss in der Corona-Krise? Der Circus Krone legt ein paar Zahlen offen.

 

München - Martin Lacey braucht jeden Monat Fleisch für 20.000 Euro. Seine 26 Löwen werden oft morgens gefüttert, manchmal mittags - aber niemals vor der Vorstellung: "Ein Löwe mit vollem Bauch ist viel gefährlicher! Weil er dann keine Lust hat zu arbeiten", erklärt Lacey.

Der Dompteur und seine Frau Jana Lacey-Krone sind die Direktoren des Münchner Circus Krone - mit 260 Mitarbeitern, über 100 Tieren und einem Umsatz in Millionenhöhe der größte der Welt, wie der Europäische Zirkusverband sagt. Wie kommt ein solches Unternehmen durch die Corona-Krise?

Im Frühjahr verdient der Circus Krone am meisten Geld - eigentlich

Eigentlich wäre jetzt Hochsaison, Krone wäre auf Tournee durch 25 Städte in Deutschland. Drei Winterprogramme hatten über 400.000 Besucher in den Kronebau in München gelockt, bei Eintrittspreisen zwischen 17 und 48 Euro. Aber das meiste Geld wird im Frühjahr und Sommer verdient, wie Lacey sagt. Erste Station im März war Augsburg. In Mannheim "hatten wir schon 120.000 Euro investiert nur für die Werbung, da war ein zehntägiges Gastspiel geplant anschließend. Die Stallungen und die Elektrik hatten wir schon aufgebaut." Dann kam der Lockdown.

Bei Reisen kommen Köche und ein Lehrer mit

Circus Krone hat den Vorteil, dass er in sein eigenes, festes Quartier in München zurück konnte und sogar ein eigenes Gestüt hat. "Im laufenden Betrieb haben wir 35.000 Euro Kosten am Tag, jetzt nur noch gut 12.000", sagt Tourplaner Harald Ortlepp. Allein der Sprit für die Fahrt von Augsburg nach Mannheim hätte 45.000 Euro gekostet: Transporter für das 3.000 Zuschauer fassende Zelt, für 46 Pferde, für Löwen, Zebras, Kamele, 60 Wohnwagen für Artisten, Tierbetreuer, Schlosser, Schreiner, Kfz-Mechaniker, die Betriebsfeuerwehr, vier Köche und den mitreisenden Lehrer, Zelte, Ställe, Material - die Karawane ist gewaltig. "Wir sind eine Stadt in der Stadt", sagt Keller. "Wir brauchen nur einen Platz, Wasser und das Publikum."

Die größten Kosten sind die Personalkosten, sagt Jana Lacey-Krone. Von den 260 Mitarbeitern sind jetzt nur noch 100 da - die anderen sind in Kurzarbeit oder sofort nach dem Lockdown nach Hause geflogen, nach Bogota, Kiew, Moskau. Nur 13 Artisten aus der Mongolei kamen nicht mehr heim.

Die Kosten für die Tiere laufen weiter

Krone-Manager Frank Keller hat wenig Verständnis für Zirkusse, die "auf die Tränendrüse drücken". Wer seine Tiere schon nach zwei Wochen nicht mehr versorgen könne und um Futter und Spenden betteln müsse, sei "als Tierhalter fehl am Platz". Wegen Zirkussen, die Strom und Wasser nicht zahlten, verlangten die Kommunen heute die Platzmiete im Voraus und Kaution von allen. "Da liegen jetzt 200 000 Euro auf den Konten der Städte", ärgert er sich.

Denn seine Kosten für das Futter der Tiere, für die Tierpfleger, die Tierärzte und den Hufschmid laufen weiter. Die Tiere trainieren jeden Tag, "die brauchen Bewegung und müssen gefordert werden, sonst langweilen sie sich", sagt Keller.

Vorstellungen für 1.000 Menschen wären machbar

Die Krone-Chefs fragen sich, ob sie wenigstens 1.000 Menschen ins Zelt lassen dürfen. Dürfen Familien zusammensitzen? Wie ist ein Gedränge in der Pause zu verhindern? Am Kiosk? In den Toiletten? Und nach dem Ende der Vorstellung? Und wann darf man überhaupt wieder starten? "Dass wir kein Ziel vor Augen haben, die Unsicherheit, das macht uns fast krank", sagt Keller.

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