Hilft eine neue Zulage? SPD schlägt Alarm: München fehlt es an Polizisten

Großveranstaltungen fordern besonders viele Polizisten. Die Überstunden läppern sich. Foto: Tobias Hase/dpa

Viele Überstunden treffen auf teure Mieten. In Stadtrat und Landtag soll darüber wieder diskutiert werden, wie München für Polizisten wieder reizvoller wird. Eine Idee: eine neue Zulage.

 

München - Etwa drei Wochen: So viele Überstunden macht ein Polizeibeamter in München durchschnittlich im Jahr. Insgesamt sind 2017 im Bereich des Polizeipräsidiums München zirka 600.000 Überstunden aufgelaufen. Stunden, die zirka 5.151 Polizisten im Dienst extra geleistet haben.

2017: 600.000 Überstunden allein in München

Eine Statistik des Polizeipräsidiums zeigt, wo es besonders extrem ist. In Bogenhausen zählen Polizisten pro Kopf durchschnittlich 123 Überstunden im Jahr, in Unterhaching sind es 118. Es folgen Ismaning (106), Perlach und Trudering (beide 81), Neuhausen (78), die Altstadt (77) und Sendling (78).

All diese Polizisten will Christian Vorländer, SPD-Vize-Fraktionschef, jetzt entlasten. In einem Stadtratsantrag, den er heute im Rathaus einreichen möchte, fordert er: "Die Arbeits- und Lebensbedingungen müssen sich dringend verbessern."

Rathaus-SPD will erhöhte Zulage für Münchner Polizisten

Konkret fordert Vorländer, dass die Ballungsraumzulage vom Freistaat für alle Polizisten gelten soll, die in München arbeiten – unabhängig vom Wohnort. Zudem soll sie auf das Niveau der München-Zulage erhöht werden. Wenn es nach der Rathaus-SPD geht, sollen Polizisten also ab dem 1. Januar 2020 – ebenso wie städtische Mitarbeiter – eine erhöhte Zulage von 270 Euro bekommen.

Da die Ballungsraumzulage vom Freistaat Bayern kommt, solle sich der Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dort für eine Erhöhung einsetzen. Genauso wie für das Schaffen neuer Wohnungen für Staatsbedienstete. Christian Vorländer: "Und zwar in weitaus größerem Maße als bisher."

Wohnsituation und Lebenserhaltungskosten sind ein Problem

Denn er beobachtet auch: "Aufgrund der extrem schwierigen Wohnungssituation und der hohen Lebenshaltungskosten in München hat die Polizei große Probleme, ihre jungen und hochmotivierten Kollegen in der Stadt zu halten."

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn begrüßt Vorländers Antrag. Auch er beobachtet: "Die Überstunden der Münchner Polizisten steigen seit Jahren." Vor allem, da in München regelmäßig Großveranstaltungen stattfinden, müsse man die Personalstärke schlichtweg erhöhen und könne sie nicht mit anderen Präsidiumsbereichen vergleichen, sagt von Brunn.

Auch er kündigt an, kommende Woche einen Antrag im Landtag einreichen zu wollen, der sich damit befassen soll, wie die Belastung der Polizeibeamten in München reduziert werden kann.

München: Längst nicht alle Planstellen sind auch besetzt

Zahlen zeigen, dass in München längst nicht alle Stellen tatsächlich besetzt sind. Ein Beispiel aus der Altstadt: Für die Polizeiinspektion hat das Präsidium eigentlich 205 Polizisten eingeplant, es sind aber tatsächlich nur 179. Zählt man hier Abwesenheiten – etwa Abordnungen zu anderen Dienststellen, Studium und Weiterbildung, Elternzeit oder Erkrankungen – ab, sind es nur noch 160 Polizisten, die tatsächlich im Dienst sind.

Vorländer: "Die vom Freistaat Bayern zusätzlich eingerichteten 3.500 Stellen kommen dem Polizeipräsidium München bislang auch noch nicht zugute, da noch keine konkrete Zuteilung erfolgt ist."

Bis dahin sei es umso wichtiger, sagt Vorländer, dass alles unternommen wird, um den vorhandenen Polizisten die Arbeit, das Wohnen und das Leben im teuren München zu erleichtern.

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