Herkunft, Familie, Hobbys Carlo Ancelotti: So tickt Don Carlo

Der neue Bayern-Trainer auf dem Kinoplakat: Carlo Ancelotti als „Der Pate“ – sein Lieblingsstreifen. Foto: ho

Er bewundert den „Paten“, baut auf die Familie, isst gerne, angelt und spielt in Filmen mit: Die AZ erklärt Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.

 

"Bonasera, Bonasera, was habe ich dir getan, dass du mich so respektlos behandelst.“ Der berühmte Satz des Mafia-Bosses Don Vito Corleone, gespielt von Marlon Brando im Klassiker „Der Pate“ – er hätte auch von Carlo Ancelotti kommen können, dem neuen Trainer des FC Bayern und großen Bewunderer der Filmreihe. Wie er so dasitzt in seinem Büro an der Säbener Straße, zurückgelehnt im Sessel, die Zigarre in der Hand und die linke Augenbraue nach oben gezogen: Ancelotti hätte in einem anderen Leben ganz gewiss einen authentischen Paten abgegeben. Wobei, das kann ja noch kommen.

In der kürzlich erschienenen Biografie „Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt“ lässt Ancelotti seine Bewunderung für den Führungsstil Don Corleones durchblicken. „Natürlich weiß ich, dass er schlimme Dinge tut und dass die Mafia eine kriminelle Organisation ist“, heißt es dort: „Aber dieselben Eigenschaften, die hier für das Böse missbraucht werden, können auch das Gute befördern.“

An anderer Stelle schreibt er: „Vito Corleone ist eine Führungspersönlichkeit, an der man sich orientieren kann, weil er von allen respektiert wird – von der Familie, den Freunden, den Leuten, die mit ihm zusammenarbeiten, und sogar von seinen Feinden.“

Mamma mia! Auf was für einen Coach müssen sich die Bayern da einstellen? Zur Beruhigung sei gesagt: Abgesehen von der Mafia-Schwärmei soll Ancelotti ein sehr angenehmer, gelassener und auch friedlicher Mensch sein. Puh. Die AZ stellt ihn genauer vor: Don Carlo und seine Welt.

Seine Herkunft

Ancelotti wurde am 10. Juni 1959 in Reggiolo, einer kleinen Gemeinde in der norditalienischen Region Emilia Romagna geboren. Er wuchs auf einem Bauernhof auf, mit Mutter Cecilia und Vater Guiseppe, einem Milch- und Käsebauern. Im Alter von 14 Jahren verließ Carlo die Familie, um seine Fußballkarriere beim FC Parma zu beginnen.

Seine Familie

Carlos Sohn Davide spielte in der Jugend beim AC Mailand, Verletzungen verhinderten seinen Weg ins Profigeschäft. Heute gehört er zum Trainerteam seines Vaters beim FC Bayern, er ist Fitnesscoach. Tochter Katia, Journalistin, ist verheiratet mit dem Ernährungsberater Mino Fulco, der ebenfalls für die Bayern arbeitet. Carlos Kinder entstammen der Ehe mit seiner ersten Frau Luisa. Seit 2014 ist der Coach mit der Kanadierin Mariann Barrena McClay verheiratet. In ihrer Heimat Vancouver verbrachte er sein Sabbatjahr.

Seine Vorlieben

Ancelotti ist ein Genussmensch – das sagen alle früheren Wegbegleiter. „Ich schlinge wie ein Pferd“, schreibt er in seiner Biografie „Preferisco la coppa“. Paolo Maldini, Kapitän unter Ancelotti beim AC Mailand, sagt: „Er isst, trinkt. Dann isst er noch mehr und trinkt ein bisschen mehr.“ Carlo kann übrigens auch selbst ausgezeichnet kochen. Zu seinen Leibspeisen gehören Tortellini mit Mortadella, Parmesan, Parmaschinken, er trinkt gern Rotwein. Und er raucht gelegentlich Zigaretten. Auch dann, wenn er wütend auf seine Spieler ist, wie Cristiano Ronaldo in „Quiet Leadership“ verrät: „Und dann ist alles wieder in Ordnung.“

Sein Markenzeichen

Vorsicht, wenn Carlos linke Augenbraue nach oben wandert! Dann tickt der sonst so besonnene Trainer aus, Zlatan Ibrahimovic schoss er in seiner Zeit als Trainer von Paris St. Germain mal eine Kiste an den Kopf. „Jesus, dachte ich. Jetzt ist er wirklich wütend“, wird Ibrahimovic in „Quiet Leadership“ zitiert. Clarence Seedorf, Ex-Spieler des AC Mailand, sagte dem „Kicker“: „Wenn seine Augenbraue zuckt, ist Ungemach im Anflug und man sollte in Deckung gehen.“

Sein Führungsstil

Ancelotti ist ein Freund der Spieler, toleranter als Pep Guardiola. Und seine Stars danken ihm dafür. „Du würdest töten für ihn“, sagt Ibrahimovic. Für Cristiano Ronaldo ist Ancelotti „wie ein großer Bär, ein genialer Typ“. Er wolle seine Spieler „auf angenehme Weise behandeln“, erklärte Carlo bei seiner Präsentation am Montag. Im Interview mit „Bild“ führte er seinen Stil weiter aus. „Mehr als einmal haben mir Präsidenten erzählt, ich müsse die Peitsche benutzen. Warum? Niemand hat bei mir die Peitsche angesetzt“, sagte er: „Ich habe dann immer gesagt: Wenn ihr einen Trainer wollt, der die Peitsche schwingt, sucht euch einen solchen Trainer.“ Arrigo Sacchi, italienische Trainerlegende und Carlos Lehrmeister, schätzt besonders diese Gelassenheit des neuen Bayern-Coaches: „Er besitzt Ausgewogenheit und Ruhe, er ist ironisch und selbstironisch.“

Seine Hobbys

Vancouver war das Paradies für den leidenschaftlichen Angler Ancelotti. Regelmäßig ging er auf Thunfischjagd. Carlo mag die Musik seines Landsmanns Adriano Celentano und den Schauspieler Robert De Niro („Der Pate“). Seine Liebe zum Film ist ohnehin sehr ausgeprägt. 1983 spielte Carlo als Fußballer an der Seite von Terence Hill in „Keiner haut wie Don Camillo“. Ab 21. Juli ist Ancelotti wieder in den Kinos zu sehen, im Science-Fiction-Streifen „Star Trek Beyond“ hat er eine kleine Nebenrolle als Arzt. Und was ist mit Carlo, dem Paten? Darauf müssen wir (leider) noch warten.

 

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