"Hemmungslos gehandelt" München: Helmholtz-Zentrum hat Zahlungsschwierigkeiten

Das Helmholtz-Zentrum in Neuherberg: Hier wird Spitzenforschung betrieben, aber offenbar nicht so gut aufs Geld geschaut. Foto: Google Earth

Das Helmholtz-Zentrum hat finanzielle Probleme. Verdi und die Linke sehen Bund und den Freistaat Bayern in der Pflicht.

 

München - Das Helmholtz-Zentrum München (Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, HMGU) in Neuherberg ist in finanziellen Schwierigkeiten. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurden die rund 2.600 Mitarbeiter des Forschungszentrums bereits informiert, dass etwa 300 Stellen gestrichen werden müssten.

Weitere Zuschüsse erst nach Sonderprüfung

Die Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke (Linke) hat nun bei der Bundesregierung angefragt, ob das Helmholtz-Zentrum zusätzliche finanzielle Unterstützung durch den Bund erhalten wird. Die Antwort der Bundesregierung liegt der AZ exklusiv vor.

Darin heißt es, dass das HMGU bereits im Juli beschlossen hat, "eine umfassende Sonderprüfung zur Sachverhaltsfeststellung zu veranlassen". Bis Ende September sollen Ergebnisse vorliegen. Erst danach wird laut Bundesregierung klar sein, ob Handlungsbedarf für die Zuwendungsgeber, also vor allem Bund und Freistaat, besteht.

208 Millionen Euro hat der Bund dem HMGU 2019 zu Verfügung gestellt. Die Bayerische Landesregierung bewilligte einen Zuschuss von rund 15 Millionen Euro. Auch der Freistaat Sachsen finanzierte mit 2,6 Millionen Euro einen kleinen Teil der Betriebskosten mit, wie aus dem Antwortschreiben der Bundesregierung ersichtlich wird.

Kritik an Bund, Bayerischer Landesregierung und Helmholtz-Zentrum

Nicole Gohlke reicht diese Antwort aber nicht aus. Sie ist die hochschul- und wissenschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Parlament: "Die Bundesregierung gibt sich teilnahmslos und die Bayerische Landesregierung schweigt sich aus, dabei tagen sie die politische Verantwortung für die Misere", sagt Gohlke der AZ.

Es dürfe nicht sein, dass bei einer dreistelligen Millionen-Förderung das Controlling derart versagt, so die Bundestagsabgeordnete weiter. "Warum sind die Fehlkalkulationen niemandem früher aufgefallen? Die Forschungsministerien in Berlin und München spielen mit Arbeitsplätzen, Steuergeldern und bringen die Wissenschaft in Misskredit", teilte Gohlke in einer exklusiven Stellungnahme für die AZ mit.

Die Verdi-Landesbereichsleiterin für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Christiane Glas, kritisiert hingegen die Geschäftsführung des Helmholtz-Zentrums: "Das HMGU hat hemmungslos, sehr ehrgeizig und fast schon ziellos gehandelt", sagt Glas. "Jetzt sind Bund und Land gefordert, die Verantwortung zu übernehmen", so Glas. Auch, damit bereits geflossene Gelder nicht verschwendet werden, weil Forschungsprojekte vorzeitig abgebrochen würden.

Grund laut HGMU: Strategische Neuausrichtung

Die AZ fragte beim HGMU nach. Die Antwort: "Das Zentrum durchläuft seit einigen Jahren einen Prozess der strategischen Neuausrichtung."

Und weiter: "Dieser erfolgreiche Transformationsprozess war über die letzten Jahre auch mit wirtschaftlichen und finanziellen Herausforderungen verbunden." Zu weiteren Details wollte man keine Auskunft geben.

Die Schwerpunkte des HMGU sind Forschungen in den Gebieten Allergien, Diabetes und chronische Lungenerkrankungen. Bis 2008 war es als Gesellschaft für Strahlenforschung bekannt.

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