Haus der Kunst 8. Staffel der Videokunst: „Die kalte Libido“

Szene aus dem Video „Dog“ (2001) von Annika_Larsson aus der Sammlung Goetz. Foto: Haus der Kunst

Die Ausstellung „Die kalte Libido“ in den Luftschutzräumen unter dem Haus der Kunst läuft als 8. Staffel der Videokunst aus der Sammlung von Ingvild Goetz.

Die Paarung „Herr und Hund“ ist ein fast klassisches Motiv der Künste. Die schwedische Künstlerin Annika Larsson macht daraus in ihrer Video-Installation „Dog“ eine fiese Unterwerfungs-Choreographie mit zwei Business-Men, Doggen und S/M-Anspielungen. Dressiert wirken hier nicht nur die Hunde. Gefilmt werden die beiden Möchtegern-Alpha-Männchen überwiegend aus der heroischen Untersicht zu den Klängen von Johann Strauß‘ „Ägyptischem Marsch“ – den man danach wohl nie wieder ohne die Assoziation von Larssons abschreckendem Beziehungsmuster hören kann.

„Dog“ ist Teil der Schau „Die kalte Libido“ in den Luftschutzräumen unter dem Haus der Kunst, wo derzeit die 8. Staffel der Videokunst aus der Sammlung von Ingvild Goetz läuft. Diesmal mit je drei Filmen der Künstlerinnen Keren Cytter, Jeanne Faust, Annika Larsson, Shahryar Nashat und Aida Ruilova. Alle dieser filmischen Betrachtungen offenbaren Begehren und Einsamkeit, erotische Versprechen bleiben uneingelöst. Leider ist der Titel Programm: Die Filme lassen einen in den klammen Kellerräumen nur noch mehr frösteln – und man denkt an Ulrich Seidls unheimliche Österreicher, die ihre Obsessionen im UG ausleben.

Die Nordgalerie zeigt Gegenwartsmalerei aus der Sammlung

Unter dem Titel „Zufallsmuster“ ist zudem in der Nordgalerie des Hauses ein Querschnitt durch Ingvild Goetz‘ Bestände der Gegenwartsmalerei zu sehen. Viele der Werke wurden jüngst in ähnlicher Zusammenstellung in diversen Schauen gezeigt. Kurator Ulrich Wilmes gruppiert sie in drei Sälen: Im ersten Raum figurative Bilder (und ein Teppich mit liegender Dame), etwa von der Polin Paulina Orlowska und ihrem Landsmann Wilhelm Sasnal; daneben Luc Tuymans fahle Gemälde „Cargo“ und „Parachutistes“. In nuancierten Weiß- und hellen Pastelltönen imponiert Toba Khedooris Seestück „Untitled. Ships and Boxes“, passend dazu Ellen Gallaghers ungreifbare Vision und eine flatternde Zettelwand von Tal R.

Nebenan zwei Künstler, die ihre eigene Welt zwischen Allmacht und Wahnsinn schaffen: Mike Kelley mit der Installation „Alma Pater („Wolverine Den“) und Andy Hopes pathetische Pseudo-Helden. Michael Buthes „Im Zeitalter der Fische“, Chris Ofilis „Traum“ und „Trumpf“ sowie David Reeds Farbschlingen sind dazu größtmöglicher Kontrast. Im letzten Saal treffen abstrakten Muster von Tomma Abts, Sarah Morris und die fast schon dreidimensionalen Strukturen von Udomsak Krisanamis zusammen. Dazwischen locken die mit Obst und Südfrüchten bemalten Tische von Wade Guyton und Kelley Walker.

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Die unermesslich wirkende Sammlung von Ingvild Goetz ist zweifellos ein Glücksfall für die Münchner Kunst-Szene. Die Werke der Medienkunst hat die Groß-Sammlerin bereits Ende 2013 dem Freistaat vermacht, die weiteren Schätze aus Malerei und Skulptur sind natürlich für jedes Museum begehrenswert. Die Pinakothek der Moderne zeigt derzeit (anschließend an die Videokunst in „Creating Realities“) Zilla Leuteneggers „Ring My Bell“ aus dem Goetz-Fundus. Im Sinne der Vielfalt wäre allerdings zu wünschen, dass die staatlichen Institutionen sich besser absprechen und nicht auf Dauer gleichzeitig Goetz-Exponate in derartiger Fülle präsentieren.

Haus der Kunst, bis 14. Februar, täglich 10 bis 20, Do bis 22 Uhr

 

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