Hachinger Profi im AZ-Interview Dominik Stahl: "Da ist Unterhaching schon etwas Besonderes"

Bald Zweitligist? Dominik Stahl von der SpVgg Unterhaching. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Dominik Stahl will mit der SpVgg Unterhaching in die 2. Liga. Im AZ-Interview spricht er darüber, ob es noch in diesem Jahr klappen könnte – und warum er nie Zweifel an einer Vertragsverlängerung hatte.

 

Ex-Löwe Dominik Stahl (31) spielt seit 2016 für die SpVgg Unterhaching. Vergangene Woche verlängerte er seinen Vertrag bis 2023.

AZ: Herr Stahl, Sie haben vor kurzem Ihren Vertrag bei der SpVgg verlängert. Wenigstens ein kleines bisschen Sicherheit in dieser Zeit.
DOMINIK STAHL: Absolut, man sieht ja, was gerade an vielen anderen Orten passiert: Verhandlungen liegen auf Eis, es herrscht Ungewissheit. Da ist Unterhaching schon etwas Besonderes. Schließlich wurde ja nicht nur mein Vertrag, sondern auch davor der des Trainerteams verlängert. Mich freut das gegenseitige Vertrauen, gerade in dieser Phase, und ich bin froh, dass da jetzt der Deckel drauf ist. Es war ja auch irgendwie klar, ich fühle mich mit der Familie pudelwohl in München.

Warum tut sich die Spielvereinigung scheinbar immer leichter als andere Vereine, Leistungsträger und Führungsspieler zu halten?
Ich glaube, das liegt an den Werten, die Haching vermittelt. Das zeigt sich auch jetzt gerade. Wenn ich sehe, wie unser Präsident (Manni Schwabl, d. Red.) versucht, andere Wege zu gehen, um Kurzarbeit zu verhindern, weil es ihm widerstrebt, für einen Fußball-Verein den Staat anzupumpen. Das ist einfach nicht selbstverständlich. Und genauso wenig ist es selbstverständlich, dass im Profi-Fußball die Wege so kurz und die Hierarchien so flach sind wie hier in Haching. Was mir aber besonders gefällt, ist diese Kontinuität in allen Bereichen: in der Mannschaft, im Trainerteam.

Dominik Stahl: "Die Dritte Liga ist ein Einheitsbrei"

Das hat sich in der Vorsaison bestätigt.
Eben. Da wurde nach einer schwachen Rückrunde nicht alles in Frage gestellt. Wir haben stattdessen gleich wieder eine erfolgreiche Vorrunde draufgepackt. Ich denke, nur durch Kontinuität und Wachstum stellt sich auch Erfolg ein.

Apropos Erfolg: Der Aufstieg in den kommenden zwei Jahren wird Ihr großes Ziel sein, oder?
Natürlich. Schließlich ist das auch die Zielsetzung dieses Vereins – und ich will Teil dieses Projekts sein. Auch wenn ich weiß, dass es in dieser Liga verdammt schwer ist.

Wie meinen Sie das?
Ich sag immer, die Dritte Liga ist ein Einheitsbrei. Da kann jeder jeden schlagen, keine Mannschaft kann sich wirklich absetzen.

Auch Ihr Ex-Klub, der TSV 1860, hat zuletzt wieder oben mitgemischt. Hat Sie überrascht, wie konstant Sechzig unter Neu-Trainer Michael Köllner gespielt hat?
Überraschen kann mich im Profi-Fußball nichts mehr.

Das sagt Ex-Löwe Dominik Stahl über den TSV 1860

Auch bei 1860 nicht?
Ich glaube, gerade die Löwen haben viel dafür getan, dass es so ist. (lacht) Aber ernsthaft: Das war schon eine beeindruckende Serie, die sie da zuletzt hingelegt haben. Aber auch ihr Lauf ist jetzt unterbrochen worden, und man muss sehen, wo sie nach der Krise stehen.

Ihr Klub war mit Rang drei zuletzt noch besser im Rennen. Wie bitter wäre ein Saison-Abbruch für Sie?
Zunächst müsste man dazu erstmal wissen, was ein Saison-Abbruch mit sich bringt. Bekommen wir dann unser Relegationsspiel, weil wir ja Dritter sind, können wir direkt aufsteigen – oder, oder, oder? Das ist gerade schwer zu bewerten. Aber natürlich wäre es bitter, wenn wir vorne dran sind, und am Ende wird die Saison gar nicht gewertet.

Stahl über Geisterspiele: "Muss auch gesellschaftlich passen"

Denkt man auch an andere Teams, gegen die Sie vor kurzem noch gespielt haben und die jetzt um ihre Existenz bangen?
Klar, es ist Wahnsinn, wer alles betroffen ist, wie sich alles auswirkt. Die Frage ist, wie die Liga, der DFB nun darauf reagieren. Mir steht es da nicht zu, darüber ein Urteil zu fällen. Zumal der Fußball ja längst nicht die einzige Branche ist, die betroffen ist. Andere trifft es noch viel härter. Wichtig für uns ist, dass es zu einer Entscheidung kommt und diese auch zeitnah fällt. Nur mit konkreten Szenarien können wir konkret planen. Klar wäre es dann auch schade, wenn es einen Klub hart erwischt. Ob das dann selbstverschuldet ist durch schlechtes Wirtschaften, kann ich nicht beurteilen.

Ihr Klub plädiert, wie die anderen bayerischen Vereine auch, für ein sportliches Ende der Saison.
Das wäre halt die fairste Lösung – und auch die schönste. Es gibt aber viele Ungewissheiten. Geisterspiele – ja oder nein? Wie sieht die Anreise im Bus aus? Gibt es Tests für Spieler und werden diese dann gegenüber dem Rest der Gesellschaft bevorzugt? Fakt ist jedenfalls: Sollten wir weiterspielen, muss es auch gesellschaftlich passen. Ich fände es nur schwer vermittelbar, dass eine Oma ihr Enkelkind nicht besuchen darf, aber laufend Profi-Fußball gespielt wird.

Sollte es zum Worst Case, zum Saison-Abbruch kommen...
...dann gehen wir unseren Weg weiter. Wir sind gut aufgestellt und bereit, was immer auch passiert.

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