Gwangju Cultural Foundation Joseph Bastian dirigiert im Gasteig

Der Dirigent Joseph Bastian. Foto: Astrid Ackermann

Joseph Bastian erklärt, warum man sich trotz Wiesn den kommenden Mittwoch frei halten sollte, um sein Konzert im Carl-Orff-Saal des Gasteig zu hören

 

Während der Wiesn ist München aus guten Gründen weitgehend konzertfrei: Das Publikum weilt entweder im Bierzelt – oder es hat keine Lust auf Angeheiterte in öffentlichen Verkehrsmitteln. Joseph Bastian wagt trotzdem einen Versuch: Mit Musikern aus Korea und aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks führt er in der nächsten Woche im Carl-Orff-Saal des Gasteig Werke von Mozart, Beethoven, Kim Dae Song und Isang Yun auf. Wir trafen den Dirigenten vor Wiesnbeginn in einem Café – und auch nicht auf eine Maß, sondern auf einen Cappuccino außer Sichtweite der Theresienwiese.

AZ: Herr Bastian, ist es nicht riskant, ein Konzert während der Wiesn zu geben?
JOSEPH BASTIAN: Es ist nicht ganz einfach, das stimmt schon. Vor allem wenn man – wie in unserem Fall – Hotelzimmer für die koreanischen Musiker finden muss. Ich glaube, die wohnen jetzt im Umland, aber ich habe das nicht selbst organisiert.

Fürchten Sie nicht, dass kaum jemand kommt?
Nicht jeder geht auf die Wiesn, und jeder geht vor allem nicht jeden Tag. Wir spielen in einem eher kleinen Saal und es gibt ein ausgefallenes Programm. Wer koreanische Musik des 20. Jahrhunderts nicht mag, für den spielen wir Mozart und Beethoven. Daher gehe ich schon davon aus, dass wir den Carl-Orff-Saal voll bekommen.

Wer sind die Musiker?
Überwiegend meine ehemaligen Kollegen aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dazu zehn Musiker aus dem Gwangju Symphony Orchestra.

Wo liegt das?
Ganz im Süden der koreanischen Halbinsel. Die Gwangju Cultural Foundation setzt sich für das kulturelle Leben in der Stadt ein und möchte sie auch international bekannter machen. Denn Gwangju ist – wenn überhaupt – berühmt wegen eines Massakers an der Demokratiebewegung, das 1980 während der Militärdiktatur verübt wurde.

Daher das Stück „Democracy“ von Kim Dae Song?
Es erinnert an dieses Massaker. Der Komponist schreibt auch erfolgreich Musicals, und das hört man „Democracy“ auch an. Es klingt so, wie sich ein Europäer ein asiatisches Stück vorstellt: Also etwa kitschig.

Waren Sie in Korea?
Ich habe eben das Asian Youth Orchestra dirigiert. Wir waren auch in der entmilitarisierten Zone an der Grenze zum Norden. Es war erschreckend zu sehen, wieviel Energie dafür verschwendet wird, Menschen auseinander zu halten. Wir haben dagegen versucht, Leute aus teilweise verfeindeten Ländern durch das Spielen im Orchester zusammenzubringen.

Ihre Solistin kommt auch aus Korea.
Jehye Lee ist Konzertmeisterin der zweiten Geigen im BR-Symphonieorchester. Korea hat ein sehr erfolgreiches System der Musikerziehung aufgebaut, das viele gute Musiker herbringt.

Sie führen auch ein Werk von Isang Yun auf – den vielleicht bekanntesten koreanischen Komponisten. Er floh aus politischen Gründen aus seiner Heimat und starb 1995 als Deutscher in Berlin.
„Colloïdes sonores“ ist ein Stück für Streichorchester in drei Sätzen, das vom Klang traditioneller koreanischer Instrumente inspiriert wurde. Es ist eher heftige Neue Musik, die in Asien weniger geschätzt wird. Wir haben es ausgesucht, um die Verbindung zwischen Deutschland und Korea herauszustellen.

Was bedeutet denn der seltsame Titel?
„Klangliche Partikel“. Kolloide schwimmen in anderen Substanzen, wie Fetttröpfchen in der Milch. Und so funktioniert auch dieses Stück: Klangliche Elemente werden zu einem Dickicht gemischt, das sich dann wieder auflöst.

Haben Sie es schon bereut, Ihre feste Stelle als Posaunist beim BR-Symphonieorchester mit der Rolle als freischaffender Dirigent vertauscht zu haben?
Keineswegs. Ich hatte schon etwas Angst, weil es viele Musiker gibt, bei denen das nicht geklappt hat. Musik ist ein Business, das nicht einfach zu durchschauen ist. Ich habe mir am Anfang ein Jahr im Orchester mit der Option auf eine Rückkehr frei genommen. Aber schon nach drei Monaten war mir klar, dass es klappen wird.

Wo gab es denn Wiedereinladungen?
Zuerst beim BR. Ich bin für Robin Ticciati eingesprungen und habe dann voriges Jahr meine früheren Kollegen im Abschlusskonzert des ARD-Wettbewerbs dirigiert. Beim SWR Symphonieorchester in Freiburg und beim Hessischen Rundfunk wurde ich wieder eingeladen. In Zürich und Winterthur dirigiere ich bald Haydns „Il mondo della luna“.

Was macht Ihnen am Dirigieren besonders Spaß?
Ich habe meine Posaune und die Arbeit im Orchester sehr geliebt. Es ist eines der ältesten Musikinstrumente überhaupt. Aber bei Haydn, Mozart oder Beethoven kommt die Posaune kaum vor. Ich entdecke nun die gesamte Bandbreite von der Renaissance bis zur Gegenwart. Natürlich gibt es auch Werke, die einem weniger liegen. Aber ich mag es, dass ich mich nicht festlegen muss und angesichts des Reichtums der Musikgeschichte nie zu einem Ende kommen werde.

Carl-Orff-Saal, Mittwoch, 25. September, 20 Uhr, Karten von 18,20 bis 40,60 Euro bei den bekannten Vorverkaufsstellen

 

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