Gutjahr - die Kolumne Die Luftballonbügler

Richard Gutjahr: der Blogger schreibt jeden Freitag für die AZ über digitalen Lifestyle - das Leben mit dem Computer. Foto: Petra Schramek

Der AZ-Kolumnist hält nicht viel von der quadratischen Stricherl-Matrix

 

Haben Sie schon mal einen QR-Code benutzt? Oder anders gefragt: Kennen Sie jemanden, der schon mal einen QR-Code benutzt hat? Ach so, Sie wissen gar nicht was das ist. Nicht schlimm, muss man nicht wissen. QR-Codes, das sind diese quadratischen schwarz-weiß gemusterten Kästchen, die man jetzt immer häufiger in Zeitschriften, auf Plakaten, oder auf Bahn-Fahrkarten findet. Das QR steht für Quick Response und soll bedeuten, dass diese Dinger ganz schrecklich schnell reagieren... wenn, ja wenn sie nur jemand benutzen würde. QR-Codes gehören für mich in die Kategorie Dinge, die wo die Welt nicht braucht. Warum? Weil sie in den meisten Fällen etwa so nützlich sind wie Bügeleisen, mit denen mal Luftballons bügeln kann (kein Witz, gab es auf der IFA diese Jahr). Kein Mensch bügelt Luftballons. Und falls doch, rate ich diese Menschen dringend, einen Arzt aufzusuchen.

Ginge es nach den QR-Code-Verfechtern, könnte das in Zukunft so aussehen: Der Ballonbügler stößt in einer Zeitschrift auf die Annonce eines Therapeuten, der sich auf das Bügeln von Luftballons spezialisiert hat. Er greift zu seinem Smartphone, läd sich einen QR-Code-Scanner herunter. Dann hält er die Kamera seines Telefons über den Code, der in der Zeitschrift abgedruckt ist. Damit gelangt unser Ballonbügler zu einer Webseite, auf der die Telefonnummer des Psychiaters steht, die er dann anrufen kann. Natürlich hätte der Spezialist anstelle eines QR-Codes gleich seine Telefonnummer oder die Adresse seiner Webseite in die Anzeige schreiben können. Aber hey! Das wäre doch nun wirklich zu einfach.

Oh nein, wer was auf sich hält, braucht einen QR-Code. Für alles. So haben die israelischen TV-Sender beispielsweise jetzt damit begonnen, QR-Codes in Fernsehsendungen einzublenden – in das laufende Programm! Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie schauen Günther Jauch, wo sich gerade Petra Gerster, Ranga Yogeschwar und ein selbsterklärter Netz-Exorzist angeregt über das Böse im Internet unterhalten. Plötzlich auf Ihrem Bildschirm: ein QR-Code! Was tun? Schnell legen Sie Ihr Bügeleisen zur Seite, greifen zu Ihrem Smartphone, hechten zum Fernseher und scannen den Code, bevor er wieder ausgeblendet wird. Mit ein bisschen Glück landen Sie dann auf der wahnsinnig schwer zu merkenden Webseite „ARD.de“. Echt praktisch. ...Nanu? Was riecht hier auf einmal so verbrannt? – Mein Gott, der Luftballon!

 

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