Güterverkehr Bis zu 500 Züge sollen am Tag durch München fahren

Anwohner, die entlang der Schienenstränge leben, sehen ihre Lebensqualität gefährdet. Sie schlagen für den geplanten Ausbau der Deutschen Bahn eine Alternativroute vor.(Symbolbild) Foto: Archiv/Gaby Mühlthaler

Um den Ausbau der Daglfinger und Truderinger Kurve gibt es viel Ärger. Der Bahnlärm könnte Anwohner künftig noch stärker belasten.

 

München - Vertreter der Deutschen Bahn halten auf Anfrage des Stadtrates an den Prognosezahlen fest. Setzt die Bahn ihre Pläne um und baut Daglfinger und Truderinger Kurve vier- sowie Truderinger Spange zweigleisig aus, werden laut Prognose 20 Meter neben der Siedlung 139 Züge täglich vorbeirauschen und den Bereich der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Nordost (SEM) passieren.

Der Stadtrat hatte deshalb beschlossen, die Trasse zwischen Daglfing und Johanneskirchen, die derzeit höhengleich mit den Straßen ist, in einen Tunnel oder Trog zu legen. Die Bahn untersucht aktuell eine Trog- sowie eine ebenerdige Variante. Die Prognosezahlen, auf die sich Bernd Pfeiffer von der DB Netz AG beruft, kommen aus dem Bundesverkehrswegeplan.

Stadtrat Jens Röver (SPD) vermutet jetzt, dass es in der Realität deutlich mehr Züge sein könnten: Seine Zahlen kommen von der Trimode-Studie des Bundesverkehrsministeriums. Mit Blick auf die Zahlen befürchtet Röver, dass vom Brenner aus perspektivisch über 500 Züge täglich durch München rauschen könnten.

Deutsche Bahn wird Trassenführung einer Bürgerinitiative berücksichtigen 

Im Planungsausschuss des Stadtrates wurden am Mittwoch mögliche Trassenführungen für den Ausbau des Güterverkehrs über Truderinger und Daglfinger Kurve diskutiert. Die Menschen, die entlang der Gleise wohnen, fürchten um ihre Lebensqualität. Eine Bürgerinitiative hat deshalb eine alternative Trassenführung erarbeitet, die abseits der Bebauung liefe und auch die von der DB geplante Brücke über die Kraftfahrzeug-Verwahrstelle überflüssig machen würde.

Die DB hat diese Vorschläge mit in ihre Untersuchungen einbezogen. Bei der Wahl der bevorzugten Variante würde aber die Wirtschaftlichkeit eine erhebliche Rolle spielen – wie vom Auftraggeber, dem Bund, vorgegeben, sagt Pfeiffer. Er kündigte an: "Die favorisierte Variante wird im zweiten Quartal dieses Jahres bekanntgegeben."

Sollte die DB Netz AG sich im SEM-Gebiet nicht für einen Tunnel entscheiden, müsste die Stadt zuzahlen – wenn sie auf dieser Lösung beharrt.

Großteil des Münchner Güterverkehrs ist Durchgangsverkehr

Auf die Bedenken der Stadträte – darunter die Prognosezahlen – gingen die DB-Vertreter nur "dürftig" ein – bewertete Röver selbst. Er kritisierte auch, dass es sich bei einer Vielzahl von Güterzügen um Durchgangsverkehr handele. Röver: "Es kann nicht sein, dass durch eine Millionenstadt der europäische Güterverkehr geleitet wird, der nicht Ursprung und Ziel in der Stadt hat."

Die SPD wolle bei dem Projekt den bestmöglichen Lärmschutz für die Anwohner durchsetzen. Im Falle SEM-Gebiet würde das nunmal der Tunnel sein und im Bereich Trudering "die Umsetzung des sehr guten Alternativ-Vorschlags der Bevölkerung".

Skeptisch ist auch Dorothea Wiepcke (CSU). "Es liegt an der Stadt und uns Stadträten, den Druck zu erhöhen", mahnte sie. Sie hält die von Röver genannten Prognosezahlen für realistisch. Denn mit Blick auf den Klimaschutz wollten schließlich nicht nur die Bundesrepublik, sondern auch andere EU-Länder den Güterverkehr massiv ausbauen.

Herbert Danner (Grüne) geht davon aus, dass 61 Prozent des Güterverkehrs durch München schon jetzt Durchgangsverkehr ist. Seine Grünen fordern eine gerechte Verteilung innerhalb von Oberbayern. Der Güterverkehr, der nicht von oder nach München kommt, solle vorzugsweise nicht durch die Stadt führen. Nach der Sitzung hatten viele Fraktionen noch Redebedarf. Das Thema wurde zunächst auf den 4. März vertagt.

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