Grüne Lunge soll bebaut werden Lerchenau: Der Kampf um den Eggarten geht weiter

Anwohner, Aktivisten und Stadträte versammeln sich im Idyll um selbiges zu erhalten. Foto: Linda Jessen

Der Kampf um den Eggarten geht weiter: Nach dem Beschluss des Stadtrats soll nun ein Verein die Siedlung vor der Bebauung schützen.

 

Lerchenau - Aufgeben kommt gar nicht in Frage!", sagt Stadtrat Johann Sauerer klipp und klar. Der CSU-Mann hat bei der Vollversammlung am Mittwoch entgegen seiner Fraktion gegen die Bebauung der Eggarten-Siedlung gestimmt. Ohne Erfolg allerdings, die Mehrheit der Stadträte stimmte letztendlich für eine Bebauung .

"Wir haben das erste Gefecht verloren, das ist noch lange nicht vorbei", kommentiert Sauerer, der wie auch einzelne Politiker von SPD und ÖDP den Protest unterstützt, diese Niederlage. Auch unter den versammelten Eggarten-Schützern ist die Stimmung trotz des Rückschlages und der Hitze der Woche keineswegs gedrückt, man will weitermachen.

Bebauung des Eggarten - Proteste gehen weiter

Eine umsichtige Bebauung soll hier entstehen, also mit nachhaltigem Energiekonzept und mit Grünflächen Rücksicht auf die Natur. Riesige Bäume stehen in der Eggarten-Siedlung, in den Gärten tummeln sich Insekten und Wassertiere. Auch bei 36 Grad in der Stadt ist der Vor-Ort-Termin vergleichsweise angenehm.

Martin Schreck von den Altstadt-Freunden ist schon seit längerem hochaktiv in der Schutzkampagne für die Eggarten-Siedlung, auch die Bürgerinitiative Bündnis Gartenstadt sammelt ihre Kräfte – um einen Verein zu gründen. Damit würden die Proteste ernster genommen, so die Hoffnung. Ein Verein kann außerdem klagen und hätte damit mehr Durchschlagskraft als eine Privatperson.

Ob man es darauf ankommen lassen will, dazu will Martin Schreck noch keine Aussagen treffen – ohnehin muss der Verein erst einmal in trockene Tücher gebracht werden, gerade erst wurde eine Satzung beschlossen. Genaue Ziele müssen die Gründer in spe erst treffen, der Verein wird sich aber explizit um die Eggarten-Siedlung kümmern.

Sauerer: "Die Stadt braucht ein Pause"

Doch die will man hier vom Stadtgeschehen nicht abtrennen. "Das hier kann ein Fanal für die zukünftige Entwicklung sein. In der Stadt gibt es so viele Bauprojekte, wir kommen doch mit der Infrastruktur gar nicht mehr hinterher. Die Stadt braucht eine Pause, denn wir sind gerade dabei, eine Allerweltsstadt aus ihr zu machen", moniert Sauerer. Um den Eggarten zu schützen, müsse alles Mögliche getan werden, findet er und sagt: "Das kann auch eine Klage sein."

Sabine Kiermaier vom Bündnis Gartenstadt ärgert sich maßlos über die Pläne der Stadt für die grüne Oase und übt scharfe Kritik: "Es ist eine schreckliche Farce. Die Biodiversitätsstrategie oder das Volksbegehren zur Rettung der Bienen werden völlig ignoriert. Auf der Straße demonstrieren die Jugendlichen für den Klimaschutz – das führt in dieser Stadt nicht dazu, dass auch nur ein Baum stehen gelassen wird."

Eggarten: 2.000 Wohnungen und Grundschule geplant

Die Bedeutung der Eggarten-Siedlung als Frischluftschneise, zur Erholung und für bedrohte Tiere wie Fischreiher, Wechselkröte und eben die Bienen, betonen die Bürgerinitiative und Martin Schreck schon seit letztem Jahr, als der Kampf um den Eggarten laut wurde.

Das 21 Hektar große Areal wollen die Eigentümerinnen CA Immo und Büschl-Gruppe überplanen, neben 2.000 Wohnungen ist auch eine fünfzügige Grundschule geplant. Nach dem Stadtratsbeschluss geht dieser Plan jetzt in die Wettbewerbsphase, voraussichtlich im Oktober soll es eine Informationsveranstaltung für Bürger geben. Martin Schreck verspricht indes: "Wir sind jetzt in der zweiten Phase des Protests."

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