Grausame Entführung Kampusch bei Jauch: "Dass ich Kind war, hat geholfen"

Moderator Günther Jauch und das einstige Entführungsopfer Natascha Kampusch Foto: dapd

Bei Günther Jauch hat Entführungsopfer Natascha Kampusch über ihr Martyrium gesprochen. Im "Spiegel" bedauert die 25-Jährige, dass ihr Peiniger nie vor ein Gericht gestellt werden konnte.

 

Hamburg – Bei Günther Jauch hat die mehr als acht Jahre lang eingesperrte Natascha Kampusch jetzt über ihren Fall gesprochen. Wie konnte das Mädchen ihr Martyrium ertragen?

„Es war sehr viel Selbstreflexion nötig und es war wichtig, auf den Täter einzugehen, um sich nicht zu sehr mitreißen zu lassen", sagt die 25-Jährige, die am Tag der Sendung Geburtstag hatte. Und weiter: "Dass ich Kind war, hat mir sehr geholfen. Als Kind ist man noch nicht so oft enttäuscht worden, man ist naiver und glaubt noch an die Gerechtigkeit.“

Kampusch bedauert, dass ihr Entführer Wolfgang Priklopil nicht vor Gericht gestellt werden konnte. „Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn Priklopil überlebt hätte“, sagte Kampusch dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Ausgabe vom 18.2.). „Dann wäre klar gewesen, dass ich das Opfer bin. Jetzt wird es so gesehen, als hätte ich dem Täter etwas angetan. Damit muss ich leben.“

Priklopil hatte 1998 die damals zehnjährige Kampusch entführt und mehr als acht Jahre in einem Kellerverlies in seinem Haus in einem Vorort von Wien eingesperrt. Nach ihrer Flucht im August 2006 beging der Täter Selbstmord. In Österreich wird Kampusch, die am Sonntag 25 Jahre alt wurde, wegen ihrer differenzierten Aussagen über den Entführer bisweilen offen angefeindet.

„Für mich ist das sehr schwer zu ertragen, weil ich fast dazu gedrängt werde, ins Ausland zu gehen oder mich umzubringen“, sagte Kampusch dem „Spiegel“. Die Verfilmung ihres Schicksals mit dem Titel „3096 Tage“ kommt am 28. Februar in die deutschen Kinos.

 

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