Gratitude Die rohe Leidenschaft

Das „Gratitude“ in der Türkenstraße ist schlicht eingerichtet, weil der Fokus auf dem Essen und den Gästen liegen soll. Foto: Gregor Feindt

Das „Gratitude“ in der Maxvorstadt bringt den „Raw Food“-Trend nach München – dabei wird kein Lebensmittel über 42 Grad erhitzt

 

Es mag bisweilen albern wirken, wenn die Gäste ihre Bestellung aufgeben: „I am beautiful, bitte!“ „Einmal I am happy!“ Ich bin schön, mutig, glücklich, dankbar, lebendig – so heißen die Gerichte im „Gratitude“ in der Türkenstraße, das dort Ende letzten Jahres eröffnet hat und ein Spin-Off des kalifornischen „Café Gratitude“ ist.

„Aber das funktioniert“, sagt Alexander Lasslop, einer der vier Begründer des Lokals. „Wenn ich mir selbst etwas Gutes tue, dann strahle ich das aus, das gibt eine Welle von positiver Energie.“ Dazu gehört es auch, seinem Körper etwas Gutes zu tun. Das will das Gratitude (zu deutsch: Dankbarkeit) vermitteln.

Das kleine Lokal in der Maxvorstadt bringt einen Trend nach München, der unter den gesundheitsbewussten Amerikanern längst die Runde gemacht hat: „Raw Food“. Dabei wird kein Lebensmittel über 42 Grad erhitzt – „ab da mutieren die Eiweiße“, sagt Lasslop. „Wie beim Menschen, bei einer Körpertemperatur über 42 Grad wird es kritisch.“

Den Kräcker zum Dip, der aus verschiedenen Gemüsesorten und Körnern gepresst ist, nimmt er zur Veranschaulichung in die Hand. „Wenn ich den einpflanzen würde, da würde etwas draus wachsen“, sagt Lasslop. „Und diese Nährstoffe führen wir hier unserem Körper zu, voll erhalten. Dass Rohkost gesund ist, haben uns schon unsere Großeltern gesagt – nur hat’s damals noch nicht so geschmeckt.“

Denn der Raw Food-Trend hat mit Rohkostsalat wenig zu tun. In speziellen Dörröfen wird vieles zubereitet, etwa die Grünkohlchips mit dem würzigen Geschmack oder Tomatenbrot. „I am fulfilled“ etwa ist eine rohe Zucchini-pasta mit dehydrierten Austernpilzen und Hanfsamen-Dillsauce (10,80 Euro), „I am connected“ verschiedene Gemüse mit Ingwer und Knoblauch und Blumenkohl-„Reis“ (11,50).

Im Gratitude sind alle Speisen vegan, ein paar sind aber nicht Rohkost – in der kalten Jahreszeit wärmt zum Beispiel „I am liberated“ den Magen, Quinoa mit Gemüse (11,30). Und wer glaubt, dass Anhänger der Raw Food-Bewegung höchstens Obst zum Nachtisch essen, kann sich an der Kuchentheke (die süßen Teile haben Nussböden) vom Gegenteil überzeugen.

„Die Ernährung ist perfekt für gestresste Menschen“, sagt Alex Lasslop und klingt ein bisschen missionarisch, „es ist leicht, ich schlafe besser, nebenbei habe ich fünf Kilo abgenommen – dabei ist es vom Geschmack her ein Gewinn.“ Der Erfolg gibt ihm Recht: Das Gratitude ist manchmal unter der Woche schon ausgebucht, zu trinken gibt es auch Lammsbräu und Bio-Wein.

Ganz dogmatisch ist auch Lasslop nicht: Er isst Fleisch. Und auch wenn sie im Gratitude so saisonal wie möglich kochen wollen – im Smoothie landet Banane, im Kuchen Mango: „Es soll halt auch schmecken.“


Türkenstraße 55, Di. bis Sa. 11 – 22 Uhr, So. 10 – 16 Uhr, www.gratitude-restaurant.de, Tel.: 88 98 21 74

 

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