Gespenstische Situation Sendling: Das Geisterhaus an der Waldfriedhofstraße

Oben Studentenwohnungen, unten Läden: So soll das neue Wohn- und Geschäftszentrum LENA an der Waldfriedhofstraße mal aussehen – laut der Webseite des Investors Rock Capital. Nur, wann? Foto: Rock Capital

Seit Jahren steht der Büroklotz an der Waldfriedhofstraße mit allen Läden leer. Die Anwohner klagen, dass die Gegend verödet – und rätseln, warum der geplante Neubau nicht vorankommt.

 

Sendling-Westpark - Es wird zunehmend öde im Viertel rund um den Waldfriedhof. Supermarkt, Bäcker, ein Café, Ärzte, Drogerie – das gab es alles mal an der Kreuzung Waldfriedhof-/Fürstenrieder Straße rund um den sechsstöckigen Büroklotz mit seinen Anbauten. Aber die Büros und Läden sind schon lange herausgekündigt worden – für einen Neubau, der kommen sollte.

Nun steht das Trumm dort wie ein Geisterhaus. "Ein Schandfleck", sagt Günter Keller, der Chef des örtlichen Bezirksausschuss Sendling-Westpark (SPD). "Unsere Anwohner hier sind absolut genervt davon, dass dort nichts vorwärts geht. Vor allem die älteren Leute, die jetzt weit zum Einkaufen gehen müssen."

Projekt namens "Lena" geplant

Seit Jahren ist geplant, dass auf dem ganzen Areal an der Kreuzung abgerissen werden soll. Auf dem 3.000 Quadratmeter großen Gelände will ein Investor, die Rock Capital Group aus Grünwald, ein schickes neues Zentrum bauen, mit Bäcker, Metzger, Drogerie, Discounter, einem Café, Wohnungen und einer Tiefgarage. Auf ihrer Webseite bewirbt Rock Capital das Projekt auch schon unter dem Namen "Lena", eine fesche Visualisierung zeigt einen Neubau mit hohen Fenstern und eigenwilliger Silhouette. In der Beschreibung heißt es, dass neben "hochwertigen Einzelhandelsflächen" in den oberen Stockwerken auch Studentenwohnungen vorgesehen sind.

Verzögerungen seit 2015

2015 gab es bereits größere Unstimmigkeiten darüber, wie große Sattelschlepper dort rangieren sollen, wenn sie Waren anliefern, und wie ein "Stadtplatz" aussehen könnte, mit Marktstandln, Toilettenhäusl, Bänken und Grünflächen. Aus dem angepeilten Baubeginn 2016 wurde nichts. Inzwischen haben sich Stadtplaner und der Investor geeinigt. Eigentlich könnte es längst losgehen mit dem Bau.

Aber nun stellt sich heraus, dass es zu weiteren Verzögerungen kommt. Der Bau-Vorbescheid ist erneut um zwei Jahre verschoben worden – bis 2021. Bei der CSU im Stadtrat nimmt man das mit einiger Verwunderung zur Kenntnis. Eine "Zumutung für die Bürger" nennt das Stadtrat Otto Seidl. "Das kann ja wohl nicht sein, dass man dieses Gelände jetzt noch länger leerstehen lässt, die Anwohner haben recht, dass sie stinksauer sind", sagt er zur AZ.

Mit seiner Kollegin, Stadträtin Evelyne Menges, will er nun ganz offiziell von der Stadtverwaltung wissen, wie eigentlich der Stand der Dinge bei dem Bauvorhaben ist – und was womöglich die Stadtplaner dazu beitragen können, um den Baubeginn zu beschleunigen.

Probleme mit dem Investor?

Das Problem könnte aber auch beim Investor selbst liegen. "In der Lokalbaukommission liegt noch immer kein Bauantrag vor", sagt ein Sprecher des städtischen Planungsreferats auf AZ-Anfrage. Die Gründe? "Sind uns nicht bekannt", sagt er weiter.

Auch in der Geschäftsführung der Rock Capital hat die AZ schriftlich nach den Gründen gefragt. Eine Antwort ist bislang ausgeblieben.

Bei der nächsten Bürgerversammlung am 19. November (Dreifachturnhalle, Gaißacherstraße 8, 19 Uhr) dürfte das nicht gut ankommen. "Ich denke, dass dort einiges an Ärger laut wird", sagt BA-Chef Günter Keller, "Lange wollen wir bei der Verzögerei auch einfach nicht mehr zuschauen."

 

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