Germanwings-Absturz durch Andreas L. (27) Todesflug 4U9525: Airlines wollen Zwei-Personen-Regel einführen

Hier soll in Zukunft das "Vier-Augen-Prinzip" gelten: Airlines wollen nach dem Airbus-Drama in den französischen Alpen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen. Foto: dpa

Er raste vorsätzlich mit 149 Menschen in den Tod: Co-Pilot Andreas L. (27) konnte den Sinkflug des Airbus A320 einleiten, weil er allein im Cockpit saß. Jetzt wollen Airlines die Zwei-Personen-Regel einführen.

 

Berlin - Nach dem furchtbaren Absturz-Drama um die Germanwings-Maschine, bei dem Co-Pilot Andreas L. (27) sich und 149 weitere Menschen in den Tod riss, wollen die größten deutschen Fluggesellschaften Konsequenzen ziehen.

Sie wollen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen.

Laut Ermittlern hatte Andreas L. den Piloten ausgesperrt und die Maschine mit Absicht auf den Todeskurs gesteuert. Das schreckliche Drama hat jetzt eine Diskussion über die Besetzung im Cockpit entfacht. Wie kann es sein, dass sich eine Person im Cockpit einschließen kann?

Airlines wollen Zwei-Personen-Regelung einführen

Künftig solle sich kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit aufhalten dürfen, sagte Matthias von Randow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). An diesem Freitag solle die neue Zwei-Personen-Regelung mit dem Luftfahrt-Bundesamt besprochen werden, kündigte er an. Die Airlines wollen das neue Vorgehen demnach unverzüglich umsetzen. Dies kündigten etwa Air Berlin und Condor an.

Die Regelung werde zunächst nur vorläufig eingeführt. Dies hätten die betroffenen Gesellschaften auch kommuniziert, sagte von Randow am Donnerstag in der ZDF-Talksendung Maybrit Illner. In der Luftfahrt-Sicherheit seien "Schnellschüsse das Falscheste, was man machen kann".

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte am Abend in den ARD-"Tagesthemen", man habe sich mit allen anderen großen deutschen Airlines entschieden am Freitag mit den Behörden zu überlegen, "ob es kurzfristig Maßnahmen geben kann, die die Sicherheit noch weiter erhöhen".

Fassungslosigkeit bei Germanwings

Neben deutschen Airlines kündigten auch Fluggesellschaften wie Easyjet, Norwegian und Air Canada an, dieses auch "Vier-Augen-Prinzip" genannte Vorgehen im Cockpit einzuführen.

Auch bei der Lufthansa-Tochter Germanwings herrschte nach dem vermutlich vorsätzlich herbeigeführten Absturz Fassungslosigkeit und Entsetzen. "Wir sind alle unter vollkommenem Schock", sagte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann im ZDF-"heute journal". Man werde alles tun, damit ein solches Ereignis niemals wieder vorkommen werde. Mit Blick auf die Forderung nach der Verschärfung von Cockpit-Regeln, sagte er: "Mir stellt sich die Frage, wenn ein Mensch mit solcher Energie einen kriminellen Akt begehen will, ob das dann zu verhindern ist, wenn beispielsweise eine Flugbegleiterin oder ein Flugbegleiter im Cockpit ist."

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Vor dem Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Menschen an Bord in den südfranzösischen Alpen war der Pilot den Erkenntnissen zufolge zur Toilette gegangen und hatte seinem Kollegen das Steuer überlassen. Danach konnte er nicht mehr durch die automatisch verriegelte Kabinentür zurück in das Cockpit gelangen.

Es bleibt die Frage nach dem Warum

"Es sieht so aus, als ob der Co-Pilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört hat", hatte Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Marseille gesagt. Die Ermittler hatten seit Mittwoch die Aufnahmen eines geborgenen Stimmenrekorders ausgewertet.

Warum der Mann die Maschine in die Katastrophe steuerte, ist weiterhin unklar. Die Polizei durchsuchte eine Wohnung des Germanwings-Co-Piloten in Düsseldorf. Grundlage war ein Ersuchen der französischen Justiz.

Kriminalbeamte hatten nach Hinweisen auf ein mögliches Motiv oder Anzeichen für eine psychische Erkrankung des 27-Jährigen gesucht. Ein besonderes Augenmerk liege auf persönlichen Unterlagen, teilte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mit. Die Auswertung der Unterlagen werde voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen. Auch im Elternhaus des Piloten im rheinland-pfälzischen Montabaur im Westerwald wurden Polizisten vorstellig.

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Der Airbus mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und am Bergmassiv Les Trois Evêchés zerschellte.

Suche nach Opfern geht auch am Freitag weiter

Dort soll am Freitag auch wieder unter Hochdruck nach dem zweiten Flugschreiber der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings gesucht werden. Er könnte weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit vor dem Absturz liefern.

Etwa zwei Kilometer vom Flugfeld entfernt waren am Donnerstagabend Angehörige der Toten eingetroffen. In dem dortigen Sportzentrum ist ein provisorischer Trauerraum eingerichtet, die Menschen werden dort betreut. Sie werden dort auch psychologisch betreut.

In Haltern lädt das Joseph-König-Gymnasium am Freitag zu zwei Trauerfeiern, um der beim Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Schüler und Lehrerinnen zu gedenken. Bei beiden Feiern ist die Öffentlichkeit nicht zugelassen. Bei der Katastrophe in den südfranzösischen Bergen waren 16 Jungen und Mädchen sowie 2 Lehrerinnen des Gymnasiums ums Leben gekommen.

 

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