Gerd Peter Altersheime-Chef geht in Ruhestand: "Würde wahren"

Klaus Amann am Klavier und Sängerin Astrid verzaubern Bewohner des Hauses St. Joseph mit flotten Rhythmen bei der 50er Jahre Feier. Foto: Daniel von Loeper

Nach 18 Jahren geht Gerd Peter als Chef der städtischen Altersheime in den Ruhestand. Er hat ein modernes Unternehmen geschaffen und mit seinem ethischen Anspruch Impulse gesetzt

 

München - Altersheime – das waren vor 20 Jahren oft nur ungemütliche alte Häuser mit Toiletten auf den Fluren und miefigen Mehrbettzimmern. Heute sind die städtischen Häuser moderne Wohnorte.

Einer hat das in mühevoller und oft umstrittener Arbeit auf sich genommen: Gerd Peter. Gestern ging er nach 18 harten und kämpferischen Jahren in den Ruhestand.

Er hinterlässt seinem Nachfolger Sigi Benker zum 1. April ein geordnetes Haus. Der war bis jetzt Grünen-Stadtrat.

Gerd Peter hat vor 18 Jahren die städtischen Altersheime übernommen. In einer Zeit, in der das nicht Ruhm und Glanz bedeutete. Er war vorher Büroleiter bei Georg Kronawitter gewesen. Hart und konsequent in der Sache, und absolut durchsetzungsstark.

Der Alt-OB hatte ihn zu einem der ersten Controller der Stadtverwaltung gemacht. Da sorgte Peter schnell für großes Aufsehen. Er deckte Geldverschwendung auf und sorgte dafür, dass Standards gesenkt werden – ob in einer Krankenhausküche oder indem er anordnete, dass in Chefbüros auch preiswerter Teppichboden verlegt werden darf.

Das war in den 90er Jahren wie eine Revolution. Und Gerd Peter hielt die Stürme aus.

Dahinter steckt in ihm aber auch eine weiche, soziale Seele. Sonst hätte er den neuen Job nicht mit so viel Herzblut gemacht. Abertausenden Senioren hat er das Leben leichter gemacht – in den Altersheimen und mit den vielen Serviceangeboten für Rentner, die zu Hause leben.

„Es waren in der Tat bewegte, manchmal auch sehr harte Zeiten, und ich bin sehr dankbar, dass ich mit meinen Mitarbeitern die Altenpflege in München gestalten und auf einen guten Weg bringen durfte“, sagte Gerd Peter beim Abschied.

Als er vor 18 Jahren die Altersheime übernahm, hat er als erstes ein Praktikum als Pflegehelfer gemacht. „Das war entscheidend für viele Entscheidungen“, sagt er im nachhinein: „Was die Würde des alten Menschen ausmacht und wie man diese wahren kann, das habe ich aus dieser Zeit mitgenommen.“

Als er 1995 die städtischen Altersheime übernahm, da machten sie im Jahr rund 50 Millionen Mark (etwa 25 Millionen Euro) Verlust. Aus gesetzlichen Gründen wurden am 1. Januar 1996 die zehn Alten- und Pflegeheime und die drei Wohnheime der Stadt mit rund 3500 Senioren und 2000 Mitarbeitern zur „Münchenstift“ zusammengefasst. Peter: „Das war ein logistischer Kraftakt.“ Bis dahin waren vier Träger und mehrere städtische Dienststellen für die Heime zuständig.

Von jetzt an musste sich Münchenstift nicht nur am Markt behaupten, sondern auch noch ohne städtische Zuschüsse auskommen. „Heute verfügen wir über eine solide Finanzausstattung und erwirtschaften seit 15 Jahren positive Betriebsergebnisse“, sagt Gerd Peter voller Stolz.

Mit einem gigantischen Volumen von 238 Millionen Euro wurde Münchenstift modernisiert. Drei Häuser wurden neu gebaut (St. Martin Ramersdorf, Alfons-Hoffmann-Haus und voriges Jahr das Haus in der Effnerstraße). Zwei denkmalgeschützte Anlagen wurden saniert (Heiliggeist und Bürgerheim – letzteres wird 2014 fertig). Alle anderen wurden auf einen modernen Stand gebracht.
Gerd Peter hat sehr großen Wert auf eine Haus-Ethik gelegt. Deshalb wurden zum Beispiel alle Pflegeberichte veröffentlicht. Die hätten geholfen, Mängel zu erkennen und Verbesserungen anzuschieben. Ein sehr sensibles Thema ist: In Würde sterben. Auch um die Mitarbeiter zu unterstützen.
Ein Motto hatte Gerd Peter stets angetrieben: „Es geht um Menschen!“

 

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