Geld Anleger geleimt: 1,4 Millionen weg - in drei Monaten

Geprellte Anleger hoffen nun auf den Bundesgerichtshof. Foto: dpa

MÜNCHEN/KARLSRUHE - "Churning" heißt die neue Masche: Damit leimten Vermittler tausende Anleger und brachten sie um ihre Geld. Jetzt verhandelt der Bundesgerichtshof über dieses "Butter machen".

 

Heidelinde Z. hatte die 300000 Euro eigentlich für eine neue Scheune gespart. Doch als die Landwirtin aus Bayern einen Anruf von einem Vermögensvermittler bekam, überlegte sie es sich nochmal anders. Nur kurzfristig – so dachte sie.

In mehreren Telefonaten versprach ihr der Mann, ihr Geld in sicheren US-Börsengeschäften zu vermehren. Z. ließ sich darauf ein. Am Ende war fast ihr gesamtes Erspartes weg – binnen kürzester Zeit aufgefressen von völlig überzogenen Gebühren.

Von 6000 Euro blieben 250,01 übrig

Die Bäuerin ist kein Einzelfall. „Es gibt tausende Anleger, die ihr Geld auf ähnliche Weise verloren haben“, sagt der Münchner Anlegeranwalt Peter Mattil. Seit gestern verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) einen solchen Fall: Von 6000 Euro blieben einer Anlegerin dabei am Ende nur 205 Euro und 1 Cent übrig.

Die Methode, mit der das Geld vernichtet wurde, heißt „Churning“, zu deutsch: „Buttern“ oder „Absahnen“ (siehe Kasten). Der Vermittler arbeitet dabei mit einem Broker (einem Wertpapierhandelshaus) im Ausland zusammen - oft in den USA. Über den Broker fließt das Geld in hochriskante Optionsscheine, mit denen auf Aktienkurse gewettet wird. Um die Wetten geht es aber gar nicht. Das Geld wird vielmehr ständig umgeschichtet. „Oft hundert Mal am Tag“, sagt Anwalt Mattil.

"Churning" kommt von Buttermachen

Für jeden Umschicht-Vorgang kassiert der Broker vom Anleger horrende Gebühren. „Das geht bis zu 180 Dollar pro Wertpapierkauf“, berichtet Mattil. Die Folge: Binnen kurzer Zeit ist das Vermögen der Anleger aufgebraucht.

Der Begriff „Churning“ kommt vom Butter machen. Milch wird solange gerührt und Rahm abgeschöpft, bis die Milch weg ist. Ähnlich bei der Geldanlage: Da werden Anleger-Gelder ständig umgeschichtet – und dabei immer weniger. Den Rahm schöpft der Vermögensverwalter als Gebühr ab.Oft geht es um Termingeschäfte. Doch auch Otto-Normalanleger sollten auf der Hut sein. Auch Hausbanken schichten Depots ohne Not um und kassieren jedesmal Gebühren. Anleger sollten ihr Depot daher stets auf zu häufige Käufe und Verkäufe überprüfen.

"Legen Sie am besten schnell auf"

Die erste große „Churning“-Welle gab es in den neunziger Jahren. Damals verschärfte die Finanzaufsicht die Regeln für die Vermögensvermittler, die Gebührenabzocke verschwand nahezu. „Mittlerweile jedoch sind wieder Vermittler unterwegs – zum Teil ohne Erlaubnis“, warnt Mattil. So habe in einem neueren Fall einer seiner Mandanten in nur drei Monaten 1,4 Millionen Euro verloren.

Ihr Geld wiederzubekommen, ist für Anleger schwer. „Bei den Vermittlern ist nichts zu holen“, sagt Mattil. Und bei den Brokern gelte: „Auch wenn der BGH positiv entscheidet, muss man das Urteil erst in den USA durchsetzen.“ Das koste viel Zeit und Geld. Mattils Rat daher an die Anleger: „Wenn Ihnen jemand am Telefon etwas von US-Börsengeschäften erzählt, legen Sie am besten schnell auf.“ aja

 

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