Gegen Inter "Alles ist vorbei!"

Alle Titel beim Teufel: Thomas Müller ist angefressen Foto: dpa

Der FC Bayern scheidet durch das 2:3 gegen Inter aus der Champions League aus. Jetzt müssen sie unbedingt Dritter in der Liga werden. Rummenigge: „Ein Stich ins bayerische Herz”

 

MÜNCHEN Nach einem Auswärtssieg im Hinspiel dann daheim doch noch auszuscheiden – das gab es noch nie beim FC Bayern. Bis gestern. Bis zu den Bayern des Louis van Gaal im Jahr 2011. Den gescheiterten Bayern.

Drei Tage nach dem formidablen 6:0 gegen den HSV folgte das ebenso unnötige wie bittere 2:3 gegen Inter. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der in der Vorwoche noch verkündet hatte, mit van Gaal bis Saisonende weitermachen zu wollen, rang nach dem Abpfiff um Worte. Und dann sagte er, der selten so emotional reagiert, traurig: „Das ist ein Stich ins bayerische Herz. Das ist schwer zu verdauen.” Und damit hat er Recht! Das Aus in der Champions League, das endgültige Ende aller Titelträume. „Jetzt müssen wir unbedingt Dritter in der Liga werden” sagte Rummenigge. Dritter, um kommende Saison überhaupt noch eine Chance auf die Champions League zu haben.

Und das tatsächlich mit van Gaal, dem Cheftrainer auf Abruf? Dem sturen Holländer, der vor jedem Spiel eine neue Abwehrkette auswürfelt? Gestern sagte er: „Ich denke, dass wir zu viel wollen – und das ist schade. Denn das ist nicht das erste Mal. Wir haben schon so oft ein Spiel weggegeben.” Wir, das sind seine Bayern, die Van-Gaal-Bayern. Danach meinte er noch, dass „Fehler gemacht” wurden und dass alles „ein Prozess” sei – und: „Ich denke, wir haben ein gutes Spiel gesehen.”.

Nun ja, eher ein frustrierendes. Denn der Abend begann schon schlecht. Gerade 192 Sekunden waren gespielt , als Inter den Rückstand aus dem Hinspiel schon egalisiert hatte. Samuel Eto’o nutzte zum ersten Mal die vielen Indisponiertheiten in der schon wieder neuformierten Viererkette dankend aus, rannte Breno und Pranjic davon und traf locker zum 1:0.

Die gute Ausgangslage nach dem Hinspiel war dahin, die Bayern reagierten geschockt. Doch gerade, als Inter diese grausam-effektive Ergebnismaschine anwarf, die sie letzte Saison zum Triple geführt hatte, leistete sich ihr brasilianischer Keeper Julio Cesar nach einem harmlosen Schuss Robbens eine Volleyball-Einlage. Statt den Ball zu fangen, pritschte er ihn nach vorne. Der Ball landete bei Gomez, der den Ball mit dem Rücken zum Tor artistisch im Kasten versenkte (21.). Ein Tor, das ans Hinspiel erinnerte, als Cesar Robbens Schuss abprallen ließ und Gomez vollendete. Doch dieses Mal war es ein Traumtor, das die Bayern aufweckte.

Plötzlich waren sie es, die den Ball laufen ließen, plötzlich begannen Robben und Ribéry zu zaubern – plötzlich zeigte die Inter-Abwehr Schwächen. Im Fünfminutentakt brachte Bayern Chance um Chance auf den Kasten, erst scheiterte Robben in der 26. Minute, als er nur das Außennetz traf, dann traf Müller fünf Minuten später schließlich per Heber zum 2:1. Zuvor hatte Thiago Motta den Ball unfreiwillig zum WM-Torschützenkönig gespielt.

Danach begann die Phase, in der die Bayern die Partie hätten entscheiden müssen. In Minute 36 hätte Ribéry das 3:1 besorgen müssen, als er Andrea Ranocchia düpierte, aber schließlich an Cesar scheiterte. Den Schlusspunkt dieser äußerst unterhaltsamen ersten Halbzeit setzte dann wieder der überragende Gomez (40.), dessen Ball sich unaufhaltsam gen Tor drehte, bis Ranocchia und Müller ihn gemeinsam irgendwie an den Pfosten setzten.

Doch diese Sorglosigkeit in der Verwertung der Chancen brach den Bayern dann in Halbzeit zwei das Genick. In der Offensive ging nicht mehr viel und in der Defensive, nun ja, da standen eben Bayerns Verteidiger. Und Bayerns Abwehr bleibt eben Bayerns Abwehr – Herzstillstandsmomente inklusive.

Ein besonders haarsträubendes Stellungsspiel der Innenverteidiger Breno und Daniel van Buyten nutzte Eto’o mit einem Diagonal-Pass quer über das ganze Spielfeld zu Sneijder, der den Ball aus 20 Metern am überraschten Breno vorbei ins Tor bugsierte (61.). Damit nicht genug! In Minute 87 tanzte Eto’o mit Breno Samba, passte zu Pandev, der den Bayern mit seinem 2:3 den Todesstoß versetzte. „Dieser Stachel sitzt sehr tief”, flüsterte Stürmer Mario Gomez nach dem Abpfiff, „alles ist vorbei.”

Nur für van Gaal nicht. „Ich denke, dass die Spieler alles versucht haben”, meinte er, „das ist wichtig für einen Trainer.” Ob er an Rücktritt denke, wurde van Gaal gefragt. „Nein, nein”, sagte er.

 

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