Gebäude soll abgerissen werden Streit: Was geschieht nun mit der alten Tierklinik?

Fast alles wird abgerissen: Der Schlangenbrunnen und die Bibliothek der Tierklinik mit der "Laterne" auf dem Dach sollen als Erinnerung erhalten werden. Foto: Daniel von Loeper

Eigentlich ist der Abriss der Tierklinik in der Veterinärstraße am Englischen Garten beschlossene Sache. Doch es gibt Münchner, die weiter für den Erhalt des Uni-Gebäudes kämpfen.

 

München - Viel bleibt von der Tierklinik in der Königinstraße nicht: nur das historische Portal, die kleine Bibliothek mit der markanten Glaskuppel und der Schlangenbrunnen – als Erinnerung an die charmante Tierklinik der Universität, an das dunkle Muhen der Kühe in den Tierställen und die zupackenden Studenten der Veterinärmedizin, die neben dem Englischen Garten einen idyllischen und originellen Studienort hatten.

Um an der Veterinärstraße die kastenförmigen nüchternen Kuben des Physik-Campus zu errichten, werden die traditionsreichen und schmucken ockergelben Bauten an der Königinstraße abgerissen – auch die verspielten Pavillons im Hof. Denn die alten Universitätsgebäude stehen nicht unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie "pragmatisch" repariert. Trotzdem prägen sie das moderne Bild von einem freundlichen München, finden viele Maxvorstädter. An prominenter Stelle, direkt am Eingang zum Englischen Garten, geht Münchner Bautradition verloren, wird bitter beklagt.

Tiermediziner ziehen nach Oberschleißheim

Bis 2022 ziehen die Tiermediziner vollständig an den Campus Oberschleißheim. Die lokale Grünen-Politikerin Svenja Jarchow-Pongratz bedauert das sehr. Erst kürzlich war die Maxvorstädterin mit ihrem weißen Schäferhund "Emil" in der nahen Tierklinik: Für einen Notfall mit einem anderen Hund spendete ihr Hund Blut. Die promovierte Molekular-Biotechnologin sagt: "Nichts gegen die Physiker, aber ihre neuen Unigebäude werden sehr kalt und strahlen etwas sehr Technisches aus, wie das Nano-Institut, das schon steht. Mir gefällt das alte, lockere, vielseitige und etwas verspielte Ensemble. Menschen mögen Dinge, die etwas Heimeliges haben."

Bei der Abstimmung am Dienstag im Bezirksausschuss Maxvorstadt (BA) war sie gegen die aktuellen Pläne: "Altbauten bleiben nur als Marginalia erhalten. Das ist unzureichend! Alt und Neu kann man hier mehr mischen."

Zumal: Bei einer brechend vollen Bürgerversammlung 2016 war der Abriss der Tierklinik eindeutig nicht gewünscht. Florian Grüning von den Altstadtfreunden ärgert das: "Dieses Bürgervotum war überwältigend. Doch der BA hat sich darüber hinweggesetzt und Forderungen abgebügelt. Wofür fragt man dann die Bürger? Das ist doch eine Farce!"

Abriss soll in Etappen erfolgen

Er erinnert, dass der ehemalige Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU), damaliger Bauherr des neuen Physik-Campus, jegliches Gespräch verweigert hat. Druck war nötig, Demos und eine Petition im Landtag, um ein einziges Tierklinik-Gebäude zu retten: Den Bibliotheksbau mit der "Laterne", wie die Glaskuppel heißt.

Der Freistaat Bayern, das Kultusministerium und die Ludwig-Maximilans-Universität (LMU) sehen den Abriss in Etappen vor. Grüning meint, dass der Mittelbau an der Königinstraße – mit dem so prächtigen Jugendstiltreppenhaus – 2025 fällt. "Ich halte das für einen riesengroßen Fehler. Aber die CSU hat im Land nicht mehr die Mehrheit. Noch ist Zeit, die Weichen neu zu stellen. Wir haben Befürworter in der Staatsregierung." Wer an seiner Seite für die Tierklinikbauten kämpfen möchte: www.altstadtfreunde-muenchen.de oder www.denkmalnetzbayern.de.

Lokalpolitikerin Jarchow-Pongratz bekommt die Grundsatzfrage nicht aus dem Kopf: "Warum wird der funktionale Physik-Campus nicht in Martinsried gebaut?" Dort sitzt das Biozentrum der LMU.

Lesen Sie hier: Streit um Abriss der Tierklinik - ist das Kulturvandalismus?

AZ-Kommentar: Abriss der Tierklinik - Es ist noch nicht zu spät

 

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