GBW will teuer sanieren Wohnwahnsinn: Politiker wollen Mietern helfen

„Keiner will die Sanierung und keiner hat was davon“: Die GBW-Mieter in der Konradinstraße fürchten, sich ihre Wohnung nach einer teuren Modernisierung nicht mehr leisten zu können. Foto: Daniel von Loeper

In Giesing fürchten sich Mieter vor einer teuren Sanierung. Die Miete würde für alle um 30 bis 45 Prozent steigen.  Jetzt finden sie Unterstützer im Bezirksausschuss

 

Giesing - Im Viertel halten die Politiker zu den Mietern: Der Bezirksausschuss 18 hat die Stadt aufgefordert, mehrere Häuser in der Konradinstraße zu kaufen. Und zwar „unverzüglich“, weil ein großer Teil der Mieter sonst „zum Auszug gezwungen wäre“.

Für die Mieter, von denen viele ältere Menschen mit wenig Einkommen sind, ist das ein Schock. „Mehr als die Hälfte von uns könnte sich das nicht leisten und müsste ausziehen“, sagen sie. Die Mieter wollen die Pläne der GBW nicht einfach hinnehmen und wehren sich: Sie fordern, dass die GBW die Häuser nicht teuer saniert, sondern verkauft. Und zwar nicht an irgendwen, sondern an die Stadt. Und die soll natürlich kaufen.

In der Politik finden sich nun erste Unterstützer: Der Bezirksausschuss 18 Untergiesing-Harlaching fordert die Stadt in einem Antrag auf, dem Wunsch der Mieter zu folgen und die Häuser zu kaufen. „Wir wollen verhindern, dass bezahlbarer Wohnraum in unserem Viertel zerstört wird“, sagt Clemens Baumgärtner, CSU-Politiker und Vorsitzender des BA 18. Der Antrag wird von CSU, SPD, den Grünen und den Freien Wählern unterstützt, nur ein FPD-Vertreter ist nicht dabei.

Die Mieter warten auf eine Reaktion der GBW und von der Stadt

Das Signal freut die Mieter, aber sie warten vor allem auf zwei Reaktionen. Die erste ist die von GBW-Chef Claus Lehner. Ihm haben sie einen Brief mit ihren Forderungen geschrieben. Nun warten sie auf eine Antwort. Auf Anfrage der AZ hatte eine Sprecherin der GBW keine konkrete Antwort auf diese Frage gegeben. Stattdessen hieß es: „Niemand zahlt gerne mehr Miete – ist doch klar. Aber jeder möchte in einer wohnlichen Umgebung leben. Unsere Aufgabe ist es, zwischen diesen beiden Wünschen einen dauerhaft gangbaren Weg zu gehen. Dafür sprechen wir mit den Mietern, dafür investieren wir, dafür suchen wir nach gemeinsamen Lösungen.“

Und der zweite Mann, auf den die Mieter warten, ist im Urlaub in Sankt Peter-Ording. Oberbürgermeister Dieter Reiter soll die Mieter unterstützen und für einen Kauf der Wohnungen durch die Stadt eintreten, so wünschen es sich die Mieter. Dieter Reiter hat sich bereits öfter mit der GBW angelegt. Als die AZ vor einem halben Jahr über unzulässige Mieterhöhungen in Schwabing berichtete, stellte Reiter sich vor die Mieter und kritisierte die GBW scharf. Aktuell erholt sich der SPD-Politiker noch an der Nordsee.

Währenddessen ärgern sich die Mieter in Untergiesing über die Informationspolitik der GBW. „Das geht so nicht“, sagt Maximilian Heisler, der sich für bezahlbares Wohnen einsetzt und selbst in einem der Häuser in der Konradinstraße Mieter ist. „Die Vertreter der GBW sind uninformiert und widersprechen sich.“ So gebe es zum Beispiel unterschiedliche Aussagen darüber, welche Baumaßnahmen den Mietern in den eigenen Wohnungen bevorstehen würden. Selbst beim Baubeginn seien sich die GBW-Vertreter nicht einig, sagen die Mieter.

„Der GBW mangelt es am Wissen über tatsächliche Gegebenheiten in den Wohnungen wie etwa die aktuellen Grundrisse“, sagt die Vorsitzende der Mietergemeinschaft Wiebke Dietrich. Vertreter des Unternehmens haben die einzelnen Wohnungen besichtigt und hätten dabei unsinnige Aussagen über die Bauvorhaben gemacht. Auf Anfrage der AZ hat eine Sprecherin der GBW angekündigt, dass es im Herbst ein Mieterversammlung geben soll. Die Mieter hoffen, dann endlich mal klare Informationen zu bekommen.

 

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