GAZtro Nacktarsch und Goldloch

Im Kim und Co kann man den Sommerabend bei einem guten Gläschen Rosé genießen. Foto: Daniel von Loeper Foto: Loeper

In der Weinbar Kim und Co finden selbst überzeugte Biertrinker einen guten Tropfen.

 

Haidhausen - Wein wird leider häufig nicht nur getrunken, sondern als reine Gesprächsunterlage missbraucht: Lage, Jahrgang, Rebe, Winzer, Ausbau und noch eine ganze Menge Attribute, die in der Bierstadt München wie Fremdwörter klingen, müssen scheinbar immer erschöpfend erläutert werden. Wenn die Flasche dann endlich geöffnet ist, hat das Gespräch schon längst zu korken begonnen. Der arme Wein.

Am Johannisplatz hat seit Anfang April die Weinbar Kim und Co eröffnet, die feine Weine anbietet, aber glücklicherweise ohne das ganze Brimborium um große Große Lage und Co. herumkommt. Früher war hier das Goldloch beheimatet. Wer nun wegen des Namens zu kichern beginnt, ist wahrscheinlich kein großer Weinfreund. Goldloch klingt lustig, gehört jedoch für Weinkenner hierzulande zu den besten Lagen für Riesling. Die Liste der lustigen Weine ließe sich hier endlos fortsetzen. Wie wäre es mit Nacktarsch? Ja, ist auch ein Wein.

Das neue Lokal von Kim Mahr von Staszewski wirkt auf den ersten Blick nicht wie eines dieser Weinlokale, die unwissende Weintrinker ungern betreten, da sie sich sorgen, sie könnten etwas falsches sagen oder bestellen. Die Atmosphäre ist locker, die Einrichtung geradlinig und der Umgang herzlich. Hier wird Wein nicht besprochen, hier wird Wein geschätzt und natürlich auch getrunken.

Die Liebe zum Rebensaft hat Staszewski von ihren Eltern geerbt, die eine Weinhandlung betrieben hatten. „Früher haben mich meine Eltern auch immer mit in Weinberge genommen.“ Ihre Liebe zum Wein ist geblieben. Zwar gibt es in ihrer Weinbar auch Bier, aber für sie ist der Begriff „Feierabendbier“ ein Fremdwort. Zum Feierabend passt schließlich auch Wein und die Empfehlung des Hauses ist aktuell ein 2013er Riesling vom Weingut Johann Baptist Schäfer (0,1 l für 3,90 Euro). Übrigens ein Goldloch. Neben den Weinen, die sich preislich bei 3,90 Euro für den Deziliter starten, gibt es auch kleine und feine Speisen als Wein-Grundlage.

Bereits nach wenigen Wochen ist das Backhendl mit Remoulade und hausgemachten Kartoffelsalat (14,50 Euro) zum absoluten Renner im Lokal geworden.

Das Kim und Co ist eine Weinbar, in der sich selbst überzeugte Biertrinker wohlfühlen werden. Vielleicht versuchen die auch mal einen Goldloch oder einen Nacktarsch.

Johannisplatz 11, Di bis Sa von 17 bis 1 Uhr, Telefon 441 199 30, www.kimundco.de

 

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