Gastro-Kritik: Don Quijote Aggro-Schinken in Altschwabing

Das Don Quijote in der Biedersteiner Straße. Die Rechnung... Foto: Petra Schramek

Das lange geschlossene Don Quijote in der Biedersteiner Straße hat vor einigen Monaten wiedereröffnet. Die AZ hat das Restaurant getestet.

 

„Heute ist euer Glückstag! Mein Mitarbeiter hat aus Versehen den teuersten Schinken serviert, obwohl ihr einen günstigeren bestellt hattet. Ich hoffe, es hat euch geschmeckt.“

Ja, das hätte der Chef, zum Beispiel, sagen können. Hat er nicht. Stattdessen: den Kellner angeschrien. Immerhin: nicht uns.

„Und irgendein anderer Tisch hat jetzt den billigen Schinken bekommen!“, endete seine Tirade. Da hatten Kollege Marco Fenske und ich fast schon ein schlechtes Gewissen. Denn der Schinken hatte gut geschmeckt, sehr gut. „Der ist ja auch 18 Jahre älter“, belehrte der weißhaarige und eigentlich recht charismatische Patrone, schob seinen sympathischen, doch inzwischen verunsicherten Kellner beiseite und rauschte in die Küche ab: „ICH SCHNEID DEN JETZT SELBER!“

Gut, vor Gericht würde man auf „mildernde Umstände“ plädieren. Denn der Chef war auf 180. Kurz zuvor hatte er sich mit zwei Kunden am Nebentisch gefetzt. Die waren auf Groupon-Ticket da und irgendwie unzufrieden.

Warum genau, konnten wir nicht hören. Nur, dass der Boss, ein gebürtiger Kölner, „Jetzt macht mal halblang!“ forderte, „wir haben 500 Gäste pro Woche“ vorrechnete und „Das passiert acht Mal am Tag!“ einräumte.

Das Spektakel endete damit, dass die Gäste nicht zahlen, aber dafür das Restaurant verlassen mussten. „Tschüss!“

Was auf dem Teller landet, ist größtenteils überzeugend

Schade. Denn das in Altschwabing gelegene „Don Quijote“ ist nicht schlecht, die Location im Keller urig mit Kultpotenzial. Witzige Idee: Stammgäste können mit Filzstift auf die weiße Wand schreiben. „Hola guapa“ und „Claudia“ steht da.

Tapas isst man hier, dargeboten werden sie in einer Vitrine. Gut, die ist klein, die ausgestellten Stücke könnten ansehnlicher präsentiert sein und die offene Küche, in die man zwangsläufig schaut: nun ja, reden wir nicht drüber.

Was am Schluss in Rekordzeit auf dem Teller landet, ist dafür sehr solide und größtenteils überzeugend: der Pata Negra (12,50 Euro) etwa, die Chorizo (4,80) oder die Gambas in Knoblauchsauce (8,50).

Am Ende stehen 100 Euro auf der Rechnung (und ein Schinken zu viel). Happig. Was man damit alles machen könnte! Nur so eine Idee: ein Anti-Aggressionstraining absolvieren. 

Biedersteiner Straße 6, Di. bis So. von 18 Uhr an, Tel.: 219 301 05

 

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