Garching Erhöhte radioaktive Werte: Forschungsreaktor abgestellt

Der Forschungsreaktor FRM II der TU München in Garching. Wegen leicht erhöhter radioaktiver Werte wurde er am 9. November «vorsorglich und geplant» heruntergefahren. An einem Filter waren auffällige Werte des radioaktiven Isotops C14 festgestellt worden. Foto: Marc Müller, dpa

Der Forschungsreaktor FRM II in Garching wurde zeitweise abgeschaltet. Das bestätigte eine Sprecherin am Freitag. Die Landtags-SPD kritisiert die Information der Öffentlichkeit als "unbefriedigend". 

 

München - Die SPD im Bayerischen Landtag fordert von der Staatsregierung Auskunft über eine vorübergehende Abschaltung des Forschungsreaktors FRM II in Garching bei München.

Der Reaktor soll laut einer Sprecherin der TU München am 9. November „vorsorglich und geplant“ heruntergefahren worden sein, nachdem an einem Filter auffällige Werte des radioaktiven Isotops C14 festgestellt wurden. Am 6. Dezember sei der Reaktor wieder angefahren worden.

Es seien weder Grenzwerte überschritten worden, noch habe eine Gesundheitsgefahr bestanden. Grund für die auffälligen Werte sei eine Änderung bei Reinigungsvorgängen innerhalb des Reaktors gewesen. Diese Abläufe seien geändert worden, so dass keine weiteren erhöhten Werte zu erwarten seien.

Der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion hingegen, Ludwig Wörner, kritisiert am Freitag die Information der Öffentlichkeit über die zeitweise Abschaltung des „umstrittenen Reaktors“ der TU: Die sei „unbefriedigend“.

Er stellte nun einen Berichtsantrag. Wörner betonte: „Wir wollen endgültige Aufklärung darüber, welche Mängel und Schwächen zur Abschaltung des Reaktors geführt haben.“

Außerdem müssten sich die Bürger fragen, ob sie von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) „nicht hinters Licht geführt worden sind“. Ihnen sei 2012 eine Umrüstung des Reaktors zugesagt worden. Angesichts des öffentlichen Drucks sei es verwunderlich, „dass sich die Betreiber des Forschungsreaktors immer noch offensichtliche Schwächen leisten“. Dabei gehe es unter anderem um korrodierende Leitungen und Rost im Wasserbecken, erklärte Wörner.

Der Reaktor war nach Angaben des Betreibers am 9. November vorsorglich abgefahren worden, weil bei laufendem Betrieb so hohe Emissionen eines radioaktiven Kohlenstoffs abgegeben worden wären, dass eine Überschreitung des Jahresgrenzwerts drohte. 

In Garching werden für medizinische Zwecke Radioisotope zur Tumordiagnose hergestellt. Der FRM II ist nicht unumstritten, weil er mit hochangereichertem Uran als Brennstoff betrieben wird.

Forschungsreaktor FRM II in Garching

Der Atom-Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München wird von der TU München betrieben und dient der Wissenschaft als Neutronenquelle. Neutronen werden in der Physik, Chemie, Biologie und den Materialwissenschaften eingesetzt.

Mediziner können mit Neutronen-Bestrahlung bestimmte Tumore wie Kehlkopf- oder Hautkrebs behandeln. In Garching werden für medizinische Zwecke Radioisotope zur Tumordiagnose hergestellt.

Der FRM II ist umstritten, weil er mit atomwaffentauglichem, hochangereicherten Uran als Brennstoff betrieben wird. Erst 2010 war dessen Verwendung um acht Jahre verlängert worden.

Die knapp 435 Millionen Euro teure Anlage wurde im Juni 2004 offiziell eröffnet und ersetzte den Forschungsreaktor FRM I, das „Garchinger Atom-Ei“. Nach den ursprünglichen Auflagen des Bundesumweltministeriums sollte der FRM II bis spätestens 2010 auf weniger angereichertes, nicht atomwaffentaugliches Uran umgerüstet werden. Voraussetzung dafür sei aber gewesen, dass ein alternativer Brennstoff vorliege - was nicht der Fall sei, sagte eine TU-Sprecherin am Freitag.

Die Gegner der Anlage sehen Sicherheitsmängel und fürchten bei Störfällen eine Freisetzung von Radioaktivität. Nach Angaben der TU München ist das Reaktorgebäude gegen Flugzeugabsturz, Blitzschlag, Hochwasser, Erdbeben und Explosionen gesichert. Auch bei einem Totalausfall der Kühlung soll keine Gefahr drohen.

Die Hochschule betont, dass der Reaktor mit nur 20 Megawatt thermischer Leistung nicht mit Atomkraftwerken verglichen werden könne, die bei hohem Druck und großer Hitze auf eine 300-fach höhere Leistung kommen. 

 

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