Ganze Region will in den MVV Neue Pläne fürs Netz: Das wird eine Mega-S-Bahn

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Wie beugen wir dem Verkehrsinfarkt vor? Die Landräte aus der Region haben sich dazu Gedanken gemacht. Ihr Vorschlag: ein S-Bahn-Netz, das halb Oberbayern umspannt.

München - Als Robert Niedergesäß in den Räumen des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) am Isartor Platz nimmt, tobt etwa 50 Meter unter ihm schon wieder das Chaos: Polizeieinsatz, Stammstrecke weitgehend dicht, nur die S7 fährt durch bis zum Ostbahnhof. Kommenden Mittwoch soll am Marienhof Spatenstich für die zweite Stammstrecke sein.

Die zusätzliche Röhre soll verhindern, dass das S-Bahnnetz bei jeder kleinen Störung gleich stillsteht. Für den Ebersberger Landrat Niedergesäß (CSU) ist mit dem Bau des Riesentunnels die Entwicklung des Streckennetzes aber noch längst nicht abgeschlossen.

Vision für die S-Bahn 2050

Als Sprecher der Verbundlandkreise im MVV, einem Zusammenschluss aller Landkreise mit S-Bahnanschluss, hat Niedergesäß ein Positionspapier vorgestellt, an dem er und die anderen Landräte aus der Region fast ein Jahr lang getüftelt haben.

Es ist eine Art Vision für die S-Bahn 2050 geworden – und die hat es in sich. Doppelstöckige Züge, neue Bahnhöfe und ein 24-Stunden-Betrieb – das sind nur einige Forderungen, die die Verbundlandkreise erheben. Dazu soll das Streckennetz massiv erweitert werden. Von Rosenheim bis Pfaffenhofen, von Landshut bis nach Augsburg – überall soll künftig die Münchner S-Bahn fahren.


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Bei der Mega-S-Bahn handelt es sich vorerst freilich nur um ein Gedankenspiel. Zwar ist das Positionspapier auch der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zugegangen. Es gibt aber keine Garantie dafür, dass die Münchner S-Bahn irgendwann tatsächlich Fahrgäste durch halb Oberbayern kutschieren wird.

Die Verbundlandkreise halten aber genau das für wünschenswert. Im Großraum München leben schließlich schon heute um die 2,9 Millionen Menschen. In den nächsten 20 Jahren werden geschätzt noch einmal 400 000 dazukommen. Die sollen das Auto dann möglichst stehenlassen. "Deshalb muss die S-Bahn fit werden für die Zukunft", so Niedergesäß. Nicht alle Forderungen sind dabei gänzlich neu.

"Seine Träume nicht zubauen"

Eine doppelstöckige S-Bahn zum Beispiel wird schon seit Jahrzehnten immer mal wieder diskutiert. Insgesamt weist das Positionspapier eine große Schnittmenge mit dem Drei-Phasen-Programm auf, das das Innenministerium zur Ertüchtigung des Bahnknotens München aufgelegt hat. Noch nie haben die Verbundlandkreise ihre Forderungen aber so forsch vorgetragen wie jetzt.

Warum Niedergesäß und seine Kollegen ausgerechnet jetzt den großen Aufschlag wagen, ist vollkommen klar: Nächste Woche beginnen die Bauarbeiten für die zweite Stammstrecke. Etwa neun Jahre wird es bis zur Fertigstellung dauern. Da gelte es schon jetzt, die Weichen für die Zeit danach zu stellen, so der Ebersberger Landrat.

Natürlich würden sich nicht alle ihrer Forderungen so schnell umsetzen lassen, sagt der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU). Für eine Bahnstrecke entlang der A8 Richtung Dasing sind schließlich noch nicht einmal Gleise vorhanden. Man müsse aber schon jetzt damit beginnen, die Trassen zu sichern. "Man darf sich seine Träume nicht zubauen", so Löwl.

Das ultimative Verkehrsmittel

Sei die Trasse erst einmal verstellt, sei die Verwirklichung kaum mehr möglich. Wenn voraussichtlich 2026 die zweite Stammstrecke eröffnet, wird also sicher nicht gleich eine Dasinger S-Bahn durch die Röhre sausen. Ein paar andere Punkte aus dem Positionspapier sollen nach Vorstellung der Verbundlandkreise aber tatsächlich schon bis zum Ende des Tunnelbaus umgesetzt werden.

Die Landräte aus dem Umland denken dabei vor allem an eine Taktverstärkung, an einen barrierefreien Ausbau aller Bahnhöfe und an eine Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Wasserburg. Langfristig soll die Münchner S-Bahn zum ultimativen Verkehrsmittel ausgebaut werden: überall zweigleisig, teilweise sogar 7,5-Minuten-Takt und zumindest am Donnerstag, Freitag und Samstag auch nachts stündlich eine S-Bahn.

Milliardensumme selbst erwirtschaften

Ziel ist es, dass Pendler, die heute anderthalb Stunden nach München brauchen, die Strecke in Zukunft in einer Stunde bewältigen können. Das nötige Geld für den Netzausbau – sicher eine äußerst stattliche Milliardensumme – wollen die Verbundlandkreise aus dem Bahnbetrieb selbst erwirtschaften.

Um die 150 Millionen Euro Gewinn wirft die Münchner S-Bahn derzeit im Jahr ab. Dieses Geld müsse umgehend wieder in den Ausbau investiert werden, fordert Landrat Niedergesäß.

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