Fußball-Wahnsinn in Italien Benevento-Torwart mit Traumtor in letzter Sekunde

Alberto Brignoli (l.) nach seinem Treffer in beinahe letzter Sekunde. Foto: Mario Taddeo/ANSA/AP/dpa

Nach 14 Niederlagen in Serie hat Benevento Calcio in Italien den ersten Punkt geholt – nach einem späten Treffer des Torwarts gegen den AC Mailand. Gefeiert wurde der Erfolg wie der Gewinn einer Meisterschaft.

Benevent - Alberto Brignoli lauerte an der Strafraumgrenze, dann rannte er los. Fünf, sechs schnelle Schritte, der Ball segelte Richtung Elfmeterpunkt, Brignoli hob ab und flog durch die Luft, als hätte der Torwart nie etwas anderes gemacht. "Ich habe die Augen geschlossen und bin einfach gesprungen", sagte er nach seinem Sensations-Kopfball.

Irgendwie erwischte Brignoli die Freistoßflanke, der Ball schlug direkt neben dem Pfosten ein – Marke "Tor des Monats". Es war das 2:2 in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen den großen AC Mailand, als Keeper köpfte Brignoli Benevento Calcio zum ersten Punkt in dieser Saison – nach zuvor 14 Niederlagen in der Serie A. Ein magischer Moment in Italiens "Hexenstadt".

"Wir hatten ja nichts mehr zu verlieren", sagte Brignoli nach seinem Tor, an das sich Italien noch lange erinnern wird: "Davon werde ich noch meinen Kindern erzählen." Brignoli und seine Kollegen feierten das Remis, als hätten sie gerade den Scudetto geholt. "Vielleicht war es für einen Punkt ein bisschen zu viel, aber ich kann Ihnen sagen – das haben wir nach all den Niederlagen einfach gebraucht", sagte Trainer Roberto De Zerbi.

Denn in der 60.000-Einwohner-Stadt vor den Toren Neapels waren ja schon Rufe nach einem "Exorzisten" laut geworden, schon die 13. Saisonniederlage hatte einen Negativrekord bedeutet. Derart viele Pleiten kassierte zuvor noch nie ein Team in einer der fünf besten europäischen Ligen. Doch ausgerechnet gegen Milan, das im Sommer rund 200 Millionen Euro ins Team investierte, war der große Moment für den Aufsteiger aus der Provinz gekommen.

"Wir haben gezeigt, dass wir gegen jeden bestehen können, wenn die Dinge auch einmal für uns laufen", sagte Torwart-Held Brignoli im Überschwang: "Es wäre furchtbar gewesen, dieses Spiel zu verlieren. Das ist uns schon so viele Male in letzter Sekunde passiert." Allerdings hat der Klub, dessen Wappen eine Hexe auf ihrem Besen ziert, als Tabellenletzter weiter neun Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.

"Der fliegende Torhüter versenkt Milan. Gattuso bekommt den Hexenbesen zu spüren", schrieb die Gazzetta dello Sport am Tag danach. Schließlich bedeutete Brignolis Traumtor eine ziemliche Blamage für Milans neuen Trainer Gennaro Gattuso.

Auf der Tribüne hatten Milan-Fans ein Spruchband mit dem Slogan "Wir wollen elf Gattusos auf dem Spielfeld sehen" ausgerollt, doch das Debüt des einstigen Wadenbeißers ging gründlich schief. "Diese Niederlage ist wie ein Messerstich", resümierte Gattuso nach dem Remis, während die Benevento-Anhänger den ersten Punkt der Saison mit einem Autokorso und Hupkonzerten feierten.

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