Für Geld und Drogen JVA-Affäre in Würzburg: Beamter schmuggelt Handys

Ein Mann steht an Gefängnisgittern. Foto: Patrick Seeger/dpa

Ein Vollzugsbeamter soll Handys ins Würzburger Gefängnis geschmuggelt haben. Wie er das geschafft hat? Zum Beispiel mit Cornflakes.

 

Würzburg - Genügend Bargeld, Haschisch und ein korrupter Beamter: So hat nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hinter den Gittern der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg ein illegaler, aber ausgesprochen schwunghafter Handel mit Handys funktioniert. Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg, bestätigt der AZ, dass seine Behörde gegen einen JVA-Beamten Anklage wegen Bestechlichkeit und Drogenhandels erhoben hat.

Darüber hinaus werden noch gegen 16 (ehemalige) Gefangene und Helfer außerhalb der JVA Strafverfahren geführt.

Handy-Schmuggel in Cornflakes-Packung

Eine zentrale Rolle bei den illegalen Geschäften spielt den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge ein Bordellbetreiber (27) aus Oberfranken. Er soll den Beamten dazu gebracht haben, für ihn ein Handy in die JVA einzuschmuggeln. Daraus soll sich dann innerhalb kurzer Zeit ein boomender Handel entwickelt haben.

In einer Cornflakes-Packung zum Beispiel sollen gleich neun Handys eingeschmuggelt worden sein, fast zwei Dutzend insgesamt. Der Beamte der Justizvollzugsanstalt, der seit Dezember 2018 nun selbst hinter Gittern sitzt und damit rechnen muss, endgültig aus dem Staatsdienst zu fliegen, löste auch eine richterlich angeordnete Durchsuchung der JVA aus.

Beamter ließ sich mit Geld und Drogen bezahlen

In den Verdacht, an den Geschäften mit den Gefangenen beteiligt gewesen zu sein, geriet auch ein Kollege von ihm. Diese Ermittlungen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft allerdings eingestellt. Für die "Gefälligkeiten" hielt der beschuldigte JVA-Beamte den Ermittlungen zufolge die Hand auf und ließ sich mit Bargeld entlohnen. Hin und wieder hatte er aber auch Sonderwünsche wie Haschisch für seine "Rückenschmerzen". Auch diese wurden ihm erfüllt.

Die Staatsanwaltschaft hat das illegale Treiben in der JVA Würzburg in mehrere Verfahrenskomplexe aufgeteilt. Eine Anklage richtet sich gegen den Beamten, eine weitere gegen den Bordellbesitzer und dessen Frau, vier andere gegen die restlichen Beschuldigten. Die Prozesstermine vor dem Amts- und dem Landgericht stehen noch nicht fest. Eine nicht unerhebliche Rolle könnte in den Verfahren auch noch die bisher unbeantwortete Frage spielen, wie lange sich der Beamte bereits die Finger schmutzig machte. Immerhin sagte der als glaubwürdig eingestufte Bordellbesitzer aus, dass ihm der Beamte als kooperationswillig bekannt gewesen sei.

 

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