Friedensstiftender Entwurf Siemens-Parkplatz: Hier entsteht Wohnraum für 1.500 Menschen

Sehr markant: das Siemens-Gebäude in Neuperlach. An der "Legostadt" soll ein neues Wohnquartier entstehen. Foto: imago

Auf dem Siemens-Parkplatz in Neuperlach entstehen Wohnungen für 1.500 Menschen. Der Siegerentwurf berücksichtigt Wünsche der Anwohner.

 

München - Große Firmenparkplätze und graue Garagenhöfe sind Flächen "wie aus der Zeit gefallen", sagt Ex-Stadtrat Herbert Danner (Grüne). Auf diesen Asphaltwüsten Wohnungen zu bauen – das ist seit Jahren eine kreative Vision für München.

"Diese Vision wird nun realisiert und zwar auf sensible Weise", erklärt Danner, Baubiologe und Jury-Mitglied des städtebaulichen Wettbewerbs für den Siemens-Parkplatz in Neuperlach.

Entwurf von Biedermann Architekten: Wohnblöcke für 1.500 Menschen

Der einstimmige Sieger ist das Architekturbüro Prof. Biedermann Architekten aus München. Das Stadtplanungsreferat und Eigentümervertreter Thomas Hohwieler (Geschäftsführer der RFR Development GmbH) haben am Mittwoch den Entwurf vorgestellt.

Auf dem Parkplatz Ecke Carl-Wery-Straße/Otto-Hahn-Ring sollen 730 Wohnungen für 1.500 Menschen gebaut werden. 30 Prozent davon werden geförderte Wohnungen sein. Die Investoren laden Genossenschaften ein, sich zu beteiligen.

Im Vorfeld haben Anwohner protestiert, denn dieser Baugrund von 7,2 Hektar liegt sehr speziell: eingekeilt zwischen einer Wohnsiedlung im Norden mit kleinen Häusern aus den 60er Jahren. Im Süden ragt das massive Firmengebäude von Siemens in die Höhe, die "Legostadt".

Auf dem Siemens-Parkplatz dazwischen werden in zirka acht Jahren drei "aufgelockert und weich" gestaltete O-förmige Wohnblöcke stehen, so die Planer. Inklusive einem Ärztehaus mit zehn Stockwerken als Blickfang.

Das Luftbild zeigt, wo der Parkplatz und damit das neue Wohngebiet liegen soll. Nördlich grenzt ein bestehendes Wohngebiet an.

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Bürgerfreundlich: 35-Meter-Hochhaus, begrünte Dächer und autofreie Höfe

Damit gehen der Architekt und die Stadt auf die wütenden Bürger ein, die letztes Jahr 700 Unterschriften gegen ein Hochhaus gesammelt hatten, das ihren Blick stören würde und ihre Gärten verschattet. Ein 60 Meter-Turm war im Vorfeld im Gespräch.

"Wir hätten 45 Meter hoch bauen dürfen, mit 35 Metern haben wir jetzt eine verträgliche Lösung gefunden", sagt Architekt Rupprecht Biedermann: "Der Respekt vor dem nördlichen Wohngebiet hat unseren Entwurf geprägt."

Drei Höfe mit kleinen Läden und Cafés im Erdgeschoss sollen zum Verweilen einladen. Sie sind autofrei, da jeder Block eine Tiefgarage bekommt. Dächer sollen begrünt und nutzbar sein.

Pläne für Siemens-Parkplatz: "Investor will Frieden mit der Nachbarschaft"

Wichtig: Drei Kitas, ein Nachbarschaftstreff und ein attraktiver großer Platz sollen für Ambiente sorgen. Die Wohnungen, die an der Carl-Wery-Straße entstehen, sollen Schallschutz-Loggien aufwerten. Die Häuser sind meist mit acht Geschossen geplant. Zu den Innenhöfen werden sie jedoch niedriger: "Die Gebäudemasse sollte nicht zu dominant und bedrohlich wirken", erklärt Architekt Biedermann. Ein schöner Nebeneffekt, wie er findet: "Durch das Abgestaffelte entstehen tolle Dachterrassen."

Dass ihr grüner Wall erhalten bleibt, war die zweite Forderung der Anwohner: Der Wall ist ein dicht mit Büschen und Bäumen bewachsener Streifen entlang der Dr.-Walther-von-Miller-Straße. Als neuer Weg wird ein Durchstich die alteingesessenen Neuperlacher in Zukunft mit dem neuen Quartier, seinen Wiesen und Höfen verbinden. Als Attraktionen sind dort angedacht: ein Fitnesspark und eine Kletterlandschaft für Kinder, viele Wege und Bänke. "Das ist ein Angebot. Es soll für alle sein", hofft Architektin Ulrike Lauber, Vorsitzende der Jury beim städtebaulichen Wettbewerb.

"Ein mulmiges Gefühl" hatte Lokalpolitiker Herbert Danner, als er von den ersten Plänen für den Siemens-Parkplatz erfuhr. Nun ist er aber überzeugt: "Das ist eine runde Geschichte. Viele Wünsche der Anwohner wurden aufgenommen. Der Investor will Frieden mit der Nachbarschaft."

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