Fotos ab 1850 Bilder aus München: Die ungehobenen Schätze des Stadtarchivs

, aktualisiert am 05.01.2017 - 17:17 Uhr
München im Wandel der Jahrzehnte: Das Stadtarchiv hat faszinierende Bilder der landeshauptstadt, die AZ zeigt eine Auswahl. Foto: Münchner Stadtarchiv

Haben Sie Lust, zu stöbern und zu staunen? Rund 8.000 historische Fotos, die das Leben in München seit 1850 zeigen, kann man jetzt online anschauen. Die AZ zeigt hier schon mal eine kleine Auswahl.

 

München - Pferdekutschen im Tal um 1880, als das noch junge "Weiße Bräuhaus" den alten "Mader Bräu" abgelöst hat. Ein Münchner "Tram-Car" 1897, gezogen von einem Pferd. Die Theresienwiese, auf der um 1905 noch Schafe grasen. Ziegen auf dem Viktualienmarkt. Und später der Hauptbahnhof, völlig getrümmert am Ende des Kriegs 1945.

Es ist eine Fülle an Foto-Schätzen, die das Münchner Stadtarchiv in der Schwabinger Winzererstraße hütet: Neben den 20 Regalkilometern an historischen Akten, 90.000 Urkunden und 3.000 Ton- und Filmdokumenten inzwischen fast zwei Millionen Negative und Papierabzüge, die München, seine Häuser, Straßen, Menschen und Feste seit um 1850 zeigen.

Nach über einem Jahrzehnt an Einscan-Arbeit hat das Stadtarchiv jetzt rund 8.000 der schönsten Fotos online für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter https://stadtarchiv.muenchen.de kann also jeder, der mag, nach Herzenslust suchen, stöbern und staunen.

Aber woher kommen diese ganzen Bilder? Die ersten sind schon in den 1850er Jahren gesammelt worden – unter dem städtischen Archivar Karl August Muffat (1804-1878), damals noch im "Kleinen Rathaus" am Petersplatz, wo das Stadtarchiv untergebracht war.

Aus dieser Zeit stammt wohl eins der ältesten Bilder im Bestand. Es ist ein 30 x 25 Zentimeter großer Falzpapierabzug von 1854, erklärt die Stadtarchiv-Historikerin Elisabeth Angermair der AZ. "Er zeigt, wie die Münchner an der Mariensäule einen Dankgottesdienst feiern, weil endlich die Cholera in der Stadt überwunden ist." Der Fotograf Georg Böttger muss damals mit seiner Plattenkamera in einem Fenster des Vorgängerbaus von "Ludwig Beck" gestanden sein.

Im letzten Jahrhundert hat das Stadtarchiv viele Sammlungen von Ämtern, Stadtfotografen und Privatleuten übernommen. Die von Georg Pettendorfer († 1945) zum Beispiel, der bis in die 1920er Jahre fast alle Häuser in der Altstadt für Postkarten fotografiert und 4.000 Bilder hinterlassen hat. Oder die von Karl Valentin, der 1.800 München-Fotos (Abzüge auf Karton) akribisch sammelte.

Einen großen Fundus liefern auch das Hochbauamt mit 7.000 Bildern (1950 bis 1980) und die Nachlässe oder Schenkungen Münchner Zeitungsfotografen: Fotoreporter Georg Schödl etwa, der ab den 1950er Jahren auch für die Abendzeitung unterwegs war, Rudi Dix vom "Münchner Merkur" oder Fritz Neuwirth von der "Süddeutschen Zeitung".

Zwischen 10.000 und 100.000 München-Fotos kommen jedes Jahr dazu, große Kartons voller Bilder oder einzelne, vergilbte private Fotoalben. "Fertig", sagt Elisabeth Angermair, "wird unser Fotoarchiv wohl nie."

Klicken Sie sich in der obenstehenden Bilderstrecke durch einige Fotoschätze des Stadtarchivs.


Der Hauptbahnhof im Wandel

Die Geschichte des Münchner "Central-Bahnhofs" (Hauptbahnhof heißt er erst seit 1904) beginnt 1839 mit einem schlichten Holzbau und zwei Kassenhäuschen am Marsfeld auf der Höhe der heutigen Hackerbrücke. Mehr war’s am Anfang nicht.

Am 5. April 1847 entschied der bayerische König Ludwig I., dass der neue Bahnhof an der Schießstätte (die befindet sich inzwischen in Sendling) zu bauen sei. Die neue Bahnhofshalle, erbaut von Friedrich Bürklein im neoromanischen Rundbogenstil aus gelbem und rotem Backstein, konnte dann 1848 in Betrieb genommen werden: 111 Meter lang, 29 Meter breit, 20 Meter hoch und Platz für fünf Gleise. Viel zu klein natürlich.

1877 bis 1883 entstand dann unter Carl Schnorr von Carlsfeld, Jakob Graff und Heinrich Gottfried Gerber eine neue Bahnhofshalle mit 16 Gleisen. Von diesem Bau sind trotz Kriegszerstörung und Abriss nach dem Krieg (bis 1957) immer noch kleine Teile erhalten. Mit dem geplanten und umstrittenen 700-Millionen-Neubau des Hauptbahnhofs werden jetzt fast alle Teile des alten Bahnhofs verschwinden – so etwa der Starnberger Flügelbahnhof von 1951. Was bleibt, ist die 140 mal 220 Meter große Gleishalle. Immerhin.

Von der Pferdl-Tram zur Dampf-Straßenbahn

Die Geschichte der Münchner Tram währt schon lange: Am 21. Oktober 1876 fuhr die erste Pferdebahnlinie die Strecke vom Promenadeplatz, Stachus, Bayerstraße, Bahnhofplatz, Dachauer Straße, Stiglmaierplatz bis zur Maillinger Straße – ein Halt, der damals noch Burgfrieden hieß (die alte Burgfriedensäule ist an der Marsstraße heute noch zu bewundern). Damals endete hier also die Stadt, heute ist es die Grenze der Maxvorstadt zu Neuhausen – das Dorf wurde erst 1890 nach München eingemeindet.

Münchner Wohnungsnot

140 Arbeits- und Kriegsgefangenenlager gab es im Münchner Stadtgebiet während der Nazizeit. Nicht wenige der vielen Barackenbauten wurden nach dem Krieg zum Notquartier für Ausgebombte (40 Prozent der Stadt waren zerstört), Gestrandete und Entwurzelte. Wohnungsnot – das war damals neben der Hungersnot – das drängendste Problem in München: 12.181 Gebäude mit 76.095 Wohnungen hatte die Stadt im Krieg verloren. Immerhin: 1946 konnten 11.851 Wohnungen mit 41.111 Wohnräumen wieder bewohnbar hergerichtet werden.

 

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