Forderung der Grünen Katrin Habenschaden: München soll Umwelthauptstadt 2026 werden

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
In Kopenhagen fahren 55 Prozent der Menschen mit dem Radl zur Arbeit, Schule oder Uni. Foto: imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer

Die Bewerbung um den Titel "Umwelthauptstadt", der jährlich an eine Stadt in Europa vergeben wird, soll laut den Grünen motivieren, "endlich mutige Ziele" zu setzen.

 

München - Kopenhagen hat in Sachen Klimafreundlichkeit für OB-Kandidatin Katrin Habenschaden (Grüne) eine klare Vorbildfunktion: 55 Prozent der Kopenhagener fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit, Schule oder Uni. 98 Prozent der Haushalte werden über Fernwärme versorgt, 90 Prozent des Bauschutts werden wiederverwertet und das Wasser im Hafen ist so sauber, dass man darin schwimmen könnte.

Kopenhagen: Umwelthauptstadt 2014

2014 wurde die dänische Hauptstadt als Europäische Umwelthauptstadt ausgezeichnet. Ein Titel, der jedes Jahr von einer Experten-Jury an eine europäische Stadt vergeben wird. Neben Kopenhagen waren das in der Vergangenheit etwa Stockholm (2010), Hamburg (2011), Essen (2017) und heuer Lissabon.

Habenschaden will, dass dieser Titel 2026 an München geht – um den Klimaschutz voranzutreiben. Denn obwohl der Stadtrat die Klimaneutralität bis 2035 beschlossen hat, glaubt sie: "Bloße Absichtserklärungen reichen nicht."

Um eine Chance auf den Titel zu haben, würden die bisherigen Ziele längst nicht ausreichen, kritisiert Habenschaden. Denn die Kriterien sind streng. Die grüne OB-Kandidatin erklärt: "Die Stadt muss kontinuierliche Bemühungen und ein Konzept nachweisen, das eine Vorbildfunktion und einen Effekt über München hinaus hat."

Konkret schlägt Habenschaden vor, drei Aspekte in den Fokus zu setzen: die Verkehrswende, Energieeffizienz in der Gebäudesanierung und Klimaschutz durch Digitalisierung.

Maßnahmen: Ausbau von ÖPNV und Radverkehr

Gemäß des aktuellsten Klimaschutzberichtes des Kommunalreferats beansprucht der Verkehr immerhin einen Anteil von zirka 21 Prozent an den gesamten CO²-Emissionen in der Stadt. "Im Verkehr ist gleichzeitig in den letzten Jahren in München keine wesentliche CO²-Reduzierung eingetreten", sagt Habenschaden. Die Maßnahmen, die Habenschaden vorschlägt, sind bekannt: Ausbau von ÖPNV und Radverkehr – und immer weniger privater Autoverkehr in der Stadt.

Wie schwer es ist, sich bei dem Thema zu einigen, hat eine jüngste Debatte im Stadtrat gezeigt: Die SPD hatte den Grünen vorgeworfen, ihre Pläne für eine autofreie Innenstadt seien zu unpräzise. Die Grünen fordern eine "schnellstmögliche Umsetzung" in der Altstadt und bis 2026 innerhalb des Mittleren Ringes – Lieferverkehr, Anlieger und Mobilitätseingeschränkte ausgenommen.

Habenschaden möchte geringeren CO²-Ausstoß nicht nur durch weniger Autos erreichen – sondern auch durch bessere digitale Angebote. Etwa, indem Parkleitsysteme eingeführt werden, die Autofahrer gezielt zu freien Stellplätzen führen. Und somit den Parksuchverkehr, der zu Spitzenzeiten bis zu einem Drittel der Fahrzeuge ausmacht, reduzieren.

Nachholbedarf bei energetischer Gebäudesanierung und Rohstoff-Recycling

Besonderen Nachholbedarf sieht Habenschaden noch bei der energetischen Gebäudesanierung sowie dem Recycling von Rohstoffen. In München ist das erste Areal, auf dem Beton recycelt wird, die Bayernkaserne. Die Hälfte der insgesamt 1,2 Millionen Tonnen Bauschutt werden hier für das neue Stadtviertel wiederverwendet. Dadurch werden an der Bayernkaserne 3,2 Millionen Kilometer Transportwege gespart.

Die Grünen forderten am Dienstag in einem Antrag, die Wiederverwertung von Rohstoffen bei städtischen Großbauprojekten zum Standard zu machen.

Habenschaden will in einem weiteren Antrag die Bewerbung Münchens als Klimahauptstadt fordern. "Unsere Stadt ist in vielen Bereichen europaweit Spitze", sagt die OB-Kandidatin, "aber noch nicht im Bereich Klima." Sie appelliert: "Wir sollten uns mehr zutrauen, uns große Ziele setzen – und nicht jede mutige Initiative als radikal diskreditieren."

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