Flüchtlinge in München Bayernkaserne: Stadt verliert die Geduld

Der Gehweg am Asylbewerberheim in der Bayernkaserne. Foto: dpa

Die Lage rund um das Flüchtlingslager in der Bayernkaserne ist seit Wochen angespannt. Die Stadt fordert den Freistaat deshalb nun erneut zum Handeln auf.

München - Seit Wochen ist die Bayernkaserne hoffnungslos überfüllt, in der Nachbarschaft der Flüchtlingsaufnahmestelle rumort es deshalb gewaltig. In einem erneuten Brandbrief hat die Stadt die Staatsregierung nun noch einmal aufgefordert, endlich ihrer Verantwortung nachzukommen und neue Quartiere auszuweisen. „Ich hoffe, die Botschaft ist jetzt angekommen“, sagt die Dritte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD).
 
In der Bayernkaserne sind aktuell 1867 Flüchtlinge untergebracht. Schon vergangenes Jahr wurde bei der Aufnahmekapazität eine Obergrenze von 1600 festgelegt. Weil derzeit aber ungewöhnlich viele Flüchtlinge nach München kommen, gewährte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) jedoch eine Übergangsfrist. Doch mittlerweile ist die Stadt mit ihrer Geduld am Ende.
 
Eigentlich sollte Ende Juli bei der der Regierung von Oberbayern ein Runder Tisch stattfinden, doch der wurde kurzfristig abgesagt. Stattdessen hat sich die Stadt nun mit allen Beteiligten zusammengesetzt. Bei einem Treffen im Rathaus berieten Vertreter des Stadtrats, der betroffenen Bezirksausschüsse Milbertshofen-Am Hart und Schwabing-Freimann, der Stadtverwaltung, der Polizei, der Regierung von Oberbayern und des Bayerischen Sozialministeriums gestern die Situation.
 
Als erstes Ergebnis beschlossen die Beteiligten, zu prüfen, ob die McGraw-Kaserne oder die Fürstenrieder Straße als mögliche Dependance der Aufnahmestelle in Frage kommt. Zudem sollen die Anwohner der Bayernkaserne künftig schriftliche über die aktuelle Entwicklung informiert werden, auch eine offizielle Anwohnerversammlung soll es geben.
 
Die SPD hat zudem beantragt, für die Bayernkaserne eine eigene Internetseite einzurichten, um die Transparenz zu erhöhen und bei den Anwohnern Verständnis für die Lage der Flüchtlinge zu wecken. Zudem beantragte die SPD eine Lockerung des Alkoholverbots in der Bayernkaserne. Bislang ist es auf dem gesamten Gelände untersagt, Alkohol zu trinken – was dazu geführt hat, dass sich vor den Kasernenmauern Gruppen zum Biertrinken treffen und angetrunken dann Passanten anpöbeln.
 
Manche Leute in der Nachbarschaft sind deshalb verängstigt. „Man muss den Flüchtlingen beibringen, dass es die Lage nicht entspannt, wenn sich da zehn Leute in einer Bushaltestelle zusammentun“, sagt Bürgermeisterin Strobl. Die Stadt pocht deshalb auch darauf, dass die Betreuung der Flüchtlinge verbessert wird. Derzeit sind dafür nur 7,2 Stellen vorgesehen.
 
 

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